Appleuhr

Apple vs. Bitcoin? Ganz und gar nicht!

Zugegeben, ich war doch recht gespannt auf das, was The Apple himself am vergangenen Dienstag denn nun veröffentlichen wollte. Weniger wegen dieser hochgebauschten, letztlich doch enttäuschenden Produkteinführung einer merkwürdigen Uhr und eines *gähn* Smartphones mit größerem Bildschirm, als wegen der Apple-eigenen Bezahlmethode Apple Pay, über die und deren Bitcoin-gefährdendes Potential wir schon vor Monaten beim hiesigen Bitcoin-Stammtisch mutmaßten.

Aus heutiger Sicht kann ich beruhigt feststellen, dass unsere schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind. Denn Apple Pay ist keine direkte Kampfansage an Bitcoin. Es ist vielmehr die sehr gezielte Versorgung einer Marktnische, für die Bitcoin möglicherweise eh nie die optimale Lösung hätte bieten können. Denn – und da muss man die Kirche ja auch mal im Dorf lassen – ja, Bitcoin ist eine beeindruckende Technologie und eröffnet vollkommen neue und großartige Möglichkeiten, aber es ist nicht die eine, die universelle Antwort auf jedes Problem dieser Welt.

Auch ich ertappe mich hin und wieder, wie mich der pawlowsche Reflex packt und ich in einer hitzigen Diskussion Bitcoin! rufen will, egal welches Problem wir gerade theoretisch zu lösen versuchen. Aber das ist Scheuklappendenken und viel sinnvoller ist es, sich gezielt mit den Stärken und Schwächen von Bitcoin auseinander zu setzen und ebenfalls zu schauen, wo die Stärken und Schwächen der Alternativen liegen.

Der Pawlowsche Reflex eines Bitcoiners ist wohl auch für diese Bitcoin-Werbung im Apple-Stil verantwortlich
Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Apple Pay hat bspw. durch die eigene Hardwaregebundenheit eine sehr abgeschlossene Kundengruppe in den USA und vielleicht auch irgendwann in Europa. Bitcoin dagegen hat keine Zugangsbeschränkungen und steht prinzipiell jedem offen. Im Gegenzug ist Apple Pay wiederum eine für den Nutzer sehr einfache und komfortable Bargeld-Alternative. Bitcoin hingegen ist noch immer kompliziert und als Bargeldersatz im alltäglichen Leben maximal „okay“. Fabelhaft, innovativ und unerreicht ist es allerdings beim Thema Mikropayment im Netz. Da kann Apple Pay nicht mithalten, da es meines Wissens technisch letztlich nur auf dem bestehenden Kreditkartensystem beruht, dass Zahlungen im Mikrocentbereich nicht leisten kann. Zumindest noch nicht.

Während Apple Pay also eine neue bequeme Bezahloption, in einem bestehendem System ist, ist Bitcoin immer noch ist ein ganzheitlich innovatives Bezahlsystem, das nicht nur eine Technologie ist, sondern mit der Blockchain eine eigene Technologie-Kategorie begründet hat.

Letztlich gibt es noch einige Kriterien mehr, nach denen man Apple Pay und Bitcoin vergleichen und unterscheiden kann. Dezentralität, Datensicherheit, Innovationspotential. Spannender ist es aber, noch einen Schritt weiter zu gehen und zu überlegen, wie Bitcoin den vom neuen vermeinlichen „Konkurrenten“ profitieren kann.

Ein großer Schritt für die Gewöhnung

Denn tatsächlich übernimmt Apple die enorme Aufgabe, auf einen Schlag Millionen von Menschen behutsam ans digitale Bezahlen zu gewöhnen, wie es kein Bitcoin-Unternehmen dieser Welt in absehbarer Zeit hätte schaffen können. Heute sind es NFC-Chips, morgen vielleicht Multisignature-Wallets?

So gesehen arbeitet Apple durchaus auch im Sinne von Bitcoin. Es beginnt Stück für Stück die nicht zu unterschätzende Lücke zu überbrücken, die es auch Bitcoin und Altcoins bisher erschwert Einzug in das alltägliche Leben der Menschen zu finden.

Ich bin also sehr gespannt, wie sich der Apple Pay-Impuls auf die allgemeine Verbreitung des digitalen Bezahlens auswirken wird. Frischer Wind ist auf jeden Fall immer gut.

PS: Auch wenn man dort nicht wirklich viele Informationen findet, lohnt es sich durchaus auch mal die vor Hyperbeln triefende originale Pressemitteilung zu Apple Pay zu lesen. Meine Lieblings-Stilblüte:

„Apple Pay funktioniert […] über ein bahnbrechendes NFC-Antennendesign …“

Oha! Wenn das tatsächlich der technische USP von Apple Pay ist, muss man sich nun wirklich keine Sorgen machen.

obama