Bitcoin- und Lightning-Nodes im Test – RaspiBlitz Reloaded

Vor einem guten Jahr habe ich in meiner Bitcoin- und Lightning-Node-Testreihe den RaspiBlitz unter die Lupe genommen. Seit dem hat sich viel getan. Die einen (Casa) haben ihr Node-Projekt wieder auslaufen lassen. Die anderen (Shift Cryptosecurity) haben die Entwicklung ihrer vielversprechenden BitBoxBase wieder auf Eis gelegt, noch bevor sie überhaupt auf den Markt gekommen ist. Bedauerlich und eigentlich keine guten Nachrichten für das Ökosystem.

Doch glücklicherweise gibt es da ja noch Open-Source-Projekte wie den RaspiBlitz. Der wird nämlich fleißig weiterentwickelt und dank neuer Hardware auf dem Markt und den erweiterten Funktionen der aktuellen Version 1.5 entwickelt sich der Berliner DIY-Node weiter zu einem der zentralen Rückgrat-Projekte der Lightning-Infrastruktur: Schick, funktional und wer nicht will, muss mittlerweile nicht einmal mehr selbst basteln. Höchste Zeit also für eine RaspiBlitz-Review reloaded.

Hacksprint-Selber-Bastel-Challenge accepted!

Für meinen Test mache ich es mir natürlich nicht so einfach. Ich will die volle Herausforderung. Alles selber schrauben, basteln, installieren. Denn passenderweise fand im Mai ein Lightning Hacksprint statt, die pandemiebedingte Digitalvariante der sonst regelmäßig stattfindenden Lightning Hackdays. Mein Home-Alone-Projekt für dieses Event also: einen RaspiBlitz der neuesten Generation basteln.

In dem Review-Paket, das mit dafür freundlicherweise von Fulmo zur Verfügung gestellt wurde, befand sich dabei allerhand Material, mit dem sich ein RaspiBlitz in den drei verschiedenen Varianten zusammenbauen lässt, wie es ihn auch vorgefertigt im dortigen Shop zu kaufen gibt: 3D-Printed Case, Heatsink Case und Metal Case. Die schicken Gehäuse, die den RaspiBlitz optisch zu einem Hingucker auf dem Schreibtisch machen, bekommt man dort auch einzeln.

Ich entscheide mich für die Metal Case-Variante und meine erste Challenge ist es, herauszufinden, welche der vielen zur Verfügung stehenden Teile ich für diese eigentlich brauche und welche nicht.

Mit ein bisschen Logik, räumlichem Vorstellungsvermögen, der Github-Dokumentation und gelegentlicher Rücksprache über die verschiedenen Hacksprint-Kommunikationswege gelingt es mir dann aber relativ schnell, die nötigen Komponenten im passenden Gehäuse unterzubringen. Zumindest fast. Denn um die passive Kühlung auf den Raspberry Pi schrauben zu können, fehlten – wie so oft – am Ende doch vier Schrauben. Globales Corona-Chaos, Lieferverzögerungen, ihr kennt das.

Ohne extra-lange Schrauben kann man den Kühlkörper nicht auf den Raspberry Pi und ans Board schrauben.
Aus Hack-Sprint wird Hack-Marathon

Mein Hack-Sprint entwickelte sich durch die zusätzliche Wartezeit von zwei Wochen so zwar mehr und mehr zu einer Hack-Langstrecke. Am Ende kamen aber auch die letzten vier Schrauben an und fertig war der Metal Case RaspiBlitz 1.5 bestehend aus:

Jetzt nur noch die aktuelle 1.5er-Software auf die SD-Karte ziehen, was dank der guten Dokumentation auch für Laien einfach und mit wenig Aufwand zu erledigen ist und schon kann der RaspiBlitz ans Strom- und ins Internetz.

Na dann!
Endlich genügend Power unter der Haube

Soweit so gut. Doch nun sollte es spannend werden. Wie lange würde der Initiale Block-Download dauern? Das war bei Rasperry Pi-basierten Nodes bislang immer die Schwachstelle. Wenn man nicht Monate(!) warten wollte, musste man entweder auf eine vorsynchronisierte Blockchain zurückgreifen oder sich die Daten anderweitig von einer externen Quelle holen. Beides eigentlich nur Notlösungen.

Mit dem neuen Raspberry Pi der 4. Generation ist dieses Problem nun aber vom Tisch. Die verbesserte Hardware hat das Potential, problemlos innerhalb von zwei bis drei Tagen die mittlerweile knapp 300 GB große Blockchain von Grund auf zu synchronisieren. Im Vergleich zu den Stunden, die ich beim Vorgängermodell noch gewartet habe, um die vorsynchronisierte Blockchain von rund 96 Prozent auf 100 zu bringen, ist das ein enormer Fortschritt hinsichtlich Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit.

Auch die Software kann mehr

Doch nicht nur hardwaremäßig, auch auf Seite der Software ist der RaspiBlitz noch einmal deutlich leistungsfähiger geworden. Der verbaute Bildschirm kann nun auch als Touchscreen verwendet werden. Dadurch kann man mit nur einem Tippen direkt auf dem Gerät eine Invoice oder die Verbindungsdetails des Node anzeigen lassen oder es herunterfahren. Das ist praktisch.

Über die vier Touch-Optionen links lässt sich der RaspiBlitz nun auch direkt am Gerät steuern.

Ohnehin halte ich den Bildschirm beim RaspiBlitz für ein unterschätztes Killer-Feature, dessen Praktikabilität und Bedeutung auch mir erst im Umgang mit anderen Node-Modellen (ohne Bildschirm) bewusst wurde. Wenn es bei denen einmal hakt und man nicht weiß, warum, muss man erst umständlich auf Fehlersuche gehen. Das kann wirklich nervig werden, wenn man gerade nicht über das Heimnetz auf den Node zugreifen kann, kein freies HDMI-Kabel hat oder keinen zusätzlichen Monitor.

Über den verbauten Screen am RaspiBlitz kann man jedoch jederzeit mit nur einem Blick die Betriebsbereitschaft des Nodes verifizieren und gleichzeitig eine Vielzahl nützlicher Informationen abrufen. Darüber hinaus ist das Display praktisch, wenn man bspw. eine Mobile Wallet (wie bspw. Zap) mit dem eigenen Node verbinden möchte. Einfach den Koppelungs-QR-Code anzeigen lassen, abscannen, fertig.

Neue Erweiterungen möglich

Generell ist der RaspiBlitz sehr viel funktionaler geworden. Das liegt vor allem daran, dass eine Vielzahl weitere Services integriert wurden, die bei Bedarf mit einem kurzen Häkchen aktiviert werden können. Je nach Einsatzzweck kann man sich so individuell den eigenen Node ganz nach Bedarf konfigurieren.

Ride the Lightning – um mal einige herauszuheben – ist als browserbasiertes graphisches Nutzerinterface für die Node-Verwaltung zwar nicht neu, aber immer noch ungemein praktisch.

Screenshot Ride the Lightning

Ein bisschen anders ist das beim BTCPay-Server, der sich nun auch auf dem RaspiBlitz direkt aktivieren lässt. Prinzipiell praktisch ist der einzige Wermutstropfen hier: Wer seinen Node hinter Tor laufen lässt, was ja prinzipiell eine gute Idee ist, dessen BTCPay-Server ist bislang auch nur über eine Tor-Adresse zu erreichen.

Das widerspricht zwar dem Sinn des BTCPay-Servers, der ja als leicht zugängliches Payment-Interface (zum Beispiel für Webshops) gedacht ist. Allerdings soll wohl die kommende RaspiBlitz Version 1.6 eine Lösung für dieses Problem mitbringen. Auch wenn dieses Feature für technische Laien also jetzt noch nicht ohne weiteres nutzbar ist, muss das kein prinzipieller Grund gegen den RaspiBlitz sein.

BTC RPC Explorer: Perfekt, wenn man über den eigenen Node Einblick in die Daten der Blockchain haben will.

Denn der bringt neben vielen anderen nun auch einen Service mit, der gerade für mich als Journalist extrem hilfreich ist: einen eigenen Blockexplorer (BTC RPC Explorer). Damit kann man nun also vom eigenen Node aus verschiedenste Blockchain-Daten einsehen, ohne einer dritten Partei vertrauen zu müssen: Blöcke, Gebühren, Transaktionen, Hashrate, usw. usf.

Für tiefergehende private Recherchen ein wunderbares und vielseitiges Tool, dessen Möglichkeiten zu entdecken viel Spaß macht und ein wichtiger Baustein im „Don’t trust, verify!“-System ist.

Der eigene Node als Kern der Infrastruktur

Wer will, kann den RaspiBlitz darüber hinaus natürlich auch jenseits der Möglichkeiten des „offiziellen“ Menüs für weitere eigene Anbindungen nutzen. Der erste Test mit dem Lightning-Messenger Juggernaut lief bei mir jedenfalls ohne größere Probleme.

Juggernaut auf dem eigenen Node. Noch ohne Rechtschreibkorrektur, aber funktioniert.
Fazit

War der RaspiBlitz vor einem Jahr noch eine interessante DIY-Option für Bastler und technisch versierte Bitcoiner, hat das Projekt seitdem einen guten Schritt in Richtung verbesserter Nutzerfreundlichkeit und erweitertem Funktionsumfang gemacht. Verpackt in einem schicken Gehäuse verwandelt sich der RaspiBlitz vom offensichtlichen nerdigen Hack-Projekt zu einem Hingucker, den man sich gerne auf den Schreibtisch stellt. Wer das nicht will, kann aber auch bei der einfachsten Variante bleiben, die man zusammen mit dem Router hinterm Schrank versteckt.

Genau diese Vielseitigkeit ist die wohl größte Stärke des RaspiBlitz. Als Open Source-Projekt wird es nicht nur mit großem Eifer von der Community weiterentwickelt und verbessert. Durch die flexible Integration anderer offener Services und Projekte, die jeweils auch wieder separat weiterentwickelt werden, erweitert sich der Funktionsumfang und erhöht sich die Geschwindigkeit, mit der neue nützliche Features hinzugefügt werden können, enorm. Da verwundert es nicht, das kommerziell ausgerichtete Node-Anbieter, die mehr Wert auf die Kontrolle über ihr Produkt behalten wollen, auf Dauer Schwierigkeiten haben, mit der dynamischen Entwicklung eines Open-Innovation-Ansatzes wie dem des RaspiBlitz Schritt zu halten.

War der RaspiBlitz also bereits vor einem Jahr eine Bitcoin- und Lightning-Node-Option, auf die ein Blick zu werfen sich lohnte, ist er das nun durch den Wegfall einiger Alternativen und die eigenen Fortschritte und Verbesserungen heute umso mehr.

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