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Crypto Power Plants – Mining mit Grünpflanzen und Photosynthese

Was ich bisher nicht wusste, mich aber außerordentlich fasziniert: Im Rahmen der Photosynthese lässt sich aus Grünpflanzen Strom erzeugen, wenn diese Abfallprodukte (vor allem überschüssige Glukose) an die Erde abgeben, wo Bakterien sie zersetzen. Dabei werden Elektronen und Protonen frei, aus denen sich dann Strom gewinnen lässt. Genug um damit Licht zu erzeugen. (Hier noch ein Artikel). Den Pflanzen passiert dabei nichts.

Grüneres Mining geht nicht
Alt-C von Michael Sedbon

Michael Sedbon hat dieses Prinzip nun auf Krypto-Mining übertragen und in seinem Kunstprojekt Alt-C einen Einplatinen-Rechner mit der Energie von Pflanzen betrieben, der dann eine Kryptowährung gemined hat.

Das Ziel war dabei nicht, Profit zu erzielen, sondern die grundsätzliche Machbarkeit zu demonstrieren, die Idee weiterzuentwickeln und Fragen aufzuwerfen, die sich aus diesem Konzept ergeben.

Zum Beispiel, wie sich in solch einem Setting Wetter und Klima auf die Mining-Erträge auswirken oder ob die mit dem Mining verbundenen Anreizestrukturen womöglich sogar eine Renaturierung nach sich ziehen könnten? Immerhin wird es umso lukrativer je mehr Pflanzen als Energiequelle genutzt werden können.

Alt-C von Michael Sedbon

„As money grows on trees, it is then possible to draw a correlation between atmospheric condition and production of cryptocurrencies. A neural network had been trained to prediction the crypto mining rate in regard to the weather forecast in the UK.

The AI will try to come up with a strategy to reinvest the grown/harvested money into farmable land. As the system grows, it will attempt to plant more trees to provide for the required energy.

Could an ecological computer virus reverse deforestation?

What would it mean to live in a world where economic would be driven by the weather forecast, atmospheric conditions or any naturally occurring phenomenon? Would this made us respect more natural ecosystems or nourish our will to control them? 

With enough abstraction and control, could we plan on growth? In such a context, would economic growth lead to ecological sutanability or a total financialization hegemony on farmable lands making them vulnerable to the fluctuations of the market?“

Alt-C von Michael Sedbon
Allein schwach, in der Masse mächtig

Bitcoin spielt bei diesem Experiment im Übrigen keine explizite Rolle. Bisher haben die Pflanzen nur Michael Sedbons eigene namenlose Kryptowährung gemined. Diese beruht wie Monero auf dem CryptoNote-Protokoll, das mit seinem Egalitarian Proof of Work die Herausbildung und Hochrüstung spezialisierter und energiehungriger Miner (ASICS) verhindern soll.

Da einzelne Pflanzen nur vergleichsweise wenig Strom lieferten, gebe es nur so eine Chance, dass sich das Alt-C-Modell eines nachhaltigen „ökologischen Computer Virus“ überhaupt entwickeln könne, der sich durch potentielle Mining-Profite neue Grünflächen zum weiteren Wachstum (zurück-)erschließt.

Grundsätzlich ließe sich Sedbon zufolge das System aber aus dem Prototypen-Stadium auf Gärten, Felder oder ganze Wälder hochskalieren, die dann wiederum einzelne Server oder ganze Blockchains antreiben könnten.

Alt-C von Michael Sedbon
Geld wächst zwar nicht auf Bäumen, aber darunter

Ob es in der Praxis jemals dazu kommen wird, ist allerdings fraglich. Michael Sedbon arbeitet selbst schon wieder an neuen Projekten. Nichtsdestoweniger bleibt Dank seines Proof of Concepts aber der Beweis, dass Mining nicht zwangsläufig eine der schlimmsten Umweltsünden ist, die die Menschheit je begangen hat.

Und die Erkenntnis dass Geld zwar immer noch nicht auf Bäumen wächst, aber durchaus darunter.

Burn Fiat Money, Play Smart Contract Music

Ich war die letzten Wochen arbeitstechnisch sehr viel unterwegs und deswegen hat sich hier auf der Seite lange nichts getan. Das soll aber natürlich nicht so bleiben.

Ich muss nun allerdings nach der Pause erstmal wieder meinen Blogger-Rhythmus finden. Daher beginne ich zum Aufwärmen (im wahrsten Sinne des Wortes) mit einem hübschen Fundstück aus der Crypto-Kunstszene: die Chaos Machine der Distributed Gallery

„Is it a crypto-jukebox? Or a sophisticated toaster ? In the special edition of the Chaos Machine, published on summer 2018 by R.U.S.T editions, Bernard Aspe, a french philosopher call it the Exterminating Angel, maybe because the Chaos Machine shows in a spectacular way, either the passage from a fiducial currency to a cryptographic currency, or even the emptiness inherent in any monetary abstraction.“ 

Proof of burn als analog-digitale Kunstinstallation in Berlin

Das Prinzip ist das folgende: Man füttert eine große Box mit einem Geldschein und kann diesem dabei zuschauen, wie er drinnen in Flammen aufgeht. Dabei spielt die Box ein Lied ab.

Gleichzeitig bekommt man als Gegenleistung einen QR-Code, der es erlaubt, einen neuen Track in die Playlist der Chaos Machine einzufügen. Für alle, die später ihr Fiat-Geld in Wärme-Energie und DJ-Rechte tuschen möchten.

Besonderer Clou an der Sache, es gibt nicht nur eine, sondern zwei Chaos Machines und beide sind miteinander vernetzt. Das bedeutet: Egal, in welcher von beiden gerade Geld verbrennt, beide spielen dann gleichzeitig denselben Song.

Muss besonders schön sein, wenn man nur die Musik hört und weiß, dass irgendwo anders gerade der reale proof of burn dazu stattfindet.

„Bitcoin braucht Kunst“

Ich bin gerade auf satoshigallery gestoßen, der oder die sich auf Instagram künstlerisch mit dem Thema auseinandersetzen. Und auch wenn mich nicht alle geposteten Bilder überzeugen, mag ich dennoch dieses Statement. Sehr: „Every historical event has art that has been describing it. Bitcoin needs art.“

Hier ein paar der besseren Arbeiten:

Chinesische Bitcoin-Mine als ödes Kunstobjekt

Ich möchte nicht von mir behaupten ein Kunstexperte zu sein. Allerdings muss mir auch nicht alles gefallen, was unter dem Label „Kunst“ veröffentlicht wird und ich nehme mir das Recht heraus Künstler für ihre Arbeit zu kritisieren, wenn ich das begründen kann. So wie im Fall von Yuri Pattisons „the ideal (v. 0.1)“.

Darin geht es um eine chinesische Bitcoin-Mine im Aufbau und um ganz viel Videomaterial, das scheinbar lust- oder/und konzeptlos zu folgendem Film montiert wurde:

(Zum Skippen der „Meine-Videos-muss-man-von-Anfang-bis-Ende-ansehen“-Künstlerattitüde den Film am besten direkt auf Vimeo schauen)

Ich finde diesen Film insofern enttäuschend, als dass es richtig gute, teilweise einmalige Aufnahmen darin gibt, anhand derer sich wunderbar eine große oder mehrere kleine Geschichten erzählen ließen.

Schönes Setting für zu wenig Inhalt

So wie das Material jedoch aufbereitet ist, wird diese Möglichkeiten grundlos verschenkt, denn sich diesen Film so länger als vier Minuten anzuschauen, nervt. Da hilft auch das ästhetische Gesamtsetting der physischen Ausstellung eines partiell rekonstruierten und mit natürlichen Materialien verfremdeten Mining-Rigs nicht. Zumal auch die Selbstbeschreibung der Arbeit sehr abstrakt bleibt und kaum verrät, warum überhaupt das Ganze.

Möglicherweise bin ich auch nur ein Banause, aber ich mag einfach es nicht, wenn erkennbares Potential so ignorant nicht ausgeschöpft wird. Anstatt einfach nur Rohmaterial aneinanderzureihen hätte es bei diesem Projekt noch reichlich Luft nach oben gegeben.

Plantoids – zarte Pflanzen im Bitcoin-Ökosystem

Bisher gibt es noch recht wenig Künstler, die sich inhaltlich und technisch anspruchsvoll mit Bitcoin und der Blockchain auseinandersetzen. Dabei gibt es hier ein enormes Potential für kritische Gesellschaftsfragen, wenn man sich traut, digitales Geld und die Blockchain-Technologie konsequent weiterzudenken.

Die !Mediengruppe Bitnik waren die ersten, die das mit ihrem Random Darknet Shopper gemacht haben (der erfreulicherweise seit kurzem wieder aktiv ist und dessen Shopping-Überraschungen noch bis Mitte Februar in London ausgestellt werden). Mit ihrem Plantoid-Konzept erreicht die Künstlergruppe Okhaos nun ein ähnlich hohes Niveau.

Plantoid –  die künstlerische Blockchain-Flora

Sie haben mechanische Pflanzen kreiert, die sich von Bitcoin-Spenden „ernähren“ und, wenn ihre interne Wallet einmal einen bestimmten Betrag erreicht hat, sich reproduzieren, indem sie einen Künstler beauftragen, eine weitere Plantoid-Pflanze zu erschaffen.

Technisch ermöglichen das Smart Contracts, die die Plantoids auf der Ethereum-Blockchain zu „distributed autonomous organisations (DAO)” machen, also digitale Konstrukte, die im Rahmen ihrer programmierten Möglichkeiten eigenständig handeln können.

plantoid bitcoin blockchain2
Ein Plantoid-Sprößling von Okaos (CC BY 4.0)

Gesellschaftskritische Kunst mit Ethereum und Bitcoin

Was die Plantoids dabei herausragend macht, sind die tiefergehenden Fragen, die sich hinter diesem, auf den ersten Blick recht einfachen Projekt („Pflanzen“, die man mit Bitcoins „gießen“ kann) auftun. Zum Beispiel: Wenn mechanische Pflanzen mit Hilfe der Blockchain schon jetzt Künstler für sich arbeiten lassen können, was werden Maschinen Menschen künftig noch alles auftragen oder gar befehlen können? Wird damit nicht das Bild vom Menschen als Herr über die Maschinen auf den Kopf gestellt? Könnten Menschen künftig von einzelnen Maschinen komplett ökonomisch abhängig werden?

Aber auch ganz abgesehen von der Gesellschaftskritik, mag ich auch die Idee, dass mit den Plantoids das Bitcoin-„Ökosystem“ ab jetzt nicht mehr nur ein rein ökonomisches ist, sondern zumindest stückweit auch ein ökologisches.

FTB – Bitcoin trifft britischen Kunstpathos

Was genau es mit Fork The Banks auf sich hat, ist noch nicht so ganz klar. Es geht wohl um Kunst, Musik und um Bitcoin und ein dahinter stehendes britisches Kollektiv. Der Rest wird scheinbar Stück für Stück bekannt gegeben, um die Spannung zu halten. Auf Reddit funktioniert das mit dem ersten Trailer ฿ The Light“ jedenfalls schon mal ganz gut. Ist aber auch sehr pathetisch.

Bitchcoin – Krypto-Kunst ohne Anspruch

Was kann man machen um als Künstler Aufmerksamkeit zu bekommen? Man nimmt einen vermeintlichen Hype (Bitcoin), tritt den Begriff so lange mit Füßen bis er zu einem vermeintlich originellen Wortspiel verkümmert, stellt eine gleichnamige Website ins Netz, denkt sich ein halbausgegorenes Konzept aus und hofft auf den großen Erfolg oder zumindest auf ein bisschen Publicity.

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Digitales Bezahlen #12 – Der Bitcoin-Podcast

Jeden Mittwoch gibt es hier die aktuelle Folge des #DigitalesBezahlen-Podcasts, den ich in Kooperation mit dem Leipziger Onlineradio detektor.fm produziere. Abonnieren kann man den Podcast hier. Mehr Informationen und eine Übersicht über alle bisherigen Folgen gibt es auf der zugehörigen Podcast-Seite.

Diese Woche geht es um Kunst und Bitcoin. Denn Geld war schon immer ein inspirierendes Thema für Künstler. Auch bei digitalem Geld ist das nicht anders. Die offenen Finanz- und Transaktionsdaten von Bitcoin laden geradezu zur künstlerischen Auseinandersetzung ein. Manche Künstler nutzen das digitale Geld dabei nicht nur für ästhetische Projekte, sondern tauchen tief in die Grauzone künstlerischer Legalität ein.

Nach dem Klick noch ein paar mehr Informationen und die Links zu den besprochenen Kunstprojekten.

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Kunst und Ästhetik der Bitcoin Blockchain

In seinem Kunstprojekt Blockchain Aesthetics setzt sich Rob Myers spielerisch mit der Ästhetik auseinander, die die Zufallswerte der Bitcoin-Blockchain erzeugen. Dabei greift er auf den Hash-Wert zurück, den jede Bitcoin-Transaktion erzeugt und generiert daraus durch weitere Algorithmen digitale Kunstformate. Im Titelbild bspw. durch die Zuweisung jeder Transaktion zu einer Farbpalette mit 256 Farben.

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