Bitcoin-Presseschau

Pfingstpresseschau 2014/23

Die The Coinspondent-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Diesmal für die Woche vom 2. bis 8. Juni 2014.

Das Bilderrätsel

Zum geschmeidigen Aufwärmen der Hirnzellen startet die Presseschau wie immer maximal-visuell und Köpfchen ist gefragt! Aber zunächst die Auflösung der letzten Woche. Hier noch einmal das Bild:

No

und neben Roger Vers unkonvetionellem Umgang mit Erpressern wäre eine andere mögliche Antwort das konstant erfolglose Hacken dieses Blogs gewesen. Easy, oder?

Aber nun – neue Woche, neues Glück. Welche(n) der folgenden Beiträge könnte das folgende Bild zusammenfassen? Oder ist es womöglich die ganze Woche? 

Facepalm die nakte Kanone

Antworten mit kurzer, kreativer Begründung in die Kommentare und die Bitcoin-Adresse nicht vergessen. Dem Gewinner winkt 1 mBTC.

Los geht’s!

Die Woche im Überblick

Der Bitcoin-Kurs …

… ist im Verhältnis zum letzten Monat in der vergangenen Woche relativ „stabil“ geblieben, pendelte zwischen 470 Euro und 490 und ist insgesamt leicht gestiegen. Ein bisschen Ruhe täte dem Kurs auch weiterhin gut, da Stabilität und Vorhersehbarkeit zwar weniger schnelle Profite bringen, aber langfristig deutlich mehr Vertrauen aufbauen.

20140601 Bitcoinkurs 20140608 Bitcoinkurs

Die Bank gewinnt immer

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag die Leitzinsen weiter gesenkt und sogar einen Strafzins für Banken beschlossen, die ihr Geld lieber bei der EZB „parken“, als es der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Ein löblicher Ansatz, der allerdings einen kapitalen Fehler beinhaltet: genau das selbe hat die EZB bereits mit jeder der vorangegangenen Zinssenkungen zu erreichen versucht – die erhofften Erfolge blieben jedoch aus. Hier in Deutschland reagierte dementsprechend lediglich die Börse so richtig euphorisch – der DAX sprang erstmals in seiner Geschichte über die 10.000 Punkte-Marke.

Denn billiges Geld für die Banken, heißt eben nicht automatisch billiges Geld für die Wirtschaft, sondern nur: billiges Geld für die Banken. Was diese damit machen, darauf hat die EZB letztlich keinen Einfluss. Sie hofft natürlich, dass die Banken die günstigen Konditionen weiterleiten, aber wenn es für Banken attraktiver ist das Geld bspw. in besser verzinste Staatsanleihen zu stecken, als der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, dann machen die das und Mario Draghi guckt dumm aus der Wäsche.

Das mächtige EZB-Steuerungsinstrument Zinssenkungen funktioniert so richtig gut nämlich nur in der Theorie, setzt es doch ein gewisses Maß an Altruismus und Interesse am Allgemeinwohl auf Seiten der Banken voraus. Die Praxis zeigt jedoch: Banken handeln nicht altruistisch und allgemeinwohlorientiert, sondern egoistisch und gewinnorientiert. Banken und Banker agieren immer zuerst im eigenen Interesse, das Allgemeinwohl ist zweitrangig.

Die Zinssenkungen der EZB demonstrieren daher ziemlich eindrucksvoll die tatsächliche Machtlosigkeit von Politik und EZB durch finanzpolitische Entscheidungen direkt und konstruktiv auf das Wirtschaftssystem Einfluss nehmen zu können. Bei hohen  Zinsen verdienen die Banken mehr mit dem Geld, dass sie gar nicht erst an die Wirtschaft weiterleiten, bei niedrigen Zinsen bekommen sie billiges Geld um zu damit zu spekulieren anstatt zu finanzieren. Egal was die EZB macht – die Bank gewinnt immer.

Bitcoin weiter unter dem Radar

Die Zins-Entscheidung der EZB führte in den Medien natürlich auch zu der Frage, welches wohl die derzeit besten Anlagemöglichkeiten für Privatpersonen seien. Erstaunlicherweise behandelte keiner der Artikel, die ich dazu gefunden habe Bitcoin. Nicht mal am Rande oder unter der Rubrik „Spekulativ“. Klar – jede Online-Redaktion hat so einen Artikel im Archiv und den kurz zu aktualisieren geht schneller als tatsächlich der Frage nach zu gehen, was derzeit attraktive Anlagemöglichkeiten sind, aber letztlich ist es auch wieder ein Indiz, wie wenig Bitcoin im Bewusstsein der Öffentlichkeit angekommen ist. Dabei verhielt sich der Bitcoin-Kurs beim offiziellen  Verkünden der EZB-Entscheidung genau so wie der Gold-Kurs. Beide stiegen.

ECB Announces Negative Interest Rates: Bitcoin Price Rallies – Cryprocoins News

Angstlevel: 51 Prozent

Der weltweit größte Mining-Pool GHash.io hat wieder einmal derart an Hash-Power zugelegt, dass er zwischenzeitlich nur 5 Prozent von der absoluten Mehrheit des Bitcoin-Netzwerks entfernt war und berechtigte Befürchtungen einer 51-Prozent-Attacke heraufbeschwor.

Auch 5 Prozent sind zwar eine gigantische Rechenleistung, die erst einmal aufgebracht werden muss, aber durch den Zusammenschluss zweier Pools könnte diese Hürde ganz schnell übersprungen und alle „Naturgesetze“ des Bitcoin-Ökosystems aufgehoben werden.

51Prozent
Hashrate-Verteilung (8. Juni, Blockchain.info)

Mittlerweile ist die Hash-Power von GHash.io wieder etwas gesunken, aber da es nicht das erste Mal ist, dass der Pool derart mächtig wurde, ist hier eindeutig eine Schwachstelle im theoretisch selbstregulativen Anreizsystem von Bitcoin zu erkennen: Zentralisierungstendenzen im dezentralen System.

Ich bin gespannt inwieweit dieses Problem in Zukunft öffentlich diskutiert werden wird, denn immerhin haben sehr, sehr viele Investoren, Unternehmer und Privatpersonen ein Interesse daran, dass ihr Bitcoin-Investment nicht Gefahr läuft von einem auf den anderen Moment wertlos zu werden.

Ein lesenswerter Artikel zum Thema ist dieser hier, auf Reddit wird ebenfalls viel diskutiert und dort gibt es auch noch mehr Links und Hintergrundinformationen zu GHash.io und 51-Prozent-Attacken im Allgemeinen.

Ghash.io and Bitcoin’s 51% attack problem – Bitcoin Owl
Ghash.io at 47% hashrate for the last 24 hours. PLEASE move to another pool if you can – Reddit

Apple Herz Bitcoin

Apple liebt Bitcoin

Ein Raunen ging am Dienstag durch die Bitcoin-Welt: Sollte Apple tatsächlich seine Haltung gegenüber Bitcoin verändert haben? Zumindest könnte man das vermuten, wenn man die überarbeiteten App Store Guidelines liest.

„11.17 Apps may facilitate transmission of approved virtual currencies provided that they do so in compliance with all state and federal laws for the territories in which the app functions“

Die Reaktionen waren sehr optimistisch, immerhin hatte Apple ja im Februar mehr oder weniger willkürlich auch die letzte verbliebene Bitcoin-Wallet aus dem Store geschmissen. Mal sehen, ob nun wieder Einlass gewährt wird.

Auch Ebay Herz Bitcoin

Kurzfassung: Es ist keine Frage ob, sondern wann Ebay/PayPal Bitcoin intergrieren wird.

Der Blick auf’s große Ganze

„Das Bitcoin-Ökosystem hat sich deutlich verbessert“

In der W&V ist ein Interview mit Bastian Brand erschienen, seineszeichens Investment Manager des Pathfinder Crypto-currency Fund der Londoner Investment-Firma Pathfinder Capital, der über das Thema Bitcoin aus der Sicht des internationalen Investors/Anlageberaters erzählt. Interessante Perspektive.

„Das Bitcoin-Ökosystem hat sich deutlich verbessert“ – W&V

Kiss your Bitcoin goodbye

Ich weiß ja nicht welche geistige Umnachtung jemanden befallen muss um so etwas zu machen, aber tatsächlich hat jemand „aus Versehen“ 800 Bitcoin, also knapp 400.000 Euro an eine falsche Adresse geschickt. Und zwar nicht an irgendeine, sondern vermutlich an eine alte Mt.Gox-Adresse. Direkter kann einem das Schicksal den Allerwertesten nicht ins Gesicht drücken, aber wer 800 Bitcoin mal eben einfach so losschickt, hat es irgendwie auch nicht anders verdient. Hier die Geschichte:

Bitcoin User Accidentally Sends 800 BTC to Old Mt.Gox Address – Coinwrite

und hier könnt ihr euch noch am durchaus unterhaltsamen Spektrum zwischen Mitleidsbekundungen, Wie kann man nur so dumm sein-Kommentaren und allerlei sonstigen „klugen“ Sprüchen ergötzen:

„How in the mother of fuck is this humanly possible?! Do you not QUADRUPLE-CHECK where you’re about to send FOUR HUNDRED THOUSAND DOLLARS?! – Octothorpe00

„Yeah, it’s like those stories that I’ll never understand – where people have 30k in a plastic bag and forget it in a cab or so.
Just 13.3 times worse.“ – ThomasVeil

„Hello sir,

I have received this bitcoins.
I am willing to help return the bitcoins to you as soon as possible. Unfortunately I must also pay import tax and processing fees to the sum of 20% of the current value of the bitcoins. I cannot release these bitcoins to you until I can pay the fee of $101,440

If you can wire me this money or the equivalent in bitcoins (160BTC) to a secret account I can avoid additional fees and return the coins to you immediately. I do this free of charge because I know you are a very kind and trustworthy person.
I look forward to hearing from you soon so that I can help you as quickly as possible.“ – vacuum_tuber

„click „undo““ – werwiewas

If you just received 800 Bitcoin out of the blue, it was from me – Reddit

Tweet der Woche

passend zum gestrigen Post:

Die nächste Presseschau erscheint am kommenden Sonntag, den
15. Juni. Bis dahin eine schöne Woche!

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)