Bitcoin-Presseschau

Presseschau 2014/24

Die The Coinspondent-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Diesmal für die Woche vom 9. bis 15. Juni 2014.

Das Bilderrätsel

Zum geschmeidigen Aufwärmen der Hirnzellen startet die Presseschau wie immer maximal-visuell und Köpfchen ist gefragt! Aber zunächst die Auflösung der letzten Woche. Hier noch einmal das Bild:

Facepalm die nakte Kanone

und neben der aktuellen EZB-Zinspolitik wäre eine andere mögliche Antwort das „versehentliche“ Versenden von 800 Bitcoin an eine alte Mt.Gox-Wallet gewesen. Easy, oder?

Aber nun – neue Woche, neues Glück. Welche(n) der folgenden Beiträge könnte das folgende Bild zusammenfassen? Oder ist es womöglich die ganze Woche? 

schnaps

Antworten mit kurzer, kreativer Begründung in die Kommentare und die Bitcoin-Adresse nicht vergessen. Dem Gewinner winkt 1 mBTC.

Los geht’s!

Die Woche im Überblick

Der Bitcoin-Kurs …

Bitcoin-Rollercoaster

… hat sich wieder einmal schwungvoll in Bewegung gesetzt. Los ging es vor allem abwärts und Grund dafür war diese Woche zunächst die Ankündigung, dass die von US-Justizbehörden bei der Zerschlagung der ersten Silk Road beschlagnahmten knapp 30.000 Bitcoin am 27.Juni versteigert werden sollen. Ich hatte vor drei Wochen ja eine Prognose abgegeben, dass der gestiegene Bitcoin-Kurs zurückgehen werde, wenn Spekulanten ein paar Gewinne mitnehmen möchten. Dass das nun ausgerechnet die US-Behörden sind, damit hatte jedoch auch ich nicht gerechnet.

20140608 Bitcoinkurs 20140615 Bitcoinpreis

Mehr Details zu dieser durchaus auch fragwürdigen Auktion hier:

US-Justiz versteigert beschlagnahmte 29.600 Bitcoin – Golem
Bitcoin-Kurs tanzt zur Panik: Silk Road Auktion – Weblogit

Der Kampf um die Minderheit

Der andere große Faktor für die derzeitigen Bitcoin-Kurskapriolen ist das anhaltenden Wachstum des größten Bitcoin-Mining-Pools GHash.io, der diese Woche die befürchteten 50 Prozent Anteil an der gesamten Hashrate des Bitcoin Netzwerks überschritten hat und damit für massive Unsicherheit sorgt. Denn immerhin könnte damit die zentralste und wichtigste Eigenschaft von Bitcoin aufgehoben sein: die Unkontrollierbarkeit durch einzelne Institutionen.

Zwar kann niemand mit Sicherheit sagen, ob GHash.io bzw. die zugehörige Bitcoin-Börse CEX.io tatsächlich über mehr als die Hälfte der Rechenleistung verfügen, wenn aber schon sogenannte Bitcoin Core Developer anfangen große Teile ihres Bitcoin-Vermögens zu verkaufen, sollte man die Sache durchaus ernst nehmen, auch wenn die Verantwortlichen von GHash.io und CEX.io betonen, dass sie allein schon aus ökonomisch nachvollziehbaren Gründen kein Interesse daran haben Bitcoin bzw. das Vertrauen in Bitcoin zu destabilisieren.

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack und die Konstellation, dass viele in ihrer ökonomischen Existenz abhängig sind von den willkürlichen Entscheidungen weniger – eine Situation, die Bitcoin nicht nur vermeiden wollte, sondern als deren Gegenmodell es ursprünglich sogar entwickelt wurde.

Nach dem Stresstest, den Bitcoin durch das fulminate Krachengehen von Mt.Gox im Februar durchlaufen hat, stehen wir nun also vor der nächsten existenziellen Prüfung, in der Bitcoin seine Wehrhaftigkeit beweisen muss. Den Begriff habe ich aus der Demokratietheorie entlehnt. Dort beschreibt er am Beispiel des Grundgesetzes die Möglichkeit aktiv gegen Feinde der freiheitlich demokratischen Grundordnung  vorzugehen. Die Wehrhaftigkeit unserer Demokratie ist eine direkte Konsequent aus der Weimarer Republik, die so offen und demokratisch war, dass sie Leute an die Macht gebracht hat, die die Demokratie gleich wieder abgeschafft haben.

Ich möchte hier nicht einmal in Ansätzen den Eindruck erwecken, ich würde GHash.io und die Nationalsozialisten in irgendeiner Weise vergleichen wollen, aber Bitcoin in seiner jetzigen Form und die Weimarer Republik damals weisen durchaus Parallelen auf. Auch Bitcoin ist so offen und demokratisch wie möglich und es wird darauf vertraut, dass die dezentrale Allgemeinheit sich von alleine reguliert. Das kann funktionieren, macht es aber nicht automatisch.

Und für den Fall, nur für den Fall, dass die Selbstregulierung einmal nicht ausreicht, sollte auch Bitcoin eine Möglichkeit haben sich gegen Manipulatoren und Gegener der dezentralen Grundkonstruktion zur Wehr zu setzen, so wie es die Demokratie können muss:

„In der wehrhaften Demokratie stehen die Demokratie und ihre wichtigsten Elemente selbst nicht mehr zur Diskussion, sie können auch durch eine noch so große Mehrheit nicht aufgehoben werden.“ – Wikipedia

Ohne eine wehrhafte Dezentralität – das wird uns derzeit vor Augen geführt – wird Bitcoin langfristig nicht bestehen, da können die Zusicherungen von Verantwortlichen noch so groß sein. Wie diese wehrhafte Dezentralität allerdings umgesetzt werden kann – das wird sich zeigen müssen – aber sie muss umgesetzt werden, denn natürlich will niemand, dass Bitcoin scheitert oder das Vertrauen in Bitcoin verloren geht, aber zum einen machen zentrale Institutionen das Bitcoin-Netzwerk angreifbar, zum anderen wird es immer wieder Anreize und Gelegenheiten geben, bei denen sich eine klitzekleine Manipulation hier und da durchaus lohnt, die selbst wenn sie entdeckt werden würde, Bitcoin vielleicht ein bisschen durchschüttelt, aber nicht komplett vor den Baum fährt.

Immerhin *Verschwörungstheorie-Modus ein* werden in zwei Wochen Bitcoins im Wert von knapp 13 Millionen Euro versteigert und gebündelt in wenigen Transaktionen verschickt. Dabei die Möglichkeit zu haben ein bisschen an den Transaktions-Parametern zu spielen, kann enorme Auswirkungen haben. Man muss die Bitcoins ja nicht mal dummdreist klauen, sondern könnte die US-Behörden vorführen, indem man in Nachhinein einen minimalen „Tippfehler“ einbaut und so die Bitcoins an eine tote Wallet schickt. Die politischen Auswirkungen und den Bitcoin-Kurs in solch einer Situation möchte ich mir nicht vorstellen. *Verschwörungstheorie-Modus aus*

drevil

Hier noch ein paar lesenswerte Links zu dem Thema:

CEX.IO Slow to Respond as Fears of 51% Attack Spread – CoinDesk
June 13 – TBI’s Daily Bit
Ghas.IO working on „mining decentralization solution“ – Reddit

Die Videoschlagzeilen …

handeln diese Woche natürlich auch von der Drogen-Bitcoin-Versteigerung aber auch von Hotelübernachtungen, die man bald mit Bitcoin bezahlen kann und von der fortschreitenden Integration von Bitcoin in den Weballtag von Millionen Milliarden Menschen:

Schöner Artikel zur Expedia-Ankündigung auch bei der Washington Post mit dem Tenor, dass es wirtschaftlich absolut rational ist, anfallende Gebühren für Finanztransaktionen um zwei Drittel zu senken, wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt:

„Yes, being among the first to accept bitcoins comes with bragging rights. For Expedia and other firms, though, convincing people to pay with Bitcoin is just good business.“

Expedia wants you to book your next hotel stay with Bitcoin – The Washington Post

Der Blick auf’s große Ganze

Wie Bitcoin ist Argentinien wirklich?

Dieser Frage geht dieser Artikel im Economist nach, immerhin bietet das Land mit deutlich zweistelliger Inflationsrate und strengen Auflagen im Finanz- und Devisenhandel ideale Bedingungen für eine nicht-staatliche, dezentrale Währungsalternative. Der Autor lässt sich dabei nicht von den verführerischen Fantasien leiten, wie Bitcoin den Umgang mit Geld in Argentinien theoretisch verändern könnte, sondern trägt ganz realistisch die Fakten zusammen, die einen Rückschluss ermöglichen, wie verbreitet Bitcoin in Argentinien derzeit wirklich ist. Das Fazit: ja, es gibt großes Potential für Bitcoin in Argentinien, aber es ist noch ein weiter Weg, bis das auch tatsächlich massentauglich genutzt werden kann.

If it can’t make it there – The Economist

Die digitale Konkurrenz

Das Bankensystem wie wir es kennen wird sich verändern und das liegt nicht (nur) an Kryptowährungen wie Bitcoin, sondern daran, dass mobile payment eines der vielversprechendsten Zukunftsfelder für die digitalen Monopolisten Facebook, Google, Amazon, Ebay etc. ist. Um die wachsende Konkurrenz der Techfirmen zu Banken geht es in diesem Artikel, in dem das Wort „Bitcoin“ übrigens kein einziges Mal fällt, was uns jedoch die Erkenntnis beschert, dass große, bevorstehende Veränderungsprozesse auf dem Banken- und Finanzsektor nicht (allein) von Bitcoin abhängen, es in diesem Zusammenhang aber dennoch eine große Rolle spielen kann.

Banks‘ monopoly may be ending as Google, Facebook enter payments market – Medill Reports

Tweet der Woche

Ich frage mich immer mehr, wie ironisch dieser Tweet tatsächlich ist.

Sommerpause! Die nächste Presseschau erscheint urlaubsbedingt erst im Juli. Macht euch auch ein paar schöne Tage und bleibt optimistisch. Alles wird gut!

… und wenn ihr mögt, unterstützt meine Arbeit mit einem kleinen Beitrag:

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)