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Watch out! Bitcoin is going to crash!

Denn das macht es schon seit Jahren so. Ist auch kein Geheimnis.

Wer sich die eigene Überprüfungs-Recherche für die These sparen will, schaut einfach folgendes Video, in dem Alex Millar die Beweis-Daten anschaulich zusammengetragen hat. So einfach kann guter Datenjournalismus sein.

“… and then another time […] and it crassshed”

Oder wie es ein Kommentator auf Reddit trefflich zusammenfasst:

“Und die Moral von der Geschichte: Bitcoin crashed sich nach oben”

Ride the Bitcoin-Rocket-Rollercoaster

Wer sich dieser Tage einen schnellen und nerdig-sympathischen Überblick über den aktuellen Bitcoin-Kurs verschaffen will, der sollte, wie ich, bitcoinrollercoaster.com permanent in einem Tab geöffnet halten.

Der Bitcoin-Rollercoaster weiß immer, was zu tun ist

Denn egal, ob der Kurs-Ritt gerade mal wieder Richtung Mond zeigt oder doch wieder nach unten – irgendwie macht die Seite immer gute Laune. Was vielleicht auch an den, egal wie der Kurs ist, immer optimistischen Sprüchen liegt, die wechselnd eingeblendet werden. Das liest sich über die Zeit dann etwa so:

“$10K INCOMMING!” ,

“GREEN!”,

“HODL!”,

“BUY THE DIP!”

“TO THE MOON!” ┗(°0°)┛

… und mehr braucht man doch eigentlich auch nicht zu wissen, oder?

Geld verschenken als Geschäftsmodell

Eine bemerkenswerte Erkenntnis aus sieben Jahren Bitcoin lautet: Digitales Geld zu verschenken, kann ein gewinnbringendes Geschäft sein.

Klingt erst einmal ungewöhnlich. Tatsächlich hat das Verschenken von Bitcoins aber große Tradition. Denn insbesondere in der Anfangszeit des digitalen Geldes gab es eine Handvoll Leute, die zwar viele Bitcoins besaßen, diese Bitcoins waren aber nichts bzw. nur sehr wenig wert. Eben weil es nur eine Handvoll Leute gab, die Bitcoins hatten und diese nutzen konnten.

Das Henne-Ei-Problem

Damit Bitcoin zu dem werden konnte, was es heute ist – digitales Geld, das Millionen Menschen für täglich hunderttausende Transaktionen nutzen – musste daher zunächst die Verbreitung gesteigert werden. Der einfachste Weg dafür war, Bitcoins über eine sogenannte Faucet (z. Dt. “Wasserhahn”) zu verschenken. Die Bitcoins liefen dabei über eine Website, bei der man als Nutzer seine Bitcoin-Adresse eingab und auf diese dann eine vorbestimmte Summe Bitcoins geschickt bekam. Einfach so. Weil man sich für Bitcoins interessierte. Waren ja damals auch nicht so viel wert wie heute.

Bitcoin-Ei
Faucets halfen Bitcoin das Henne-Ei-Problem zu überwinden.

Auf diese Weise kamen aber Stück für Stück immer mehr Menschen in den Besitz von Bitcoins und die Chance, dass sie diese nutzten, um untereinander Geschäfte damit zu tätigen, stieg. Und damit auch der Wert von Bitcoins, weil mit der steigenden Verbreitung auch sukzessive ein Angebot-Nachfrage-Markt für Bitcoins entstand.

Wachsende Verbreitung führt zu einem steigenden Kurs

Heute ist ein einziger Bitcoin mehr als 600 Euro wert und Grund dafür sind auch die ersten Faucets, deren Betreiber ein gutes Geschäft gemacht haben. Denn hatten sie Anfangs zwar mehr Bitcoins, waren diese kaum etwas wert. Heute haben sie weniger Bitcoins, aber jeder einzelne ist bedeutend im Wert gestiegen, sodass unterm Strich ein ordentliches Plus bleibt.

coindesk-bpi-chart
Weniger ist mehr. Selbst wenige Bitcoins sind heute um ein Vielfaches mehr wert als viele Bitcoins in den frühen Jahren.

Zumal manche Faucets auch nicht nur von einer Einzelperson immer wieder mit frischen Bitcoins befüllt wurden, sondern von vielen Mitgliedern der Bitcoin-Community, da ja alle ein Interesse an der wachsenden Verbreitung des digitalen Geldes hatten und haben. Der Grund dafür – das muss man allerdings auch ganz deutlich betonen – war jedoch nicht immer primär profitorientierter Natur. Viele Bitcoiner verschenkten damals ihr digitales Geld auch einfach aus dem Idealismus, mit Bitcoin endlich ein Geld ohne Banken zu haben. Und um die Macht der Banken zu brechen, sollten davon möglichst viele Menschen gebrauch machen.

Das Geschäftsmodell von Faucets hat sich gewandelt

Heute ist die Situation etwas anders. Die Faucets von damals existieren nicht mehr. Warum auch. Bitcoin ist mittlerweile so weit verbreitet, dass man kein Geld mehr verschenken müsste, um ein Wachstum voranzutreiben. Was manche aber nicht darin hindert, es dennoch zu tun.

Dennoch gibt es weiterhin Bitcoin-Faucets. Und manche haben aus der Idee, Geld zu verschenken, ein gewinnbringendes Geschäftsmodell entwickelt. Wie das aussehen kann, zeigt zum Beispiel diese Artikelserie bei 99Bitcoins.

Hier die Liste der Artikel, die bisher erschienen sind. Allein die Dramatik der fortlaufenden Überschriften zeigt jedoch, dass das Faucet-Business durchaus auch von Ups and Downs geprägt ist. Wer einsteigen will, braucht also nicht nur technisches Know-How, sondern auch einiges an Durchhaltevermögen.

Für Außenstehende aber durchaus unterhaltsam und lehrreich zu lesen.

Titelbild: nekidtroll (CC BY-SA 2.0)

Bitcoin-Presseschau #83

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 11. bis 30. Januar 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: Bauchklatscher
  • #Thema: Mike Hearns Abgang und dessen Folgen
  • #Grundlagen: Bitcoin und dessen Potential / Warum Bitcoin (noch) nichts für “die Bankenlosen” ist / Smart Contracts, eine Einführung / konkrete Blockchain-Strategie-Tipps / Bitcoin aus Sicht einer deutschen Bank
  • #Blocksize: Bitcoin Unlimited, Classic und Co
  • #Business: Microsoft platziert sich im Bitcoin-Ökosystem / Netflix an Bitcoin interessiert / Blockchain-Konkurrenz für Uber / Das ist das Unternehmen hinter bitcoin.de
  • #Technologie: Mining und das Internet der Dinge
  • #Wissenschaft: Das war das Bitcoin-Paper-Jahr 2015 / Wirtschafts- und Technologie-Experten gesucht
  • #Legales: Regulierung: Das EU-Parlament hört Experten an / Europol:  keine Verbindung zwischen Bitcoin und dem IS
  • #International: Großbritannien sollte auf die Blockchain setzen / Findet auch die Bank of England / Indien als schlafender Bitcoin-Tiger / Venezuela zwischen Hyperinflation und wachsendem Bitcoin-Interesse
  • #Awards: Goldener Shitcoin für Spiegel Online, Goldener Trollcoin für Genesis Mining
  • #Quiz: Finde den Denkfehler der Financial Times

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NYXBT – der “offizielle” Bitcoin-Index der NYSE

Die New Yorker Börse (NYSE) hat vor ein paar Tagen damit begonnen einen eigenen Index für den aktuellen Bitcoin-Kurs auszugeben, den NYSE Bitcoin Index, kurz NYXBT. In der Pressemitteilung heißt es dazu:

“Der NYXBT-Index wird den Wert einer Bitcoin-Einheit in US-Dollar repräsentieren, gemessen aus laufenden Transaktionen ausgewählter Bitcoin-Börsen, die evaluiert wurden und den Qualitätsstandards der NYSE entsprechen.”

Der “offiziellere” Bitcoin-Kurs mit schlechteren Daten

Auf den ersten Blick ist das natürlich eine großartige Nachricht, denn ein quasi “offizieller” Kurs macht den Umgang mit Bitcoin für viele Marktteilnehmer wesentlich einfacher, für manche sogar überhaupt erst möglich. Denn es stimmt schon. Wenn die NYSE mit ihrer Marktmacht und mit dem eigenen Ruf bürgt, dann bewirkt das mehr als wenn ein Open Source Projekt wie bspw. Bitcoin Average die Daten für den aktuellen Kurs bereit stellt.

Wobei letztere aber trotzdem die deutlich valideren Daten haben, denn der NYXBT beruht bisher nur auf den Handelsdaten einer einzigen Bitcoin-Börse: Coinbase, an der die NYSE selbst Anteile hält. Das macht den Index natürlich anfällig, denn Coinbase ist zweifelsohne ein Schwergewicht des Bitcoin-Ökosystems, aber es ist nur ein (amerikanischer) Marktteilnehmer von vielen (globalen) und den aktuellen Bitcoin-Wert nur aus einer einzigen Quelle zu beziehen ist unter statistischen Gesichtspunkten fahrlässig.

Mehr Daten sind geplant

Aber der NYXBT ist auch erst der Anfang. Die NYSE will künftig sowohl noch weitere Indices herausgeben als auch zusätzliche Datenquellen erschließen. Vierteljährlich soll dabei die Methodik überprüft werden und hoffentlich entscheidet das Komitee dann auch häufiger als bisher den aktuellen Index-Wert zu veröffentlichen. Nur einmal am Tag ist für Bitcoin zumindest bisher noch deutlich zu wenig.

Die Realitätsferne der Bitcoin-Enthusiasten

Bis zum Mond. Das war das euphorische Ziel, dass sich die frühen Enthusiasten als Minimum für den Kurs des Bitcoin gesetzt haben. Ende 2013 gab es ja auch allen Anlass zur Euphorie. Mehr als 1000 Dollar kostete ein Bitcoin zwischenzeitlich und damals schien alles möglich. Dann kam jedoch die Mt.Gox-Pleite, der Kurs brach ein und der Mond rückte in weite, weite Ferne. Heute, ein gutes Jahr später, ist die Stimmung schon aufgekratzt, wenn der Bitcoin wieder 300 Dollar kostet.

Bitcoin – Realität und Erwartung klaffen weit auseinander

Und zu diesem Zeitpunkt ist bei Reddit passenderweise der Link zu einem, in Bitcoin-Maßstäber geradezu historischen Dokument aufgetaucht, das belegt wie überschwenglich, blind und letzten Endes realitätsfern die Hoffnungen und Erwartungen in den Bitcoin Preis noch vor einem Jahr waren. Damals sollten nämlich 50 Experten den Wert eines Bitcoins im kommenden Jahr – also ungefähr jetzt – voraussagen. Sie verschätzten sich alle deutlich, selbst die realistischeren unter ihnen. Die meisten lagen sogar – um mal in der Mond-Metapher zu bleiben – exorbitant weit daneben.

5000 Dollar. 35.000 Dollar. Sogar bis 100.000 Dollar gingen die Spekulationen. Nur ein einziger Wert lag unter dem derzeit aktuellen Preis. Ein 50 Dollar-Worst-Case-Szenario. Im Durchschnitt – das hat ein Kommentator ausgerechnet – lagen die Erwartungen bei um die 8400 Dollar.

Auf dem Boden der Tatsachen geblieben

Das alles ist natürlich nicht repräsentativ, aber wenn heute noch mal jemand nach dem Preis in einem Jahr fragen würde – die Ergebnisse sähen ziemlich sicher anders aus. Realistischer und ohne Mond-Metapher.

Bild: Eigene Bearbeitung von “Full Worm Moon 2015” von Flickr-User Glenn Beltz (CC BY 2.0)

Digitales Bezahlen #10 – Der Bitcoin-Podcast

Jeden Mittwoch gibt es hier die aktuelle Folge des #DigitalesBezahlen-Podcasts, den ich in Kooperation mit dem Leipziger Onlineradio detektor.fm produziere. Abonnieren kann man den Podcast hier. Mehr Informationen und eine Übersicht über alle bisherigen Folgen gibt es auf der zugehörigen Podcast-Seite.

Diese Woche geht es um den aktuellen Kursverlauf von Bitcoin und das, obwohl ich ungern alleine über den Geldwert von Bitcoin berichte. Allerdings sind die aktuellen Ereignisse ein guter Anlass sich mal grundsätzlich Gedanken über den Wert von Bitcoin zu machen.

Und je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger rechne ich damit, dass Bitcoin auch nur ansatzweise noch einmal einen Raketenstart hinlegt wie Ende 2013. Ohnehin bin ich hin- und hergerissen, ob ich insgesamt einen eher starken oder eher schwachen Bitcoin befürworte. Für beides gibt es gute Argumente.

Bevor ich das noch mehr ausführe, gibt es hier erst einmal die neue Podcast-Folge, in der es allgemein um den Wilden Westen digitales Geld geht.

[tl;dl] Unreguliertes Geld hat nicht nur Vorteile.

Nach dem Klick noch die ausführlichere Inhaltsbeschreibung mit zugehörigen Links.

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Bitcoin – Totgesagte leben länger

Ich liebe die Herangehensweise von Seiten wie bitcoinobituaries.com, die unkommentiert alle “Todesanzeigen” (Artikel, die Bitcoin totschreiben) sammelt. Über die Jahre sind da nämlich einige zusammen gekommen und es ist erfrischend zu lesen, wie falsch sie bisher alle lagen.

Los geht die Sammlung mit So, That’s the End of Bitcoin Then, einem Forbes Artikel aus dem Sommer 2011. Später folgen “Klassiker” wie der berühmt-berüchtigte Wired-Artikel The Rise and Fall of Bitcoin aus dem November des gleichen Jahres, der wiederum die Macher des Dokumentarfilms The Rise and Rise of Bitcoin zu ihrem Titel inspirierte. Der aktuellste Nachruf ist derzeit Bitcoin’s New Year Price Plunge von PYMNTS.com.

“Bitcoin has died 26 times”

Ein feines Sahnehäubchen ist zudem die statistische Aufbereitung. Demnach wurde Bitcoin bereits 26 Mal von 21 verschiedenen Medien für tot erklärt – darunter CNN, die Washington Post und die New York Times. Von letzterer sogar gleich doppelt. Einmal im November 2013 und ein paar Monates später, im September 2014, gleich noch einmal.

Dabei hätte doch ein einziger Blick auf diese Website genügt um den Fehler zu erkennen.

Update: Allein in dieser Woche sind weitere zehn Artikel hinzugekommen. Aktueller Stand: 36

Bild: Heartbeat (CC BY 2.0) (bearbeitet)