Bitcoin-Presseschau

Presseschau 2014/10

Die Coinspondent-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links der Woche zusammen. Diesmal für die Woche vom 3. bis 9. März 2014.

Besonders lesenswerte Artikel

Ignoranz, Selbstverliebtheit, Sitzbälle

Robert McMillan hat in einem toll geschriebenen und wunderbar unaufgeregten Artikel für Wired die Geschehnisse zusammengefasst, die – so liest es sich – zwangsläufig zum Ende der vorige Woche insolvent gegangenen Bitcoin-Börse Mt.Gox führen mussten. Das herausragende an dem Artikel ist, dass das ganze Mt.Gox-Drama eben keine Geschichte über Bitcoin ist, sondern die von Mark Karpeles, einem narzistischen Mann, der das Glück hatte zur richtigen Zeit in das richtige Geschäft zu investieren, sich jedoch nicht eingestehen konnte oder wollte, dass er als Programmierer damit überfordert ist ein Finanzdienstleistungsunternehmen zu leiten.

The Inside Story of Mt. Gox, Bitcoin’s $460 Million Disaster – Wired

Und was war sonst noch so los?

Satoshi Nakamoto ja, Satoshi Nakamoto nein.

Das wohl meist diskutierte Thema diese Woche war die angebliche Identifizierung von Nataoshi Sakamoto, dem Erfinder von Bitcoin. Die Geschichte stellte sich jedoch recht schnell als schlechte Recherche heraus, aber da diese „Top-Story“ gleichzeitig den Relaunch des veröffentlichenden Magazins begleitete, war die Veröffentlichung ohnehin weniger von journalistischer als von PR-strategisch Natur. Es ist jedoch haarsträubend mit welcher Kaltschnäuzigkeit hier das (Privat-)Leben eines einzelnen Mannes willkürlich und grundlos in die Öffentlichkeit gezerrt und ausgebreitet wird. Immerhin beinhaltet der Artikel Bilder des Wohnhauses und von einer Person, von der gleichzeitig vermutet wird, dass sie Bitcoins im Wert von mehrerer Hundert Millionen US-Dollar besitzt. Demenstsprechend ungehalten sind auch die Kommentare zu dem Artikel:

„Really, his real name, where he lives and his picture ? Why didn’t Newsweek just hire a hitman while they were at it.“

„Shame on you, Goodman. Quite simply, you have sacrificed a man’s life for your journalistic career.“

Nun wissen wir ja alle, dass auch negative Publicity Publicity ist, aber anstatt das Ganze einfach auf sich beruhen zu lassen, springen bei solch einer Nachricht unweigerlich auch die anderen Medien an und allein die Überschriften der folgenden Artikel bietet einen erschreckenden Blick auf das Entstehen und Vergehen einer „Nachricht“, die diesen Namen niemals verdient hatte.

The Face Behind Bitcoin – Newsweek
Is this the founder of Bitcoin? – CNN
Nakamoto will nicht hinter Bitcoin stehen – tagesschau.de
Newsweek Editor-in-Chief: We Stand by Our Bitcoin Story – Gawker

Außerdem hat sich längst der/die vermutlich echte Satoshi Nakamoto gemeldet und bestritten die im Newsweek genannte Person zu sein. Das ist in sofern glaubwürdig, als dass er dafür einen alten Account reaktivierte und diese Nachricht im selben Forum postete, in dem er damals das Bitcoin-Whitepaper und die erste Software vorstellte.

Nope!

Die Bitcoin-Community wiederum hat aus dem ganzen Brimborium die besten Konsequenzen gezogen. Nach einem Aufruf den vermeintlich identifizierten Satoshi Nakamoto für die entstandenen Unannehmlichkeiten zu entschädigen, sind innerhalb der ersten 30 Minuten Bitcoins im Wert von 3000 US-Dollar zusammengekommen, heute morgen waren es schon mehr als 42 Bitcoin bzw. knapp 42.000 US-Dollar. Trotzdem bleibt bei der Geschichte ein ziemlich fader Beigeschmack.

Weitere Bitcoin-Börsen gehackt

Diese Woche wurden zwei weitere Bitcoin-Börsen von Hackern um einige Hundert Bitcoin erleichtert. Die recht kleine Börse Flexcoin kann die Verluste nicht abdecken und macht dicht, Poloniex hingegen will den entstandenen Schaden durch Eigenkapital und Transaktionsgebühren langfristig ersetzen.

Bitcoin-Börse Poloniex bestohlen – Heise

Gute Geschäfte

Erfolgszahlen meldet der US-amerikanische Versandhändler Overstock, der im Januar angefangen hat Bitcoin als alternatives Zahlungsmittel zu Kreditkarten anzunehmen. Innerhalb der ersten 24 Stunden gingen damals Waren im Wert von 126.000 $ in Bitcoin über den virtuellen Ladentisch. Nach zwei Monaten haben die Bitcoin-Umsätze nun die Millionengrenze überschritten und Overstock-Chef Patrick Byrne rechnet bis Jahresende mit 10 bis 20 Millionen US-Dollar Umsatz, die das Unternehmen mit Bitcoin erreichen will.

Overstock Tops $1m in Bitcoin Sales, Projects Up to $20m By Year’s End – CoinDesk

Tweet der Woche

Die nächste Presseschau macht eine Urlaunspause und erscheint wieder am Sonntag, den 30. März. Bis dahin eine schöne Zeit!

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)