Bitcoin-Presseschau

Bitcoin- und Blockchain-Presseschau #95

Ich sag es gleich vorneweg: Das konsumieren dieser Bitcoin- und Blockchain-Presseschau kostet Zeit. Nicht nur, weil die verlinkten Artikel teils etwas länger als Standard-Netzartikel sind. Sondern vor allem, weil sie alle zum Nachdenken anregen. Mehr als sonst, wie ich finde.

Doch darum geht es ja hier. Hintergründiges, Einordnendes und Inspirierendes, das hilft das Phänomen Bitcoin und wie es unsere Welt verändert besser zu verstehen. Insofern ist die hiermit verbrachte Zeit durchaus gut genutzt. Versprochen.


Blockchain Will Be Theirs, Russian Spy Boasted at Conference – New York Times

Ein ISO-Komitee hat es sich zur Aufgabe gemacht, internationale Standards für Blockchain and distributed ledger technologies zu erarbeiten. 35 Länder, darunter auch Deutschland, schicken seit 2016 immer wieder ihre Delegationen zu den Treffen. Eines tritt dabei wohl recht deutlich auf: Russland, dessen Abgesandte teils aus dem Geheimdienst FSB stammen. Auch mit ihrer Motivation halten Sie nicht hinterm Berg: “Look, the internet belongs to the Americans — but blockchain will belong to us,” Klare Ansage.

The Key to Bitcoin Adoption in Third World Countries – Hackernoon

Persönliche Erfahrungen in Afghanistan werfen die Frage auf, warum die Menschen dort und in vielen anderen Entwicklungsländern eigentlich nicht schon längst viel mehr Bitcoin nutzen. Verfügbarkeit und leichter Zugang ist natürlich ein Grund, aber ein anderer, absolut nahe liegender ist Analphabetismus. Denn man muss nicht lesen können, um Facebook bedienen zu können, doch bei Bitcoin ist es noch immer unumgänglich. Nicht nur, um es zu verstehen, sondern auch um bspw. eine Wallet auf dem Smartphone sicher zu verwalten. Der Seed (aka das Backup) ist nämlich standardmäßig eine Wortfolge, die man sich notieren muss. Fazit: Erfrischender Blick über den Tellerrand.

ICOs are Cancer – Michael Flaxman

Der Titel wirkt erst einmal zu drastisch und überzogen, doch die Argumentation in diesem Artikel ist durchaus fundiert, logisch und erhellend. Zumal die Krebs-Metapher dann doch Parallelen zur Realität aufweist. Erst kürzlich reagierte die hiesige Fintech-Szene ja sehr empfindlich auf den vermeintlichen PR-Stunt eines Berliner ICO-finanzierten Startups. Mit offenem Brief, der Aberkennung eines Preises und kritischen Artikeln wurde versucht, einer ICO-getriebenen Entartung offensiv entgegenzutreten. Sogar das staatliche „Immunsystem“, die Staatsanwaltschaft, prüft wohl derzeit die Aufnahme von Ermittlungen.

Sitting with the cyber-sleuths who track cryptocurrency criminalsMIT Technology Review

Klasse Artikel, der sich mit Bitcoin und Co aus Sicht der Strafverfolgungsbehörden beschäftigt und dabei detaillierte Einsichten bietet. Nach der Lektüre zu denken, dass Kryptowährungen das easy Geld für Kriminelle ist, ist eigentlich unmöglich. Die Blockchain vergisst nichts und die Methoden ihr ihre Geheimnisse zu entlocken werden immer raffinierter. Nicht nur auf technischer Ebene.

 

Let’s destroy Bitcoin – MIT Technology Review

Dieser Artikel liefert eine gute Grundlage für eine kontroverse Diskussion. Denn mir scheint die Argumentation für einen FedCoin, FacebookCoin und ein allgegenwärtiges Coin-Multiversum aus tokenisiertem Allerlei insgesamt zu dünn. Nichtsdestotrotz ist es interessant sich mit solcherlei Visionen auseinanderzusetzen. Möglicherweise sind ja nicht alle Punkte vollkommen aus der Luft gegriffen.

Crypto Artists Unlock Value With Lambos, Kitties and Blood – Bloomberg

Ich warte ja seit langem darauf, dass sich die Kunst auf das Thema Bitcoin stürzt und sich endlich mal intensiv an dessen gesellschaftlichen Implikationen abarbeitet. Das Warten wird vorerst wohl aber noch weiter gehen, denn offensichtlich lässt sich auch mit lahmen und vollkommen uninspirierten Projekten (vom im Bild verschlüsselten Private Key abgesehen!) derzeit ein Haufen Kohle verdienen. Beeindruckend, aber trotzdem: