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Die Blockchain weiß, was du letzten Sommer getan hast!

Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass wer Bitcoin benutze, dabei anonym ist. Das ist falsch, denn alle Daten der Blockchain werden öffentlich(!) gespeichert und sind für immer(!), frei(!) und unbeschränkt(!) zugänglich. Jede Transaktion jedes einzelnen Satoshis ist in der Blockchain dokumentiert.

Bitcoin ist nicht anynoym, wenn man sich nicht darum kümmert

Zwar gibt es durchaus Möglichkeiten eigene Bitcoin-Transaktionen durch Dienstleistungen wie bitmixer.io oder darkwallet.is zu anonymisieren und Off-Chain-Transaktionen wie beim Microtipping-Dienst ChangeTip sind auch nicht jeweils einzeln, sondern aggregiert in der Blockchain verzeichnet, aber grundsätzlich ist erst einmal jede einzelnen Bitcoin-Transaktion vollkommen transparent.

Viel mehr noch. Jede Bitcoin-Transaktion beinhaltet neben Sender- und Empfänger-Adresse und der Menge der versendeten Bitcoins eine ganze Reihe zusätzlicher Informationen, die, wenn sie clever analysiert werden, sehr aufschlussreich sein können.

Die Blockchain – ein Eldorado für Datenanalysten

Mit Hilfe von Inputs und Outputs, den technischen Bitcoin-Fachtermini für Begriffe wie „Wechselgeld“, „Guthaben“, „Überweisungssumme“ etc., lassen sich z. B. Bitcoin-Adressen clustern und gibt es irgendwo in der eigenen Wallet-/Adress-/Transaktions-/Input-/Output-Historie auch nur eine einzige Bezugsquelle zu einem realen Namen, einer persönlichen E-Mail-Adresse oder einer Bankverbindung, ist selbst die vermeintliche Pseudonymität, die die kryptische Zeichenkolonne einer Bitcoin-Adresse bietet, futsch. Anders gesagt: Die Blockchain weiß ganz genau, wann ihr damals Gras über die Silk Road gekauft habt und wer die Blockchain lesen kann, weiß es auch.

Die Blockchain zu anlysieren wird immer einfacher

Nun war es eine ganze Zeit lang das Privileg von Experten die Blockchain so detailliert analysieren zu können. Seit kurzem ist jedoch blockseer.com am Start und was diese Website bietet, ist, je nachdem wie man es sieht, beeindruckend oder erschreckend. Blockseer ermöglicht es nämlich mit wenigen Klicks und graphisch ganz hervorragend aufgearbeitet die Daten der Blockchain gezielt zu durchsuchen.

Blockseer macht die Blockchain-Daten erlebbar

Nun ist die Idee, die Daten der Blockchain zu analysieren, nicht neu. Anbieter wie bitcoinprivacy.net oder bitiodine.net machen das schon länger. Neu ist aber die Qualität, mit der Blockseer die Transparenz der Blockchain für Ottonormal-User erfahrbar macht und wer sich mal ein wenig durch die eigenen „Tx Hashes“ klickt (Bitcoin-Adresse eingeben, dann unten rechts auf einen beliebigen Tx Hash klicken), wird begeistert sein oder erschrocken – je nachdem, wie man bisher zum Thema „Bitcoin ist anonym“ stand.

Besonders die Möglichkeit öffentlich bekannten Adressen (bspw. von Bitcoin-Börsen ohnehin offengelegte oder durch strafrechtliche Ermittlungen bekannt gewordene) als Bezugspunkte miteinzubeziehen, ist bemerkenswert. Sie illustriert nämlich ganz ausgezeichnet die These, die Prof. Katharina Zweig, Leiterin des Studiengangs Sozioinformatik an der TU Kaiserslautern, bereits im Oktober 2014 im Bundestag aufstellte: „Sollte die gesamte Bevölkerung Bitcoins verwenden, können wir mit unseren Methoden aus der sozialen Netzwerkanalyse die Anonymität ganz schnell aufheben.“ 

Die Argumentation mit Blockseer ist ignorantensicher

Damals wurde sie dafür noch kritisiert (siehe Diskussion in den Kommentaren), Blockseer ist nun das DAU-tauglichste Instrument dieser Kritik zu begegnen.

Und ja – selbstverständlich ist die professionelle Analyse der Blockchain auch schon längst zu einem interessanten Geschäftsmodell geworden, wie diese geleakte Roadmap von Chainalysis zeigt. Für rund 200 Dollar im Monat gibt es das Blockchain-Analyse-Einsteigerpaket, für rund 500 Dollar das volle Programm inkl. API. Zur Zielgruppe von Chainalysis, Sabr.io und Co. gehören dabei übrigens auch ganz gezielt Ermittlungsbehörden.

Sabr.io blockchain analyse
Produkt: Blockchain-Analyse, Zielgruppe: Ermittlungsbehörden
Fazit: Die Blockchain weiß alles, Behörden aber (noch) nicht

Jeder, der Bitcoin benutzt, sollte sich also im Klaren darüber sein, welche und wieviele Informationen die Blockchain über jede Transaktion speichert und dass jede Behauptung, Bitcoin sei anonym, schlichtweg Unsinn ist.

Nichtsdestotrotz scheint das Wissen um den Informationsgehalt der Blockchain noch sehr begrenzt zu sein. Anders ist bisher nicht zu erklären, dass die hiesigen Ermittlungsbehörden im Fall Shiny Flakes es noch nicht einmal schaffen, den Inhalt zweier bekannter Bitcoin-Wallets zu überprüfen. Ist aber auch nur eine Frage der Zeit.