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So lebendig ist Bitcoin: die Antworten (Teil 1)

Am Montag habe ich drei Fragen zum Stand von Bitcoin und Ethereum gestellt. Nun wird es Zeit die ersten Antworten aus der Community zu veröffentlichen. Wie sich zeigt, ist das Bild dabei äußerst vielfältig. Wobei mich persönlich insbesondere Remos Einblick und Parallele zur schweizerischen Diskussionskultur fasziniert hat. Aber lest selbst.

Und falls ihr euch selbst noch beteiligen wollt, könnt ihr das gerne noch weiterhin tun. Die drei Fragen sind:

  1. Wer bist du und was hast du mit Bitcoin und/oder Ethereum zu tun?
  2. Inwieweit betrifft dich die aktuelle Blocksize-Debatte und was ist deine Meinung dazu?
  3. Wo siehst du Bitcoin/Ethereum in drei Jahren?

 

per Mail von Hans

Wer bist du und was hast du mit Bitcoin und/oder Ethereum zu tun?

Ich nutze Bitcoin sowie Ethereum zum Währungstausch.

Inwieweit betrifft dich die aktuelle Blocksize-Debatte und was ist deine Meinung dazu?

Ich habe keine Ahnung von Blocksize.

Wo siehst du Bitcoin/Ethereum in drei Jahren?

Ich denke, dass es sich in drei Jahren größenteils etabliert hat. Die Idee des Dezentralen ist grandios und auch das, was die meisten Menschen wollen. Weg von den ganzen Gebühren und der Spionage. Endlich hab ich die uneingeschränkte Macht über mein Konto und kann mein Geld ohne Beschränkungen in jeden Teil der Erde verschleppen.


per Mail von Remo

Wer bist du und was hast du mit Bitcoin und/oder Ethereum zu tun?

Ich bin 28, Elektroingenieur und beschäftige mich nicht nur beruflich sondern auch privat mit Technik, Computer und Programmierung. Von Bitcoin hörte ich zum ersten Mal im Podcast von Tim Pritlove. Vor rund 3 Jahren hab ich mir dann meinen ersten Bitcoin gekauft und knapp zwei Stück mit einer Grafikkarte selbst gemind. Seither verfolge ich das ganze Geschehen sehr aktiv. Ich verbrachte zu Beginn erst mal viel Zeit um Bitcoin von der technischen Seite her möglichst gut zu verstehen und bin seither von den Möglichkeiten die sich durch die Technologie bieten sehr begeistert. Dein Blog wie auch viele andere Quellen lese ich regelmässig. Diese Woche gehe ich zum ersten Mal an eine Konferenz, bei der es auch um Bitcoin geht und nehme Ende Monat an einem Meetup in Zürich teil, bei dem Andreas Antonopoulos zu Gast sein wird. Einige meiner Kollegen nutzen dank mir auch schon regelmässig Bitcoins da ich immer und immer wieder davon erzähle =).
Bitcoin nutze ich im Alltag für folgendes: Prepaid Handy mit Guthaben aufladen, via Amazon Gutscheincode einkaufen, Debit-Karte die mit einem online Bitcoin-Wallet verbunden ist, online buchen von Hotels, Spenden für Blogs  und Open Source Projekte, Xbox-Games und Store, Pizza Bestellung, unter Kollegen und zum Spekulieren =).
Ich hab mich auch am Crowd-Funding von Ethereum beteiligt, weil ich darin im Gegensatz zu all den anderen Altcoins einen echten Mehrwert sehe. Ich glaube, ich habe das Grundkonzept von Ethereum einigermassen verstanden und hab auch schon ein Node am Laufen. Ich werde mich nun definitv auch da noch weiter einarbeiten und versuchen meine eigenen Smart Contracts oder sogar Dapps aufzusetzen.

Inwieweit betrifft dich die aktuelle Blocksize-Debatte und was ist deine Meinung dazu?

Die Blocksize-Debatte betrifft mich insofern, dass ich mir schon meine Gedanken mache ob ich meine Bitcoins alle behalten soll, da es inzwischen ziemlich viele sind. Da ich aus der Schweiz bin und wir hier direkte Demokratie haben bin ich es mir gewohnt dass es oft heftige Debatten gibt, insbesondere vor Volksabstimmungen. Das kann jeweils fast zu Streit zwischen Freunden oder auch innerhalb der Familie führen, wenn man nicht gleicher Meinung ist. Sobald die Entscheidung gefallen ist, beruhigt sich das alles wieder und die Welt dreht sich weiter. So gesehen lässt mich das auch wieder ziemlich kalt.
Ich persönlich befürworte eine Erhöhung der Blockgrösse, man sollte aber auch alternative Ansätze wie das Lightning Network und Payment Channels deshalb nicht vernachlässigen.

Wo siehst du Bitcoin/Ethereum in drei Jahren?

Beide Netzwerke werden nochmals sehr stark zugelegt haben und um einige Funktionen erweitert worden sein an die heute vieleicht noch kaum jemand denkt. Bis dahin werden wir aber bei beiden noch einige Hochs und Tiefs durchmachen. Nicht nur die Unterstützung dieser Netzwerke wird wachsen sondern auch der Widerstand. Da Zukunftsprognosen in diesem Bereich unglaublich schwierig sind belasse ich es nun mal bei dem.


per Mail von hero

Wer bist du und was hast du mit Bitcoin und/oder Ethereum zu tun?

Investor seit 2013 in BTC. Seit ich von dem Thema weiß, hat es mich nicht mehr losgelassen! Ich informiere mich täglich einige Stunden über alles Neue rund um Bitcoin, Altcoins und allem, was man sonst noch so mit dezentralen Trust-Mechanismen so machen kann, wie zum Beispiel das Safenet oder dezentrale Daten Cloud oder Open Bazaar. Versuche so viele Menschen wie möglich vom Bitcoin zu erzählen und habe auch schon einige Dinge mit Bitcoin gekauft.

Inwieweit betrifft dich die aktuelle Blocksize-Debatte und was ist deine Meinung dazu?

Die Blocksize-Debatte treibt mir Sorgenfalten ins Gesicht. Z.B. Peter Todd (Bitcoin Core-Entwickler) glaubt, dass man Bitcoin skalieren kann, ohne die Blocksize zu erhöhen, indem man das Lightning-Netzwerk einsetzt. Das ist Blödsinn, da man um einen Channel zu öffnen seine Bitcoin mit einem Timelock versehen muss. Keiner weiß wieviel er in z. B. in einem Monat ausgeben will und muss daher einen sehr hohen Betrag reservieren, damit man genug BTC zum Versenden für den Channel zu Verfügung hat. Payment Channel öffnen und schließen sind zwei Transaktionen pro User. Beispiel: In Zukunft wollen 500 Millionen User einen Payment Channel öffnen und später wieder schließen. Also 1000 Millionen Transaktionen die in die Blockchain müssen. 1.000.000.000 : 250000 Transaktionen pro Tag sind 4000 Tage Wartezeit. Niemand kann seine Geldflüsse 4000 Tage im Voraus planen, geschweige den so viel Geld sozusagen „aufs Sparbuch nageln“ um von dort aus Transaktionen auszuführen. Mehr als 30 Tage ist wohl kaum vertretbar. Ich könnte noch viel mehr Gründe aufführen. Fakt ist jedoch, Bitcoin muss auch zum Teil über die Blocksize skaliert werden! Selbst mit Sidechains + Lightning-Netzwerk + Segregated Witness usw.
Um Bitcoin eines Tages fit für Milliarden von Menschen zu machen brauchen wir mindestens 50mb Blöcke. Wahrscheinlich 100mb bis 1 gb.

Wo siehst du Bitcoin/Ethereum in drei Jahren?

In drei Jahren: Bitcoin über 50 Millionen Nutzer.  Wert pro Bitcoin zwischen 3000€ und 30.000€. Blocksize-Debatte gelöst.
Ethereum: weniger Nutzer als Bitcoin. Vielleicht 10-25 Millionen. Wert 1€-50€ pro Ether. Ein dezentraler Welt-Computer, der nicht der einzige bleiben und daher begrenzten Wert haben wird. Rechenleistung wird immer günstiger, daher halte ich das Projekt für einen Hype. Ether ist keine Bitcoin-Alternative, sondern eine Art Prepaid-Treibstoff für ein dezentrales computing-power-sharing Netzwerk.

Bild: Alive? (CC BY 2.0)