Bitcoin-Presseschau

Presseschau 2014/22

Die The Coinspondent-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Diesmal für die Woche vom 26. Mai bis 1. Juni 2014.

Das Bilderrätsel

Zum geschmeidigen Aufwärmen der Hirnzellen startet die Presseschau wie immer maximal-visuell und Köpfchen ist gefragt! Aber zunächst die Auflösung der letzten Woche. Hier noch einmal das Bild:

Highfive

und neben dem Anstieg des Bitcoin-Preises wäre eine andere mögliche Antwort die Partnerschaft zwischen dem Bundesverband Bitcoin und der Bitcoin Foundation gewesen. Easy, oder?

Aber nun – neue Woche, neues Glück. Welche(n) der folgenden Beiträge könnte das folgende Bild zusammenfassen? Oder ist es womöglich die ganze Woche? 

No

Antworten mit kurzer, kreativer Begründung in die Kommentare und die Bitcoin-Adresse nicht vergessen. Dem Gewinner winkt 1 mBTC.

Los geht’s!

Die Woche im Überblick

Der Bitcoin-Kurs …

… ging auch diese Woche deutlich nach oben. Tatsächlich bin ich – gerade nach meiner Prognose der letzten Woche –  positiv überrascht. Aber das ist ja auch meine Lebenseinstellung: lieber positiv als negativ überraschen lassen.

20140525Bitcoinkurs 20140601 Bitcoinkurs

Argentiniens Zentralbank warnt vor Bitcoin

Diese Nachricht wäre eigentlich gar keine Erwähung wert, denn mittlerweile hat jede Zentralbank, die was von sich hält, eine Warnung vor Bitcoin herausgegeben und auch im Falle der argentinischen sind die Argumente die gleichen: keine staatliche Absicherung, Geldwäschepotential, Betrugsgefahr und Volatilität, also die unvorhersehbare Beständigkeit des Wertes. Letzteres ist die ironische Komponente, die diese Melsung dann doch interessant macht, ist die offizielle argentinische Währung Peso ja selbst nicht gerade für herausragende Wertstabilität bekannt. Wir erinnern uns – in Argentinien verkaufen Bauern ihre Bio-Kiste gegen Bitcoin, weil sie mehr Vertrauen in dessen Wertstabilität haben als in die der offiziellen Währung.

Argentina’s Central Bank Issues Warning to Burgeoning Bitcoin Ecosystem – CoinDesk

Bitcoin™ zu verkaufen

Wusste ich auch noch nicht: Die Pleitebörse Mt.Gox hatte sich 2012 in der EU und in Japan die Markenrechte für den Begriff Bitcoin schützen lassen. Angeblich um Missbrauch zu vermeiden aka die Allgemeinheit vor sich selbst zu schützen. Nun gibt es Pläne die Markenrecht für einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag zu versilbern. Es wäre sehr anständig, wenn sich Mt.Gox seinen moralischen Anspruch bewahre und die Rechte nicht an den Höchstbietenden verscherbelt, sondern an jemanden, der auch weiterhin Missbrauch mit den Rechten verhindert. Vielleicht hat ja die Bitcoin Foundation schon Interesse angemeldet – die weiß eh nicht so richtig wohin mit all ihrem Geld. Die Erlöse aus dem Rechte-Verkauf (die Domain www.bitcoins.com gibt es noch obendrauf) kommen übrigens nicht automatisch den Mt.Gox-Gläubigern zu Gute – dafür gebe es wohl keine rechtliche Verpflichtung – auch hier wäre aber die Anerkennung einer moralischen Verpflichtung mehr als begrüßenswert.

Mt. Gox: Markenzeichen „Bitcoin“ soll verkauft werden – Heise
Mt. Gox Operator Looks to Sell Bitcoin Trademarks – Wall Street Journal

Videoschlagzeilen

Diese Woche wieder mit dabei, weil mit ergänzendem Mehrwert. Themen dieses Mal sind u.a. Bitcoin-Kurs-Bots, ein beständig wachsendes Interesse an Bitcoin und ein Sateliten-Netzwerk als nächster Schritt to the moon™?

Der Blick auf’s große Ganze

You got the Funk? I have one million FUNKS!

Gestern habe ich für die Deutschlandradio Kultur-Sendung Breitband einen Beitrag gemacht über das südafrikanische Bandprojekt The Cypherfunks, eine globale, über das Netz organisierte Band-Community mit eigener Kryptowährung, den FUNKS. Das Projekt liegt damit direkt auf der Schnittstellen zwischen der komplexen und für viele Menschen noch schwer verständlichen Altcoin-Thematik und vertrauter Alltags-Kultur und ist so auch ein weiterer Baustein Kryptowährungen in das Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen. Hier kann man den Beitrag nachhören, hier gibt es die ganzes Sendung, die neben anderen digitalen Themen auch noch jede Menge Cypherfunks-Musik enthält.

Auf der Suche nach dem Funk – Breitband

Bitcoin zwischen Neid und Angst

Roger Ver gehört zu den bekannten Menschen, die zur richtigen Zeit in Bitcoin und vor allem in vielversprechende Bitcoin-Startups (u.a. Blockchain, BitPay & Ripple) investiert und damit nach aktuellem Maßstab so etwas wie „ausgesorgt“ haben müssten. Das Problem: nicht alle gönnen ihm den Erfolg oder wollen mit mehr oder minder drastischen Mitteln einen Stück ab vom saftigen Kuchen. So auch ein Hacker, der durch Social Engeneering mehr als 37 Bitcoin von Ver erpressen wollte. Dieser hat den Spieß jedoch umgedreht und kurzerhand eine Belohnung in gleicher Höhe auf die Ergreifung des Hackers ausgesetzt. Obwohl Ver die Belohnung nur im Sinne von rechtsstaatlich zur Rechenschaft ziehen meinte, befürchtete der Hacker das „bounty“ auch Kopfgeld im wahrsten Sinne des Wortes meinen könnte, entschuldigte sich untertänigst, versicherte sich, dass bisher noch kein Auftragskiller und gab alle Zugänge an Roger Ver zurück. Die ganze Geschichte gibt es bei Wired, lasst euch dabei nicht von der experimentell-gewöhnungsbedürftigen Typographie abschrecken, bei der Gedankenstriche grundsätzlich keine Leerzeichen mehr erfordern (Wired, srsly?).

This Is What Happens When You Hack and Extort the ‘Bitcoin Jesus’ – Wired

In eigener Sache

Wo wir gerade beim Thema sind: auch hier im Blog gibt es regelmäßig Hacking-Versuche – in letzter Zeit immer häufiger. Ich habe die Sicherheitsmaßnahmen deshalb hochgefahren und überlegt, ob ich das als Ehrung sehen sollte im Sinne von „Wow, mein Blog ist so einflussreich, dass man ihn für hackenswürdig hält“ – aber nein, es nervt einfach nur, ist destruktiv und hält mich unnötigerweise von dem ab, was ich hier eigentlich machen will: kritische, aktuelle und verständliche Informationen zu Bitcoin und anderen digitalen Währungen frei und kostenlos anzubieten.

Deshalb hier – vor allem für dich, lieber Troll – noch einmal drei hard facts, warum es sich nicht lohnt mich zu hacken.

1. Es gibt nichts zu holen

Ich besitze keine 37 Bitcoins. Nicht einmal annähernd. Im Monat Mai habe ich – wofür ich mich sehr herzlich bedanke – für meine Arbeit an The Coinspondent sechs Transaktionen mit insgesamt 0,05208852 Bitcoin erhalten – derzeit knapp 25 Euro, die ich gut für die regelmäßigen Administrationskosten gebrauchen kann. Gib mir einen guten Grund, warum du diese 25 Euro dringender brauchst als ich und ich spende Sie dir. Aber der Grund muss wirklich gut, sein, denn ich bin freier Journalist und hier kannst du dich mal belesen und herausfinden, was ein freier Journalist durchschnittlich so verdient.

2. Es gibt keine Trophäe

Solltest du tatsächlich mal Zugriff auf die Seite bekommen, fliegst du gleich wieder raus. Ich kenne die Serverbetreiber persönlich, wir haben regelmäßige Backups und stimmt irgendwas mit der Seite nicht, nehmen wir sie sofort offline, setzen dich vor die digitale Tür und die Seite neu wieder auf. Außerdem – wie viele Menschen denkst du denn eigentlich mit der Seite erreichen zu können? Bitcoin ist im deutschsprachigen Raum immer noch ein Nischenthema.

3. Es gibt besseres zu tun.

Ehrlich. Besuch deine Oma mal wieder, geh‘ Fußball spielen oder koch dir was Schönes. Bringt dir wesentlich mehr als deine Zeit sinnlos am Rechner zu vergeuden. Oder du liest dieses Blog anstatt es (erfolglos) zu hacken? Würde uns beiden mehr Freude machen und ist gut fürs Karma.

So – genug zum Destruktiven. Wer mit mir auf der konstruktiven Seite steht und mich wie sechs andere Leser im Mai in meiner Arbeit unterstützen will, der kann dies hier gerne tun.

Tweet der Woche

Passt diese Woche ganz gut zu den ganzen anstrengenden Aspekten, die das Thema „Geld“ so mit sich bringt.

https://twitter.com/BryceWeiner/status/471546083445710848

Die nächste Presseschau erscheint am kommenden Sonntag, den
8. Juni. Bis dahin eine schöne Woche!

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)