faucet bitcoin

Geld verschenken als Geschäftsmodell

Eine bemerkenswerte Erkenntnis aus sieben Jahren Bitcoin lautet: Digitales Geld zu verschenken, kann ein gewinnbringendes Geschäft sein.

Klingt erst einmal ungewöhnlich. Tatsächlich hat das Verschenken von Bitcoins aber große Tradition. Denn insbesondere in der Anfangszeit des digitalen Geldes gab es eine Handvoll Leute, die zwar viele Bitcoins besaßen, diese Bitcoins waren aber nichts bzw. nur sehr wenig wert. Eben weil es nur eine Handvoll Leute gab, die Bitcoins hatten und diese nutzen konnten.

Das Henne-Ei-Problem

Damit Bitcoin zu dem werden konnte, was es heute ist – digitales Geld, das Millionen Menschen für täglich hunderttausende Transaktionen nutzen – musste daher zunächst die Verbreitung gesteigert werden. Der einfachste Weg dafür war, Bitcoins über eine sogenannte Faucet (z. Dt. „Wasserhahn“) zu verschenken. Die Bitcoins liefen dabei über eine Website, bei der man als Nutzer seine Bitcoin-Adresse eingab und auf diese dann eine vorbestimmte Summe Bitcoins geschickt bekam. Einfach so. Weil man sich für Bitcoins interessierte. Waren ja damals auch nicht so viel wert wie heute.

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Faucets halfen Bitcoin das Henne-Ei-Problem zu überwinden.

Auf diese Weise kamen aber Stück für Stück immer mehr Menschen in den Besitz von Bitcoins und die Chance, dass sie diese nutzten, um untereinander Geschäfte damit zu tätigen, stieg. Und damit auch der Wert von Bitcoins, weil mit der steigenden Verbreitung auch sukzessive ein Angebot-Nachfrage-Markt für Bitcoins entstand.

Wachsende Verbreitung führt zu einem steigenden Kurs

Heute ist ein einziger Bitcoin mehr als 600 Euro wert und Grund dafür sind auch die ersten Faucets, deren Betreiber ein gutes Geschäft gemacht haben. Denn hatten sie Anfangs zwar mehr Bitcoins, waren diese kaum etwas wert. Heute haben sie weniger Bitcoins, aber jeder einzelne ist bedeutend im Wert gestiegen, sodass unterm Strich ein ordentliches Plus bleibt.

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Weniger ist mehr. Selbst wenige Bitcoins sind heute um ein Vielfaches mehr wert als viele Bitcoins in den frühen Jahren.

Zumal manche Faucets auch nicht nur von einer Einzelperson immer wieder mit frischen Bitcoins befüllt wurden, sondern von vielen Mitgliedern der Bitcoin-Community, da ja alle ein Interesse an der wachsenden Verbreitung des digitalen Geldes hatten und haben. Der Grund dafür – das muss man allerdings auch ganz deutlich betonen – war jedoch nicht immer primär profitorientierter Natur. Viele Bitcoiner verschenkten damals ihr digitales Geld auch einfach aus dem Idealismus, mit Bitcoin endlich ein Geld ohne Banken zu haben. Und um die Macht der Banken zu brechen, sollten davon möglichst viele Menschen gebrauch machen.

Das Geschäftsmodell von Faucets hat sich gewandelt

Heute ist die Situation etwas anders. Die Faucets von damals existieren nicht mehr. Warum auch. Bitcoin ist mittlerweile so weit verbreitet, dass man kein Geld mehr verschenken müsste, um ein Wachstum voranzutreiben. Was manche aber nicht darin hindert, es dennoch zu tun.

Dennoch gibt es weiterhin Bitcoin-Faucets. Und manche haben aus der Idee, Geld zu verschenken, ein gewinnbringendes Geschäftsmodell entwickelt. Wie das aussehen kann, zeigt zum Beispiel diese Artikelserie bei 99Bitcoins.

Hier die Liste der Artikel, die bisher erschienen sind. Allein die Dramatik der fortlaufenden Überschriften zeigt jedoch, dass das Faucet-Business durchaus auch von Ups and Downs geprägt ist. Wer einsteigen will, braucht also nicht nur technisches Know-How, sondern auch einiges an Durchhaltevermögen.

Für Außenstehende aber durchaus unterhaltsam und lehrreich zu lesen.

Titelbild: nekidtroll (CC BY-SA 2.0)