Archiv der Kategorie: Medien & Kritik

Blockchain & Kultur – Neue Podcast-Serie im DLF

Der Deutschlandfunk hat dieser Tage unter dem Titel Blockchain Stories eine achtteilige Radio- und Podcast-Serie online gestellt. Das Besondere dabei: Alle Beiträge sind von der Kultursendung Corso verantwortet, was dem Thema einen erfrischenden Blickwinkel verleiht.

„Blockchain“ aus der Kulturperspektive

So geht es neben einem obligatorischem Blockchain-Grundlagen-Beitrag und einem über Bitcoin als Geld der Zukunft (das Stück habe ich gemacht) auch noch einmal konkret um die Aspekte Klima, Patente, Musik, Gaming und Politik.

Wobei insbesondere über letztere Folge noch zu reden sein wird. Der interviewte Medienwissenschaftler David Golumbia vertritt nämlich ein paar sehr kontroverse und irritierende (Verschwörungs-)Theorien. Aber dazu dann mehr in der nächsten Honigdachs-Podcast-Folge.

Solide, aber nicht ganz auf der Höhe der Zeit

Insgesamt sind alle Beiträge solide und ich finde es gut, dass sich die Redaktion für das Thema „Blockchain“ ein paar neue Blickwinkel hat einfallen lassen. Warum nicht mal eine Ethereum-Mine anstelle einer Bitcoin-Mine besuchen und über Gaming und die Blockchain wurde bisher ja auch noch nirgends so prominent gesprochen.

Dennoch gibt es auch Kritik. Einige Beiträge wirken nämlich nicht ganz aktuell. So ist ja nicht erst seit gestern klar, dass es grundsätzlich keine gute Idee ist, komplexe digitale Spiele dezentral auf einer Blockchain laufen zu lassen. (Weil es zum einen keine Blockchain gibt, die das technisch leisten könnte und es zum anderen auch keinen guten Grund gibt, Spiele nicht mehr, wie bisher, zentral zu verwalten.) Warum also noch so ausführlich darüber reden, wenn es doch eigentlich um die „Zukunft des Zocken“ gehen soll?

Das hätte man schneller abhaken und zum tatsächlich interessanteren Ausblick in die Zukunft kommen können. Diesen jedoch aus dem schon vor langer Zeit verblühten Hype um tokenisierte Collectibles wie Crypto Kitties abzuleiten, wirkt etwas aus der Zeit gefallen. Nach bald anderthalb Jahren ist dieses Thema in Krypto-Jahren schon fast als historisch zu betrachten. Ein daraus abgeleiteter Blick in die Zukunft entsprechend retro-futuristisch.

Ein Beitrag auf der Trend- und technischen Höhe der Zeit hätte sich dagegen auch mit den Möglichkeiten und Konsequenzen von Lightning-basierten Micro- und Nanopayments (alles kleiner 1 Cent) auf Gaming beschäftigt. Dieser Aspekt fehlt jedoch leider ganz.

Zwischen Krypto-Historie und Realitäts-Futurismus

Nichtsdestotrotz ist das aber Kritik auf hohem Niveau. Denn was für jemanden, der sich selbst bereits intensiv mit der Materie auseinandersetzt, bereits krypto-historisch ist, kann für den prototypischen Deutschlandfunk-Kulturmagazin-Hörer trotzdem futuristisch (genug) sein. Insofern überwiegt die Tatsache, dass Bitcoin und seine Auswirkungen überhaupt und immer mehr als gesellschaftsrelevantes Kulturthema wahrgenommen und diskutiert wird, die Kritik deutlich.

Zumal die einzelnen Stücke auch wirklich schön anzuhören sind. (Vom Golumbia-Interview mal abgesehen, das ohne den Kontext seines Buches wie das Dümmste wirkt, was jemals über Bitcoin gesagt wurde.)

Die acht Beiträge sind im Einzelnen:

#1 Blockchain für Dummies erklärt
Wohl kaum ein anderes Phänomen wird in der Netzkultur so stark diskutiert wie die Blockchain. Ein Heilsbringer soll sie sein, der die Macht hat, das Internet zu verändern und viele Probleme der Zukunft zu lösen. Wie sie funktioniert, wissen aber nur die wenigsten. Ein Erklärungsversuch.

#2 Bitcoin = digitale Währung der Zukunft
Obwohl es Bitcoin schon seit zehn Jahren gibt, hat noch kaum jemand dieses digitale Bargeld so richtig verstanden. Trotzdem wächst das Phänomen beständig. Warum eigentlich?

#3 Besuch einer Ethereum-Mine
Bis vor Kurzem konnte man mit Kryptowährungen ziemlich schnell Millionär werden. Wertverlust hin oder her: Das digitale Geld wird immer noch in sogenannten Kryptominen geschürft. Das gilt auch für Ethereum, das mehr Einsatzmöglichkeiten bietet. Einblicke in eine Parallelwelt aus Strom und Kabeln.

#4 Die Politik der Bitcoin
Die Blockchain gilt als fortschrittliche Erfindung. Die Attraktivität dieser neuen Technologie bringt allerdings politische Gefahren mit sich. Sie sei effektiver in der Verbreitung von Ideologie als alles andere, sagte Medienwissenschaftler David Golumbia im Dlf.

#5 Digital und dreckig
Der Hype um den Bitcoin hat zu einem digitalen Goldrausch geführt. Aber das Schürfen der Kryptowährung verschlingt enorme Mengen Energie. Mittlerweile dürfte ein Teil der Klimaerwärmung aufs Konto des Bitcoin gehen. Eine umweltfreundliche Nutzung der Technologie scheint dennoch möglich.

#6 Revolution des Patentrechts?
Seit der Erfindung des Papiers werden wichtige Dokumente mit einem Stempel verifiziert. Heutzutage versehen Computer Dateien mit einem Zeitstempel. Die Blockchain könnte dieses Verfahren vereinfachen und sicherer machen – für Musiker und andere Kreative. Steht eine Revolution des Patentrechts bevor?

#7 Die Zukunft der Musik
Eine Revolution der Musikwelt steht bevor: Dank der Blockchain wird es Musikern durch innovative Geschäftsmodelle angeblich bald möglich sein, digitale Welten mit ihren eigenen Regeln zu erschaffen. Darin läge das Potential, sich neu zu erfinden, sagte Medienkünstler Mathew Dryhurst im Dlf.

#8 Computerspiele neu gedacht
Blockchain in Computerspielen – dort würde man die Technologie nicht vermuten. Diese Gamedesignerszene ist zwar überschaubar, will die digitale Spielewelt aber mit neuen Ideen bereichern: So könnten die Nutzer virtuelle Welten mit eigenen Entwürfen erweitern. Ein Blick in die Zukunft des Zockens.

Das Bitcoin-Kinderbuch für Erwachsene

Ich bin ja ein begeisterter Sammler von besonderen Bitcoin-Büchern. Daher habe ich auch keinen Moment gezögert, zuzuschlagen, als ich das erste Mal von B is for Bitcoin gehört habe.

Das Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten …

Denn mit dem Was ist Was – Geld habe ich zwar schon ein Buch für die jüngere Zielgruppe in der Sammlung, das (auch) Bitcoin behandelt. Ein explizites Bitcoin-Buch für die Allerjüngsten habe ich so aber bisher noch nirgends gesehen.

„B is for bitcoin where it all begins. B is also for broadcasting blocks and blockchain. The stuff that makes it all work. It is also for byzantine generals trying to decide when to begin their attack.“

Nun muss man zwar einräumen, dass die grafische Gestaltung, die haptische Umsetzung und das Leseerlebnis die Zielgruppe der Ein- bis Dreijährigen perfekt trifft, das Buch inhaltlich aber natürlich deutlich anspruchsvoller ist.

Immerhin geht es um Verifizierung und Volatilität, Hashing und hodln, Inflation und Investments, Algorithmen und Adressen und was bei Bitcoin (Blockchain und byzantinischen Generälen) eben sonst noch so von A bis Z zusammenkommt.

„I isn’t for irresponsible ICO’s … It is for irreversible! A key property of bitcoin transactions. It is also for making investments in an inflation-proof instrument.“
… oder alle Junggebliebenen

Doch ist diese Diskrepanz weder schlimm, noch unerwartet. Denn schon auf der zugehörigen Website bestellt man schließlich „1 copy for yourself (I mean your child)“. Dass die wahre Zielgruppe hier also eine ganz andere ist, ist offensichtlich.

Aber auch die findet mit B is for Bitcoin ein wirklich ausgefallenes und hübsch gestaltete Buch mit liebenswerten Illustrationen und charmanten Bitcoin-Texten im Kinderbuch-Style. Ein Buch, das auf jeden Fall ein Hingucker ist, zum Durchblättern einlädt und ein prima Ausgangspunkt für ein Gespräch über Bitcoin sein kann.

„P is for proof of work, or stake, and peer-to-peer, and pools, privacy and payment – Q isn’t for much, but if you want to be silly it is for QR Codes, and if you want to be gravely serious it is for quantum computing, which will pose an interesting challenge to the fledgling ecosystem.“
Wer B is for Bitcoin kauft, tut zusätzlich Gutes

Doch nicht nur deshalb lohnt sich der Kauf, des mit 30 Dollar nicht ganz billigem Bitcoin-Kinderbuchs für Erwachsene. Denn mit dem Buch wird am Ende niemand reich. Die Gewinne sollen vielmehr frühkindlichen Bildungsprogrammen zugutekommen. Schöne Sache.

Außerdem ist es jetzt ohnehin zwar schon zu spät für die diesjährigen Weihnachtsgeschenke (sorry, das Buch kam nach Monaten des Wartens erst gestern an). Die nächsten Geburtstage, Jubiläen und Weihnachtsfeiertage kommen aber unweigerlich. Da kann man sich den künftigen Stress ersparen und vorausschauend auch gleich jetzt zuschlagen. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Bitcoin-Büchern, sind die Informationen in B is for Bitcoin glücklicherweise nahezu zeitlos.

Happy Bitcoin-ATH! PS: Bitcoin ist tot!

Gestern vor einem Jahr erreichte der Bitcoin seinen bisherigen Kurs-Höchststand (All Time High) von rund 20.000 US-Dollar und der Jahrestag war für die Börse vor Acht Grund genug, das zum Thema der gestrigen Ausgabe zu machen: „Was vom Bitcoin übrig bleibt“

Damit endet aber leider auch schon alles Positive, was man dem, was Anja Kohl da zur Prime Time kurz vor der Tagesschau  erzählt, abgewinnen kann.

Zehn Jahre Bitcoin – trotzdem nichts gelernt

Denn eigentlich sollte man ja meinen, dass mittlerweile,
zehn Jahre nach der Erfindung von Bitcoin, zumindest Fachjournalisten versucht haben müssten, Bitcoin und den grundsätzlichen, untrennbaren Zusammenhang zwischen Bitcoin und der Blockchain zu verstehen. Falls Anja Kohl das mal versucht hat, war davon leider nichts zu erkennen.

Zunächst geht Sie auf den Kursverlauf des vergangenen Jahres ein. Zum Jahrestag eine nahe liegende und berechtigte Perspektive. Dass hierbei ein desaströses Bild gezeichnet wird, überrascht nicht. 83 Prozent Verlust innerhalb eines Jahres sind ohne Frage krass und viel. Jedoch lässt sie dieses Zahlen so stehen und ordnet sie nicht in einen größeren Kontext ein.

Manipulation durch Weglassen

Genau das wäre an dieser Stelle aber wichtig und Zeichen eines guten und unvoreingenommenen Journalismus gewesen. Denn vergleicht man nur den Kurs wischen dem 17.12.2017 und dem 17.12.2018, dann ergibt sich ein desaströses Bild.

17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Vergleicht man jedoch die Kurse nicht nur des letzten, sondern der letzten acht Jahre, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Nämlich eines, indem man das All Time High vergangenes Jahr als offensichtlichen statistischen Ausreißer klassifizieren und dementsprechend auch einordnen muss.

17.12.20100,25 $
17.12.20113 $
17.12.201213 $
17.12.2013480 $
17.12.2014324 $
17.12.2015456 $
17.12.2016791 $
17.12.201720.100 $
17.12.20183455 $

Genau das macht Anja Kohl aber nicht, obwohl sie es eigentlich besser weiß. Immerhin hat sie vor gut einem Jahr bereits staunend darüber berichtet, wie der Bitcoin von rund 1000 US-Dollar auf 10.000 US-Dollar kletterte. 

https://youtu.be/bJyypAOEWBM
Nicht alles, was plausibel klingt, ist auch ein Grund 

Stattdessen reimt sich Anja Kohl dann ein paar Gründe zusammen, warum der Kurs so stark gefallen ist, die für den Laien möglicherweise plausibel klingen, aber weder schlüssig sind, noch in irgendeiner Weise belegt werden.

Denn ja, im vergangenen Jahr wurden möglicherweise Bitcoins gestohlen, aber das werden sie seit es Bitcoin gibt und ist daher kein signifikanter Grund für den Preisrückgang im vergangenen Jahr. Auch gab es bestimmt Hackerangriffe, aber auch die gibt es erstens jedes Jahr, zweitens wurde Bitcoin (das Bitcoin-Protokoll) trotzdem noch niemals gehackt und drittens trafen die krassesten Hackerangriffe dieses Jahr nicht Bitcoin, sondern die Hotelkette Marriott, Google und Facebook. 

In diesem Kontext würde mich daher interessieren, auf welche konkreten Bitcoin-Hackerangriffe sich Anja Kohl denn eigentlich bezieht und wie deren Auftreten mit der Preisentwicklung korreliert. Oder ob „die Hacks“ letztlich doch nur ein bequemer Platzhalter sind, wenn man die echten Gründe nicht benennen kann. Denn „Hacks“ – das passt ja schon irgendwie immer.

Als dritte Ursache für den Kursrückgang dann noch die fehlende Regulierung von Bitcoin zu nennen, ist ebenso schwach. Bitcoin ist kein Projekt, das jemals nach Regulierung gesucht hätte. Bitcoin war vor einem Jahr nicht reguliert und ist es auch heute nicht. Diese fehlende Regulierung nun also als Grund für den Preisverfall im letzten Jahr verantwortlich zu machen, ist ähnlich clever, wie sich beim Bademeister zu beschweren, dass das Wasser zu nass sei.

Es ist nicht nur, wie es ist. Sondern das ist es auch weder überraschend noch unvorhersehbar. 

Die alte und falsche „Bitcoin pfui, Blockchain hui“-Leier 

Am Schlimmsten wird es dann aber als Anja Kohl erklärt, dass Bitcoin ja quasi tot sei (und dabei pauschal alle Kryptowährungen über einen Kamm schert), die Blockchain(-Technologie) jedoch kurz vor ihrem großen Durchbruch stehe. Zwar gebe es noch einige Nachteile …

 … denen gegenüber stünden aber natürlich ganz enorme Vorteile.

Das große Problem hier jedoch: Wie so oft, wenn es um irgendwas mit „Blockchain“ geht, werden wilde Behauptungen, irgendwelche Interpretationen und reale Eigenschaften der Blockchain in einen großen Topf geworfen, kräftig durchgerührt und nacheinander solange zufällig wieder herausgezogen, bis auf beiden Tafeln vier Bulletpoints stehen. Wegen der Symmetrie. Dass man jedoch keinen der genannten Punkte auf diese Weise unhinterfragt und ohne kritische Einordnung so stehen lassen kann, geschenkt. Symmetrie, Baby!

Ich nehme die obigen Punkte an dieser Stelle jetzt nicht auseinander. Wer sich für solch eine kritische Einordnung interessiert, den verweise ich gerne noch einmal auf unsere sehr gute Diskussion in der Gesprächsrunde zum Thema Blockchain zwischen Hype und Hohn“ neulich bei Deutschlandfunk Kultur.

https://twitter.com/breitband/status/1071388404951199744
Dieser Bericht ist mangelhaft und das Problem symptomatisch 

Was jedoch die Bitcoin- und Blockchain-Kompetenz der ARD-Börsen-Redaktion angeht und deren journalistisches Ambitionen, Sachverhalte korrekt, verständlich und unvoreingenommen zu erklären, so bleibt eigentlich nur ein vernichtendes Urteil. Wer mit solchen schlecht recherchierten und unzureichend aufbereiteten Beiträgen auf Sendung geht, hat in der Prime Time kurz vor der Tagesschau nichts verloren.

Leider sind Anja Kohl und Kollegen mit ihrer Haltung jedoch nicht die einzigen in der Medienlandschaft und dieses Bild fasst das Problem trefflich zusammen. 

Bitcoin – Eine (etwas zu sehr) verrückte Geschichte

Ich war in den vergangenen Wochen sehr mit meiner Arbeit an dem 10 Jahre Bitcoin-Feature für Deutschlandfunk Kultur und anderen Aufträgen beschäftigt. Daher habe ich zwar mitbekommen, dass Christoph Bergmann vom Bitcoinblog sein Buch über Bitcoin veröffentlicht hat, konnte mich aber noch nicht weiter damit befassen. 

Dessen ungeachtet habe ich großen Respekt vor dieser Leistung. Denn ein Buch zu schreiben ist an sich schon unglaublich aufwändig. Umso mehr jedoch, wenn man es anschließend, wie Christoph, auch noch im Eigenverlag herausbringt.

Da ich nun also selbst sehr eingebunden war, aber dennoch zeitnah eine Besprechung des Buches hier im Blog haben wollte, habe ich Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes, zur Rezension an meinen geschätzten Honigdachs-Podcast-Kollegen Stefan weitergegeben, die hier nun folgt.

Christoph Bergmann: Bitcoin – Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes

Neulich fragte mich eine Freundin, ob ich ihr ein Buch über Bitcoin empfehlen kann. Am liebsten auf Deutsch. Mir fiel auf, dass mir nichts einfiel. 2018, fast zehn Jahre nach Satoshi, nach mindestens drei großen Medienblasen, haben wir noch immer kein gutes Buch, das Anfängern Bitcoin erklärt. Etwa eine Woche später erfuhr ich, dass Christoph Bergmann so ein Buch geschrieben hatte.

Nun sollte man dazu wissen, dass Christoph der Autor von bitcoinblog.de und auch auf Twitter sehr aktiv ist. Verfolgt man diese Medien, dann fällt auf, dass Christoph Bcash-Fan, Altcoin-Apologet und Craig-Wright-Verehrer ist, und dass er und ich deswegen regelmäßig auf Twitter aneinandergeraten.

So sehr ich also den Bedarf nach einem guten deutschen Bitcoin-Buch sehe, so skeptisch war ich, ob Christoph der richtige Autor dafür ist. Also habe ich es mir angesehen — und war erstmal sehr positiv überrascht!

Liebevoll gemacht, hochwertig, ansprechend

Es ist ein haptisch und optisch äußerst ansprechendes Hardcover-Buch, elegant gestaltet und geschrieben, mit gelungenen Illustrationen und interessanten Anekdoten. Es trifft meines Erachtens größtenteils den richtigen Ton, ist also zugänglich, ohne herablassend oder dumm zu wirken. Es ist gut lektoriert und enthält viele Quellen, sodass ich einiges Neues daraus gelernt habe. Vor allem aber liest es sich so flüssig und spannend, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte. Das Buch macht Spaß! Und es enthält auch fast alles, was man als Anfänger über Bitcoin wissen sollte.

Leider enthält es aber noch etwas mehr. Nämlich einige Fehler und Missverständnisse, vor allem aber eine sehr merkwürdige Gliederung:

1. Bitcoin

Das Eingangskapitel ist recht gelungen und beschreibt vor allem Grundkonzepte wie Kryptographie (finde ich nicht so erhellend, aber in Ordnung – man merkt, dass Christoph kein Informatiker ist, sondern Historiker), das „Scheitern der Cypherpunks am digitalen Bargeld“ – ein wichtiger und gut dargestellter Hintergrund, der in anderen Medien oft zu kurz kommt – ein paar Ausführungen zur Peer-to-Peer-Natur von Bitcoin, sowie natürlich Satoshi Nakamoto, mögliche Kandidaten, die hinter dem Pseudonym vermutet werden, und andere wichtige Figuren.

2. Das Geld des Internets

Hier geht es vor allem um wirtschaftliche Zusammenhänge, aber auch die dazu passenden technischen Details. Mir gefällt der Ansatz, etwa Mining im wirtschaftlichen Kontext einzuführen statt in einem möglicherweise anstrengend und mühsam zu lesenden technischen Kapitel.

3. Anarchie

Dieses Kapitel rund um Bitcoins politische Dimension finde ich von allen am gelungensten. Es ist zwar das kürzeste, aber das ist gut so. Es geht um Silk Road, die Philosophie der Cypherpunks, Technologie und Macht. Man merkt, dass Christoph sich in historischen und politischen Diskussionen wohlfühlt, und er schafft es auch, den Wert der anarchistischen und libertären Ideologien, die in Bitcoin stecken, herauszuarbeiten, ohne sie selbst unkritisch zu übernehmen.

4. Der Bitcoin-Bürgerkrieg

Ab hier wird es jedoch problematisch. Zunächst fällt die hervorgehobene Stellung dieses Kapitels über die Blocksize-Debatte auf, das im Rahmen der Gliederung „Bitcoin – Wirtschaft – Politik – Blocksize-Debatte“ inhaltlich mindestens eine Ebene zu weit oben angesetzt scheint.

Zumal es inhaltlich für ein Anfängerbuch thematisch sehr komplex, für das Grundverständnis von Bitcoin gleichzeitig aber kaum elementar ist. Man hätte diesen Teil also auch weglassen können. Vor allem weil es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig ist, den noch laufenden Skalierungsprozess in einem Buch final zu bewerten. (Anm. d. Red.: Siehe Christophs aktuelle „Hash War“-Berichterstattung)  Doch man merkt, dass Christoph eben auch im Buch unbedingt darüber schreiben wollte.

Seine Befangenheit in der Debatte thematisiert er dabei zu Beginn selbst und sein Plan, damit trotzdem ausgewogen umzugehen, ist, die verschiedenen Standpunkte in der Debatte gleichwertig nebeneinander stehen zu lassen.

Anfangs gelingt ihm das auch gut. In vielen Zitaten und Umschreibungen erklärt er detailliert die Anfänge der Debatte um die Erhöhung des Datenlimits der Blockchain-Datenblöcke und ihm gelingt durchaus eine ausgewogene Darstellung. Später kippt diese Neutralität aber zunehmend. Immer wieder stellt er seine individuelle Wahrnehmung in Bezug auf Mehrheiten und Stimmungen als objektive Fakten dar und ergreift schließlich selbst Partei, ohne dass er diese Subjektivität für den Leser erkennbar einordnet.

Wenn die Neutralität verloren geht

Spätestens mit dem Abschnitt „Narrative und Verschwörungstheorien“ verliert der Text dann seine Ausgewogenheit, wenn Christoph die Inhalte des subjektiven Brandbriefes eines gekränkten Mike Hearn als historische Objektivität darstellt. Hier zeigt sich Christophs Vermischung von wissenschaftlich belegten Fakten, politischen Zielen und Meinungen (ein Punkt, über den wir schon oft auf Twitter gestritten haben), und seine Bereitschaft, seine Leser in seinem Sinne zu manipulieren und irrezuführen. Ein Beispiel:

„Unter den Anhängern von Core verfestigte sich in dieser Zeit ein Set von Narrativen: Aussagen die nicht falsch, aber auch nicht uneingeschränkt richtig sind, jedoch als unumstößliche Wahrheiten, als Dogmen, ausgegeben wurden.“.

Mit Begriffen wie „unumstößliche Wahrheiten“, „Dogmen“ und „ausgegeben wurde“ benutzt Christoph hier eine auf Obrigkeit und Gehorsam deutende emotional sehr aufgeladene Sprache. Auch die Herleitung dieses „Set von Narrativen“, das er in der Folge erklärt, ist schwierig, weil es argumentativ belegbare mit eher schwammig hergeleiteten Aussagen vermengt.

So stehen mathematische Fakten („SPV-Nodes und unbestätigte Transaktionen sind unsicher.“), historisch belegte Motive („Classic will die Core-Entwickler feuern.“) neben sehr zugespitzten Formulierungen mit dennoch faktisch richtigem Kern („Bitcoin kann nicht skalieren. Die Kapazität zu erhöhen wird unweigerlich die wichtigste Eigenschaft von Bitcoin – die Dezentralität – untergraben.“) und von Christoph überspitzt dargestellte Aussagen („Erst das Lightning-Netzwerk wird wahre Skalierbarkeit bringen“). Dazu noch Plattitüden („Man kann nicht jeden Kaffee der Welt mit Bitcoin bezahlen“), ökonomische Thesen („Es gibt einen unlimitierten Bedarf an kostenlosen Transaktionen“) und vieles mehr.

Eigentlich ist fast alles in diesem Set gut begründet, einiges davon sogar unerlässlich, um Bitcoin auf einer komplexeren Ebene zu verstehen („Kontroverse Hardforks sind kein Upgrade, sondern erschaffen einen Altcoin.“). Doch für Christoph sind sämtliche dieser Aussagen letztlich die erwähnten „Dogmen“ und „subjektiven Meinungen“, die er schließlich mit Verschwörungstheorien in einen Topf zu werfen beginnt: „Es wurde geradezu zu einer allgemeinen Überzeugung, dass Gavin Andresen eine Marionette der CIA war (…)“.

Anfangs stark, zum Ende hin leider schwächer

Ab diesem Punkt geht es spürbar bergab mit dem Buch. Alles was nun noch kommt, hat zwar einen historischen Kern, ist aber tief gefärbt von Christophs persönlicher Enttäuschung, dass sich die Ideen seiner präferierten Fraktion in der Skalierungsdebatte, der Big Blocker, nicht durchsetzen konnten.

Vielleicht fällt es ihm zu schwer, die zentrale Erkenntnis zu akzeptieren, die den Kern von Bitcoins technischem Aufbau, politischem Anspruch und historischer Bedeutung ausmacht: dass nicht böse Mächte und Verschwörungen den Status Quo von Bitcoin bestimmen, sondern dessen grundsätzliche Eigenschaft. Bitcoin ist schwer zu ändern! Und wenn man es dennoch ändern möchte, dann bedarf es einer Idee, die so gut vermittelbar ist, dass dafür nicht nur ein wirtschaftlicher, sondern ein allgemeiner, eine Art totaler Konsens erreicht werden kann. Diesen Konsens hat jedoch von allen Ideen zur Vergrößerung der Blocksize-Grenzen bisher nur SegWit erreicht, das 2017 dann auch implementiert wurde.

Es ist insofern besonders schade, dass das Buch in diesem Punkt argumentativ so unbefriedigend endet, als dass zuvor die Gründe für ebendiese Unveränderlichkeit von Bitcoin und ihre grundsätzliche Bedeutung – all diese wichtigen Ideen und Konzepte – eigentlich bereits alle im Buch genannt werden. Nur gelingt es Christoph offensichtlich nicht, diese schlüssig mit seinem persönlichen, scheinbar festgefahrenen Standpunkt in Einklang zu bringen.

Punktabzug wegen falscher Fakten

Darüber hinaus enthält das Buch noch ein paar kleinere Fehler und Schwächen. So sind einige Ausführungen über Kryptographie eher verwirrend als hilfreich und es wird behauptet, Satoshi hätte das Whitepaper mit MS Word geschrieben, obwohl es, soweit ich weiß, keine Hinweise darauf gibt.

Vielmehr deutet alles auf OpenOffice hin. Überhaupt werden relativ oft erstaunliche Dinge behauptet, ohne diese hinreichend zu belegen. Das ist schade, denn ich habe viele interessante Fakten gelesen, die mir bis dato neu waren. Manchmal waren sie jedoch leider auch falsch, unvollständig oder zu einseitig:

  • Die Erklärung von FPGAs ist falsch: Ein Field Programmable Gate Array heißt eben so, weil es programmierbar ist, also für viele Zwecke einsetzbar, nicht nur für einen.
  • Mark Karpelès wird konsequent falsch geschrieben.
  • Die Darstellung des Kollapses von Mt.Gox ist unzureichend. So wird Roger Vers Rolle darin unterschlagen und es wird behauptet, dass die Opfer inzwischen entschädigt wurden. Das stimmt jedoch nicht.
  • Vitalik Buterin (und Ethereum) wird regelrecht vergöttert und völlig unkritisch dargestellt, obwohl er eine sehr umstrittene Persönlichkeit ist (und Ethereum ein sehr umstrittenes Projekt).
  • Genauso kritiklos geht Christoph mit ICOs um, bei denen eigentlich bekannt ist, dass es sich beim Großteil der Projekte um Betrug handelt. Ich persönlich würde sogar behaupten, bei allen, da die Struktur von ICOs eigentlich zwangsläufig zu Betrug führt. Doch gibt es auch für diese Aussage noch zu wenig Daten.
  • Blacklists werden noch immer als gute Idee diskutiert, obwohl sie in der Community seit 2012 verpönt sind. Dass die Propagierung solcher Ideen der Anfang vom Ende von Mike Hearns Bitcoin-Engagement war, bleibt auch unerwähnt.
Fazit

Nach der Lektüre von Bitcoin. Die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes bleibt der Eindruck einer verpassten Chance. Insgesamt ist es zwar ein gutes Buch, und an vielen Stellen in den ersten drei Kapiteln ist es sogar sehr gut.

Aber gerade das vierte Kapitel beinhaltet zu viel. Zu viel Kontroverse, zu viel Agitation und auch zu viele Fehler. Doch fällt das ins Gewicht und würde ich die Lektüre einem Bitcoin-Einsteiger dennoch empfehlen? Wahrscheinlich schon, aber nur, nachdem er/sie zuvor eine kritische Rezension wie diese gelesen hat.

Dennoch – es ist dem Buch zu wünschen, dass Christoph die erste Auflage verkauft bekommt und dann eine überarbeitete zweite Auflage herausgeben kann. Kürzer, mit weniger Ego, mit weniger Fehlern, aber immer noch genauso schön, elegant, und gut lesbar. Dann hätten wir endlich alle ein deutsches Bitcoin-Buch, das man dann uneingeschränkt jedem empfehlen kann.

Selber lesen macht schlau

Christoph Bergmann: Bitcoin – die verrückte Geschichte vom Aufstieg eines neuen Geldes ist bei Moby erschienen und die 416 Seiten kosten 20,90 Euro. Am besten kauft man das Buch direkt beim Verlag. So bleibt am meisten beim Autor hängen und bezahlen kann man dort nämlich auch mit Bitcoin (und sogar mit Lightning).

Das Bitcoin-Whitepaper als Webcomic

Schon immer mal vorgehabt, das originale Bitcoin-Whitepaper zu lesen, dieses Vorhaben aber aus (womöglich guten) Gründen nie umgesetzt?

Dann empfehle ich mal einen Blick auf dieses grandiose Webcomic zu werfen, in das Scott McCloud ebendieses Whitepaper und noch viel mehr Grundlagenwissen über Bitcoin hat einfließen lassen und das äußerst gelungen ist, weil er es schafft, komplexe Sachverhalte mit viel Humor plakativ herunterzubrechen.

Bitcoin Whitepaper Webcomic 1

Gelungenes Webcomic als Einstieg in die Bitcoin-Materie

Wer nämlich dieses Webcomic gelesen hat, kann danach durchaus von sich behaupten, verstanden zu haben, worum es im Bitcoin-Whitepaper geht. Oder dieses Vorwissen als Anlass nehmen, die originalen neun Seiten doch mal zu lesen.

Alles spitze, bis auf die irreführende Website

Klasse ist zudem, dass das Webcomic auch auf Chinesisch und Japanisch erschienen ist und man es sich direkt als pdf herunterladen kann. Weniger schön ist allerdings, dass es auf einer expliziten Bitcoin Cash-Website veröffentlicht wurde, deren „download a wallet“-Link die Nutzer eben gerade nicht zum originalen Bitcoin, sondern stattdessen ohne Hinweis zu einem umstrittenen und kriselnden Altcoin führt.

Nichtsdestotrotz – das Comic ist spitze. Nicht zuletzt wegen dieses grandiosen Fazits.

Bitcoin Whitepaper Webcomic

Geld und die Welt – Drei Podcast-Hörtipps

Ich war diesen Sommer sehr viel draußen und habe beim Fahren um den See immer wieder die Gelegenheit genutzt, interessante Podcasts zu hören.

Drei dieser Podcast-Sendungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben und ich empfehle sie an dieser Stelle. Alle drei haben nur indirekt etwas mit Bitcoin zu tun, sind aber dennoch sehr aufschlussreich als Bitcoin-Kontext. Denn sie erzählen Geschichten über Geld im Allgemeinen und wie es unsere Gesellschaft und das Denken und Handeln der Menschen beeinflusst.

Wer also verstehen will, warum sich Menschen für Bitcoin interessieren, der findet hier interessante Denkanstöße.

Philosophie der Superreichen: „Die erste Million ist die schwerste“Deutschlandfunk Kultur

Sehr interessantes Feature über das Reichsein und Reichwerden,  warum es alle anstreben und wie es die Gesellschaft verändert. Interessant fand ich nicht nur die Ausführungen, wie die amerikanische Regierung aktuell quasi nur von Superreichen besetzt ist, die keinerlei bis kaum politische Qualifikation haben, sondern auch den gesellschaftlich brisanten Aspekt, dass sich die Reichen (über die wir ganz wenig wissen) immer mehr von der Mittelschicht und „den Armen“ (die wegen ihrer Abhängigkeit statistisch sehr gut erfasst sind und daher leichter den Schwarzen Peter bekommen) entkoppeln. Mit dem Effekt, dass das Ziel, ebenfalls schnell reich zu werden, in der Mittelschicht zunehmend als einzige echte Chance gesehen wird, einen Abstieg in die Unterschicht zu vermeiden.

Dazu passt ganz aktuell das Ergebnis einer Studie, der zufolge sich die selbst Mitarbeiter von Apple (und anderen Tech-Konzernen rund um das Silicon Valley) sich keine Familie leisten können.

Altersvorsorge. Trübe Aussichten für Millennials?Deutschlandfunk Kultur

In diesem Feature geht ein Anfang-30-jähriger mit Familie der Frage nach, wie sicher denn seine Rente sei und was er tun könne, um sich und seine Lieben vor Altersarmut zu schützen. Die Frage ist hochinteressant, denn sie betrifft nahezu alle jüngeren Menschen, die sich nicht der Illusion hingeben, später im Alter finanziell noch große Sprünge machen zu können. Im Gegenteil: Die lieber darauf verzichten, vorzusorgen, weil sie ja auch jetzt leben wollen bzw. müssen. Ein Happy End hat die hier erzählte Geschichte nämlich nicht wirklich. Selbst wenn der Autor jetzt seinen kompletten finanziellen Spielraum in die Altersvorsorge stecken würde und damit auf sämtliche Freizeitaktivitäten mit Kind, Urlaub und Auto verzichtete, bekäme er im Alter auch nicht viel mehr.

In diesem Zusammenhang kann man das Ergebnis dieser repräsentativen Studie der Postbank aus dem Frühsommer natürlich in einem ganz anderen Licht sehen, der zufolge nicht nur vor allem die jungen Leute „den Schritt zum Investment in Kryptowährungen wagen“, sondern sich sogar insgesamt knapp jeder Zweite für Kryptowährungen als Geldanlage interessiert. Weit mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Georg Simmel – Die Philosophie des Geldes – BR2

Diese Sendung ist von allen dreien die hintergründigste. Macht sie aber nicht weniger hörenswert als die anderen beiden. Denn die Schnittmenge Philosophie und Geld wird viel zu selten betrachtet. Aus der Sendungsbeschreibung:

Was macht den Wert eines Menschen in den modernen Gesellschaften aus? Für Georg Simmel stand fest: seine Zahlungsfähigkeit. Er beschreibt in seiner 1900 erschienenen ‚Philosophie des Geldes‘, wie Geld zu einem Gott wurde.  

Interessant auch: Der Bayrische Rundfunk bietet viel zusätzliches Hintergrundmaterial.

„Kill Mr Bitcoin“ – Nicht der erste, aber ein guter Bitcoin-Thriller

Es ist immer spannend zu sehen, was dabei herumkommt, wenn Bitcoin in der Mainstream-Popkultur aufgegriffen wird. Als sich 2012 gleich eine ganze Folge der US-amerikanischen TV-Serie Good Wife um Bitcoin drehte (S03E13 „Bitcoin for Dummies“) war die Begeisterung in der Bitcoin-Community groß.

Damals galt die dramaturgische Aufbereitung von Bitcoin durch Hollywood für viele als Mainstream-Ritterschlag. Nicht als Geld, aber zumindest schon mal als spannende Geschichte war Bitcoin einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht worden.

Bitcoin immer wieder Thema in der Unterhaltungskultur

In den sechs Jahren seitdem wurde Bitcoin immer wieder popkulturell aufgearbeitet. In Comics, Streetart, Musik, Filmen und Kunstprojekten. Nicht immer ist der Spagat zwischen Erklären und Unterhalten überzeugend gelungen.

Insbesondere fiktionale Erzählformate, die gleichzeitig versuchten, tiefer in die komplexen technischen, wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge einzutauchen und diese dann mit einer spannenden und unterhaltsamen Geschichte zu verweben, scheiterten oft. Meist, weil sie sich bald in ausufernden techno-ökonomischen Erklärschleifen und ihren gesellschaftspolitischen Implikationen verloren.

bitcoin streetart
Nur ein kleiner Ausschnitt von dem, was Google zu „Bitcoin street art“ liefert.

Die besten Bitcoin-Bücher sind daher bislang Sachbücher. Was nicht unbedingt schlecht sein muss, wie Digital Gold von Nathaniel Popper zeigt, das sich mindestens ebenso spannend liest wie ein fiktionaler Thriller, obwohl es ja eigentlich „nur“ die reale Geschichte von Bitcoin erzählt.

Bitcoin ist selbst ein Popcorn-Momente-Generator

Aber das Bitcoin-Universum – das wissen alle, die sich länger damit beschäftigen – sorgt ja auch von sich aus immer wieder für ausreichend Popcorn-Momente: Streit auf Crypto-Twitter, Spekulationsblasen, Shitcoin-Scammer, Exchange-Hacks, persönliche Dramen, staatliche Regulierungen, gekränkte Egos, Forks, Faketoshis – die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Doch ist nun mit Kill Mr Bitcoin ein deutscher Thriller erschienen, der die Herausforderung annimmt, das komplexe Thema Bitcoin mit einer spannenden fiktionalen Handlung zu verbinden. Und auch wenn das in Teilen sehr gut, aber nicht immer hundertprozentig gelingt, so ist es dennoch ein Buch, dass spannend genug ist, um es immer weiter lesen zu wollen.

Grund dafür ist auch die clevere Entscheidung des Autorenduos, wie auch bei der erwähnten Good Wife-Folge, als Aufhänger für die Geschichte das größte Mysterium von Bitcoin überhaupt zu nehmen: Satoshi Nakamoto.

Das Cover ist nicht nur optisch gelungen, sondern durch Prägungen auch haptisch ansprechend gestaltet.

„Kill Mr Bitcoin“ – Nicht der erste, aber ein guter Bitcoin-Thriller weiterlesen

„… blubb, blubb, blubb, BLOCKCHAIN!!! BAHN!!! blubb, blubb, blubb …“

Dieses durchaus aufwändig gemachte „Hey,  guckt mal alle her, auch wir von der Bahn machen jetzt irgendwas mit Blockchain!!!“-Video ist ein echtes Fundstück. Bisher galten nämlich Daimler und die LBBW als die Könige des Blockchain-Bullshit-Bingos, aber das konnte die Deutsche Bahn wohl nicht auf sich sitzen lassen.

Also hat man eine hübsche Stange Geld in die Hand genommen und ein Filmchen erstellen lassen, in dem zwar sehr viel geredet, aber leider nichts gesagt wird. Außer natürlich den obilgatorischen „Yeah!-Blockchain-Technologie-Hype-Bullshit-Bingo-Geschwafel“. 

Hübsch gemacht aber ohne Aussage. Das will keiner sehen

So viel Aufwand für ein Video, das Null Inhalt hat und das dann mit knapp 800 Klicks in vier Monaten auch noch kaum jemand sehen will. (Hier bitte eigenständig einen Deutsche Bahn-Püntklichkeit-trifft-auf-Blockchain-Hype-Zug-längst-abgefahren-Witz nach Wahl einfügen.)

Die Katzifizierung der Blockchain (Hörtipp)

Ich weiß, dass der ein oder andere jetzt sagen wird, dass die CryptoKitties als Thema doch eigentlich schon längst durch sind.  Das dachte auch ich eine ganze Weile.

Doch stimmt das letztlich nur, wenn man selbst ganz tief in der Crypto-Szene mit dem entsprechenden News-Flow drin steckt, weniger außerhalb dieser Filterbubble. Dort sind non-fungible -Token-basierte Blockchain-Sammelkatzen noch immer kaum bekannt oder werden jetzt erst zu einem Thema, über das man spricht.

New Cats On The Block – Blockchain-Trend oder Ende des Hypes?

Insofern – und weil es einfach ein Thema ist, das sich unglaublich schön akustisch umsetzen lässt – habe ich für Breitband beim Deutschlandfunk Kultur einen Netzkultur-Beitrag über die CryptoKitties gemacht (Direktlink zur mp3), der die Katzifizierung der Blockchain einordnet und natürlich ganz subtil auch die Frage stellt: Ist das wirklich alles, was „Blockchain“ in den vergangenen drei Jahren Sinnvolles hervorgebracht hat?

Darauf deutet zumindest einiges hin. Wie zum Beispiel dieser Bloomberg-Artikel: Blockchain, Once Seen as a Corporate Cure-All, Suffers Slowdown.

Die reflektierte Sicht eines Crypto-Fund-Managers

Dass eine Venture-Capital-Firma einen neuen 300 Millionen Dollar schweren Crypto-Fund an den Start bringt, ist eigentlich keine Meldung, die mir hier im Blog einen eigenen Beitrag wert ist. Doch bei Andreessen Horowitz und ihrem a16z crypto fund ist das etwas anderes.

Sharing is caring – gilt bei a16z auch für Wissen

Denn es handelt sich hier um einen der renommiertesten und ziemlich treffsicheren Tech-Investor der vergangenen zehn Jahre (siehe Portfolio). Aus dem einfachen Grund, dass dort gute und clevere Leute arbeiten, die mit ihrem Wissen und analytischen Kompetenzen nicht hinter dem Berg halten, sondern beides offensiv und gerne teilen.

Immer wieder habe ich hier daher schon auf hauseigenen a16z-Content verwiesen und sorgar die Ankündigung des a16z crypto funds ist nicht einfach nur ein Pressemitteilung, sondern selbst voller interessanter und lesenswerter Links.

Am meisten beeindruckt hat mich jedoch gestern das Hören des aktuellen Unchained Podcasts, in dem Laura Shin mit Chris Dixon spricht, der eben diesen crypto fund leitet. Was Dixon darin erzählt, zeugt von einer breiten, tiefgehenden und unglaublich sachlich reflektierten Kenntnis des gesamten Bitcoin-/Krypto-/Blockchain-Phänomens. Man muss dabei nicht alles unterschreiben, was Dixon sagt, aber über seine Thesen und dann über den eigenen Kenntnisstand nachzudenken, lohnt in jedem Fall.

Ich kann diesen Podcasts daher jedem empfehlen, der einmal vollkommen undogmatisch und ohne direkte Business- & Marketing-Hintergedanken erklärt bekommen will, welches Potential tatsächlich in Plattformen wie Bitcoin und Ethereum und weiteren Bausteinen wie Non-Fungible-Token (aka CryptoKitties) oder Stablecoins steckt oder zumindest stecken könnte. Denn auch Dixon sagt, dass das alles noch krachen gehen kann, doch dass sie optimistisch sind und glauben, dass wir uns noch immer in einem ganz frühen Stadium befinden und „we put our money where our mouth is.“ Solides Statement.

Die Naivität der DAO

Auch interessant ist: Wenn man diesen Podcast gehört hat und die Intensität und analytische Tiefe versteht, mit der sich Investoren wie a16z dem Krypto-Thema widmen, wird deutlich, wie naiv eigentlich die Idee der DAO war, bei der eben solche hochqualifizierten Investoren durch blockchain-basiertes Gemeinschafts-investing einer vergleichsweise unmotivierten Crowd aus Hobby-VCs abgelöst werden sollte.