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Googles Finanz-Anachronismus

Es ist schon erstaunlich mit welcher Konsequenz manchmal schlechte Entscheidungen durchgezogen werden, obwohl sie gegen jeden gesunden Menschenverstand verstoßen.

Mein Lieblingsbeispiel und seit Jahren Quell munterer Erheiterung in diesem Zusammenhang ist Joyn, diese extrateure SMS 2.0, mit der Mobilfunkanbieter immer noch denken, sie könnten WhatsApp und anderen kostenlosen Instant-Messengern die Stirn bieten, weil sie … naja, ein teureres Angebot mit begrenztem Leistungsumfang bieten?

Kann man machen, aber ich sag mal so: Seit anderthalb Jahren eiert die Deutsche Telekom lieber in einer unrentablen Beta-Phase rum, als sich einzugestehen, dass man vergessen hat vorher mal gründlich über die Idee nachzudenken.

Und ebenso wie die Mobilfunkanbieter ihr Joyn haben, hat sich Google überlegt, dass es doch eine schöne Sache wäre, wenn man Künstlern für ihre Youtube-Videos direkt mit einem Klick eine Aufmerksamkeit in Form eines Trinkgelds oder einer Spende zukommen lassen könnte. Grundsätzlich eine klasse Idee und Anbieter wie Changetip zeigen bereits eindrucksvoll, wie man mit einem Tweet, einem Reddit-Kommentar oder einer Facebook-Nachricht Bitcoin-Tips verschicken kann. Weltweit, unkompliziert und nahezu kostenlos.

Aber was macht Google? Führt mit „Finanzierung durch Fans“ ein Zahlungsmodell ein, dass fern jeder Nutzerrealität bei jeder Transaktion eine Mindestgebühr von 21 US-Cent berechnet (zuzüglich 5 Prozent) und davon ausgeht, dass die User plötzlich beginnen 10 Dollar als Trinkgeld für ein You Tube-Video zu verschicken.

Ganz ehrlich …

… wenn das deren Auffassung von Crowdfunding und  Mikropayment ist, dann haben die das Internet nicht verstanden.

Ist aber offensichtlich so. Zitat: „Der Videokünstler erhält beinahe deine gesamte freiwillige Zahlung. YouTube erhält eine geringe Gebühr für die Bearbeitung der Transaktion. […] Wenn du beispielsweise im Rahmen der Finanzierung durch Fans in den USA eine Zahlung in Höhe von 10 $ geleistet hättest, würde die YouTube-Gebühr 0,71 $ betragen. Der Videokünstler würde 9,29 $ erhalten.“

Ich lass das einfach mal so stehen und stelle die gewagte Vermutung auf, dass wir von Googles Plan: „Wir arbeiten zurzeit daran, die Finanzierung durch Fans in weiteren Ländern bereitzustellen“ hier in Deutschland vorerst verschont bleiben werden.

Denn im Idealfall durchläuft Googles „Finanzierung durch Fans“ nun eine gründliche, Joyn-eske Beta-Phase. Und solange die nicht abgeschlossen ist, nutzen wir weiter Changetip. Die bieten nämlich bereits jetzt schon weltweites, unkompliziertes und nahezu kostenloses Mikropayment mit Bitcoin. Übrigens auch für You Tube.