Bitcoin-Presseschau

Bitcoin Presseschau #50

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Für die Woche vom 15. bis 21. Dezember 2014 mit folgenden Themen:

Der Bitcoin-Kurs …

… geht weiter runter. Passend dazu: „Bitcoin is the worst investment of 2014“, was so aber nicht ganz stimmt. Schlimmer geht immer, aber daran sollte man sich nicht orientieren.

2014-12-14_Bitcoin-Kurs 2014-12-21_Bitcoin-Kurs

Nichtsdestotrotz – es gibt weiter viele gute Nachrichten aus dem Bitcoin-Ökosystem, das auch hierzulande – wenn auch noch im kleinen Maßstab – Arbeitsplätze schafft.

#Digitales Bezahlen – Der Bitcoin-Podcast

On The Air

Diese Woche stand der Podcast #Digitales Bezahlen passend zur Jahreszeit ganz im Zeichen von Cold Storage, dem sicheren Aufbewahren von Bitcoin. Und weil es die letzte Folge vor Weihnachten war, gab es auch ein paar Geschenke.

Links und eine Übersicht über alle bisherigen Episoden, sowie den RSS-Podcast-Feed gibt es auf der #Digitales Bezahlen-Seite.

Links und Nachrichten der Woche

Das Wirtschaftsministerium ist Pro-Bitcoin-Umsatzsteuer

Auf Initiative aus Schweden soll der Europäische Gerichtshof über die Umsatzbesteuerung von Bitcoins entscheiden. Das Verfahren läuft schon eine ganze Weile und mit Berufung auf den Ausgang ebendieses Verfahrens haben sich deutsche Entscheidungsträger immer wieder vor einer eigenen Stellungnahme gedrückt. Man wolle erst abwarten, wie das Urteil laute, so zuletzt auch die Aussage von MdB Jens Zimmermann (SPD), als er Bitcoin im Oktober im Bundestag auf die digitale Agenda setzte.

Bis auf die beiden Anfragen von ex-MdB Frank Schäffler (FDP) und MdB Tim Ostermann (CDU) von September 2013 bzw. Mai 2014 und einer Einstufung der BaFin von 2011, dass Bitcoin “Rechnungseinheiten” sind, gab es dementsprechend wenig Offizielles zum Stand der Umsatzsteuer hier in Deutschland.

Dem Bundesverband Bitcoin e.V. sind nun jedoch Unterlagen zugespielt worden, in denen das von der SPD geführte Wirtschaftsministerium offenbar bereits Mitte September eindeutig Stellung bezogen hat und zwar Pro-Mehrwertssteuer. Der Bundesverband kritisiert das.

Australien bleibt Bitcoin-avers

Vielleicht sollte das Wirtschaftsministerium mal einen Blick nach Down Under werfen. Mit weiteren regiden Entscheidungen zur Besteuerung von Bitcoin-Transaktionen pflegt Australien sein für Bitcoin-Unternehmen unattraktives Image. Die Folge: Unternehmen verlegen ihren Sitz oder machen dicht.

„Time“-Verlag akzeptiert Bitcoin

Damit steigt nun auch das erste größere Medienhaus auf digitales Geld um und Coinbase sichert sich einen prominenten Großkunden, nachdem BitPay vergangene Woche mit Microsoft auftrumpfen konnte. Immerhin erreicht Time Inc. nach eigenen Angaben 130 Millionen Leser.

Gefängnisstrafe für Bitcoin-Pionier

Charlie Shrem, einer der frühen Bitcoin-Enthusiasten, Unternehmer und Gründungsmitglied der Bitcoin Foundation, ist diese Woche zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Shrem hatte mit seiner Firma BitInstant wissentlich die Zahlungen für einige Silk Road-Drogenhändler abgewickelt und sich damit der Geldwäsche strafbar gemacht.

Es ist müßig an dieser Stelle über das Urteil zu diskutieren. Mein Eindruck von Charlie Shrem ist jedoch, das der heute 25-jährige vom enormen Potential von Bitcoin und dem eigenen Erfolg mit BitInstant in dem frühen „Alles ist möglich und nichts kann uns aufhalten“-Stadium überfordert war. Im Anklagesprech klingt das dann so:

„He willfully abdicated his duties as compliance officer of BitInstant, putting illegal profit ahead of legal and ethical responsibility.“

Dass Shrem selbst konstatiert noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein, zeigt, dass er inzwischen reifer geworden ist. Aber auch wenn seine Chancen sehr gut stehen trotz und nach dem Verbüßen seiner Strafe einen guten Job im Bitcoin-Business zu finden, sind zwei Jahre eine lange Zeit.

Zumal dieser Kommentar auf Reddit dem ganzen eine bittere Note gibt:

„At least he can hang out with all of the other banking executives who laundered billions of dollars of drug money….oh..wait…none of them went to jail did they? My bad…“

Bitcoin-Doku The Rise and Rise of Bitcoin geleaked

Wer sich selbst ein Bild von Charlie Shrem und anderen frühen Bitcoin-Pionieren machen will, der sollte sich den Dokumentarfilm The Rise and Rise of Bitcoin ansehen. Das geht nun auch kostenlos bei Youtube. Allerdings wohl nicht auf Initiative der Urheber, denn in einigen Ländern wurde der Inhalt mittlerweile geblockt. Deutschland ist aber nicht darunter.

Ich weise nur darauf hin, binde das Video hier aber nicht ein, denn wer Weihnachten mit einem guten Gewissen verbringen will, der kauft sich wie ich den Film. Er ist das Geld wert.

Geld für deutsche Bitcoin-Startups

Der u.a. vom Axel-Springer-Verlag betriebene Risikokapital-Investor Accelerator hat ein Auge auf die Bitcoin-Branche geworfen und steigt bei den deutschen Startups Coyno und SatoshiPay ein. Das deutsche Bitcoin-Ökosystem wächst trotzdem weiterhin vergleichsweise langsam. Denn neben Bitbond sind Coyno und SatoshiPay erst Bitcoin-Unternehmen Nummer zwei und drei, die sich hierzulande eine Finanzierung sichern konnten.

Hannover soll Bitcoin-Meile bekommen

An sich eine sehr gute Nachricht. Allerdings bin ich sehr skeptisch was die im Artikel erwähnte Pey-App angeht. Wenn die Händler sowieso BitPay benutzen, wozu dann noch eine App, die nichts anderes macht als meine Smartphone-Wallet zu öffnen? Oder anders gesagt: „… damit der Kunde nicht erst umständlich durch seine Apps forsten muss.“ ist ein unglaublich schwaches Alleinstellungsmerkmal.

Ohnehin werde ich mit dieser t3n-„Exklusivgeschichte“ nicht so richtig warm. Vor allem fehlt mir hier die kritische Einordnung von Pey und dadurch die journalistische Ausgewogenheit. Stattdessen gibt es diesen bedeutungslosen „Rekord“ für Hannover:

„‚Die momentan längste Bitcoin-Meile befindet sich in Madrid und ist 1,5 Kilometer lang‘, sagt Ric. ‚Mit unseren 15 Läden auf einer Strecke von 2,5 Kilometern lösen wir die Spanier ab und haben dann die weltweit längste Bitcoin-Meile.'“

Dass Länge nicht alles ist und im beschaulichen Zentrum von Arnhem bereits 45 Läden auf engstem Raum Bitcoin nehmen, hätte schon eine kurze Recherche ergeben. Zumal der lokale Supermarkt dort erst vor kurzem mit seinem Bitcoin-Engagement für Schlagzeilen sorgte.

Fazit: Das Engagement der Hannoveraner ist sehr löblich, die praktische Umsetzung jedoch fragwürdig und die Berichterstattung darüber einseitig. Schwacher kein Trost: Auch anspruchsvollere Medien haben sich schon mit Bitcoin-Themen überhoben.

Deutsche Forscher verbessern Bitcoin-Anonymität

Mit CoinShuffle wollen Informatiker der Universität des Saarlandes die Anonymität von Bitcoin-Transaktionen verbessern. Dabei greifen sie mit Bitcoin-Mixing auf ein bewährets Prinzip zurück, bei dem der Einsatz mehrerer Bitcoin-Adressen die genaue Herkunft einer Transaktion verschleiert. Ihr Clou ist jedoch die Konzeption eines dezenralisierten Mixing-Protokolls, bei dem die User ihre Bitcoins nicht mehr einem zentralen Anbieter anvertrauen müssen.

Erstes Bitcoin-Comic erschienen

Anfang Oktober hatte ich über das Crowdfunding-Projekt zu Bitcoin- The Hunt for Satoshi Nakamoto geschrieben und wie versprochen ist das fertige Comic für alle Unterstützer nun pünktlich vor Weihnachten eingetroffen. Ich habe schon mal reingeblättert und bin gespannt, was mich erwartet, wenn ich es in den kommenden Tagen in Ruhe lesen kann. Wer noch ein schönes Weihnachtsgeschenk sucht: bei Comixology gibt es das Buch für faire 9,99 $.

Tweet der Woche

Wenn euch diese Presseschau gefällt und ihr die Arbeit, die dahinter steckt, wertschätzen möchtet, dann lasst ein paar Bits oder Satoshis da.

Wenn Sie euch nicht gefällt, dann schreibt, was ich anders/besser machen soll. In jedem Fall erscheint die nächste Bitcoin-Presseschau nach der Weihnachtspause im neuen Jahr. Kommt gut rein, macht euch ein paar schöne Tage und lasst euch wie Redditor u/Late_To_Parties ein paar hübsche Plätzchen schmecken.

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Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)