Archiv der Kategorie: Medien & Kritik

Sind Tatort-Zuschauer zu doof für Bitcoin?

Ich persönlich kann mit dem Tatort und dem ganzen Wind, der darum gemacht wird, nichts anfangen. Insofern kann ich auch zu dem gestrigen Tatort nicht viel sagen.

Außer dass es da wohl irgendwie um das Darknet ging und (so die Kommentare bei Twitter & Co.) die Macher mal wieder ganz tief in die Klischee-Kiste gegriffen haben, um aus diesem Thema irgendwie einen Krimi zu basteln. Z. B.. soll wohl irgendwie das Netzkabel vom Laptop gekappt worden sein, um diesen vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Vielleicht war es auch anders. Aber allein, dass ich es für realistisch halte, dass so etwas in einem Tatort ernst gemeint sein könnte, erklärt vermutlich ganz gut, warum ich mich nicht für das Format interessiere.

Kein Darknet-Tatort ohne Bitcoin

Bitcoin war gestern übrigens auch irgendwie Thema. Ist in Hinblick auf die Tatort-Drehbuch-Logik aber auch nur vorhersehbar konsequent: Kein Darknet ohne Bitcoin.

Interessant ist dazu auch die Tatort-Kritik vom SWR3:

„Darknet? Der Kommissar selbst hat offenbar noch nie was davon gehört. Borowski muss sich auch die gängigsten Smartphone-Anwendungen erklären lassen, selbst der seit Jahren in jeder Zeitung durchgekaute Begriff „Bitcoin“ ist für Borowski ein Fremdwort. Deswegen wird ein digitalisierter „Comic-Borowski“ – Achtung Kunst – in einer Trickfilm-Sequenz durch dieses geheimnisvolle Internet geführt und ist danach ein bisschen schlauer.“

Brauchen Tatort-Zuschauer die Maus, um Bitcoin zu verstehen?

Verwunderlich ist jedoch, dass im Vorfeld des Ausstrahlung gestern in der Tatort-Sektion der ARD-Mediathek  ein kurzes Video aufgetaucht ist, in dem Armin Maiwald von der Sendung mit der Maus erklärt, was Bitcoins sind.

bitcoin maus armin maiwald 1
Drei minus eins gleich zwei. Die Maus erklärt Mathe und Bitcoin auf Tatort-Niveau.

Ich will das nicht schlecht machen – Armin erklärt Bitcoin sehr gut! Allerdings wirkt das an dieser Stelle merkwürdig fehlplatziert und wirft Fragen auf. Allen voran: Warum?

Was hat dieser Clip in der Tatort.Sektion zu suchen? Glauben die Verantwortlichen, dass die Zielgruppe des Tatorts Erklärungen nicht versteht, die komplexer sind als Sendung mit der Maus-Niveau? Oder hatte man den Clip einfach irgendwo übrig? Oder war es das erste, was man im Sendespeicher fand, auf der Suche nach irgendwas mit BItcoin? (Der Weltspiegel hatte übrigens vor einiger Zeit einen ganz passablen Beitrag und eine ganze Darknet-Doku hat der NDR produziert.)

Ich weiß es nicht und will mich auch gar nicht weiter damit beschäftigen. Fazit ist aber: Bitcoin ist mittlerweile in der Sendung mit der Maus angekommen (Sieh an!) und alles, was mit dem Tatort zu tun hat, finde ich weiterhin seltsam verstörend (Sieh weg!).

 

Lob für diese zielgruppengerechte Onecoin-Aufklärung

Props an die Kollegen von SR 3 Saarlandwelle, die mit dem Radiobeitrag Verbraucherzentrale warnt vor Grauem Kapitalmarkt einen wichtigen Beitrag dazu leisten, ihre Hörer vor kryptischen Geschäftsmodellen wie dem von Onecoin zu warnen.

Auch ich habe mich zwar schon im Radio und hier im Blog kritisch dazu geäußert, allerdings weiß ich auch, dass meine Leser und die Hörer von Breitband wahrscheinlich eher nur am Rande zur Kernzielgruppe von Onecoin gehören.

Onecoin-Warnung genau für die, die sie brauchen

Bei SR 3 Saarlandwelle ist das jedoch ganz anders. Deren Hörerschaft ist vermutlich hundertprozentig kongruent mit potentiellen „Kunden“ von Onecoin und Co. Insofern ist es besonders wichtig, dass gerade solche Redaktionen sich dem Thema annehmen und sie so zielgruppengerecht aufbereiten, wie es Karin Mayer in diesem Fall getan hat.

Toller Beitrag, der aber nicht nur für das Saarland relevant ist. Wenn jetzt noch die anderen ARD-Rundfunkanstalten auf den gemeinsamen Senderspeicher zugreifen und den Beitrag für ihre Region wiederholen würden, wäre das ein noch besserer Beweis dafür, das Rundfunkgebühren durchaus sinnvoll verwendet werden.

Mit Dank an „Klingone“ für den Tipp / Bildnachweis „Classic old radio 1960s or 70s style“ Flickr-User theslowlane (CC BY 2.0)

Podcast-Tipp: Über Makrelen & Knast-Bitcoins

Auf die Podcast-Serie Planet Money mit ihren kurzweiligen Geschichten aus der Schnittmenge Geld und Gesellschaft habe ich an anderer Stelle bereits hingewiesen. Mit Episode 753: Blockchain Gang ist dort nun aber wieder ein explizites Bitcoin/Blockchain-Thema aufgegriffen worden. Das Bemerkenswerte daran: mit einem smarten inhaltlichen Dreh wird die komplexe Materie nicht nur auf ein verständliches Niveau herunter gebrochen, sondern auch noch wunderbar unterhaltsam erzählt.

Makrelen, Bitcoins und die Mikroökonomie des Gefängisses

Ich ziehe jedenfalls meinen Hut vor der thematischen Verbindung von Makrelen als Gefängnis-immanenter Ersatzwährung und Bitcoin. Andererseits passt das eben auch, wenn man die Geschichte von Charlie Shrem erzählt. Snippet:

Charlie Shrem had a prison epiphany. Instead of using packets of mackerel to buy and sell things, inmates should use something more like the digital currency Bitcoin. He even came up with a way it could work in prison, never mind that it was Bitcoin that got him arrested in the first place.“

Fazit: Sehr hörenswerte 22 Minuten.

Chronobank.io – Momos Blockchain-Erzfeind

Ich bin neulich im Netz auf ChronoBank.io gestoßen, eines dieser strangen „Blockchain“-Projekte, bei denen man nicht weiß, ob die das wirklich ernst meinen.

Professionalisierte Blockchain-Zeitverschwendung

Chronobank.io setzt als Blockchain-Währung nämlich auf „LabourHours“, also auf eine Art „Arbeitsstunden-Token“, mit denen sich dann was anstellen lassen können soll?

Weder die Website noch das Imagevideo geben vor lauter Pathetik, Schwulst und Phrasendrescherei eine wirkliche Antwort darauf.

In jedem Fall soll die Währung aber „backed by time“ sein und damit so wertstabil wie nichts anderes auf dieser Welt. Logisch. Die Frage ist dann bloß, warum sie im derzeit laufenden Initial Coin Offering (ICO) so unglaublich viel ordinäres Geld haben wollen? Arbeitsstunden könnten sie doch auch ganz normal wie alle anderen erzeugen.

Ich wage zudem auch zu bezweifeln, dass bei der dünnen Informationslage bereits 1500 Leute rund 2,5 Millionen US-Dollar in das Projekt investiert haben. Das sind nur irgendwelche Zahlen auf einer shiny Website.

Momo, übernehmen Sie!

Das einzige, was ich an dem Projekt wirklich mag, ist, dass es mich sofort an die Grauen Männer aus Michael Endes „Momo“ denken lässt, die mit ihrer Zeitsparkasse die Menschen mit hübschen Versprechungen übers Ohr hauen wollen.

Ich denke also, ich liege nicht ganz falsch mit meiner Vorstellung, dass es im Besprechungsraum der Chronobank ganz ähnlich aussieht und abläuft wie hier:

graue männer chronobank

Glücklicherweise wissen wir auch, wie es mit den Grauen Männern  und ihrer Zeitsparkasse ausging. Insofern: Momo, übernehmen Sie!

Warnung vor Onecoin & Co. – Jetzt auch im Radio

Über Kryptoscams und Kleptocoin-Modell habe ich hier im Blog ja bereits ausführlich berichtet. Am Samstag nun hat auch Breitband das Thema auf die Agenda gehoben und damit reichweitenstark in die radioaffine Öffentlichkeit gebracht.

Thema: Zweifelhafte Kryptowährungen

Das ist gut und wichtig, denn je mehr die Menschen über Onecoin & Co. erfahren, desto besser können Sie entscheiden, ob sie dort wirklich Geld investieren wollen. Insofern musste mich die Redaktion auch nicht zweimal bitten, ein paar Fragen zu beantworten.

Das Gespräch kann man hier nachhören, wobei ich guten Gewissens auch die ganze Sendung empfehlen kann, in dem es u. a. auch um den „Kalten Krieg der Hacker“ geht.

Ein „The DAO“-Macher rekapituliert sein Blockchain-Experiment

Christoph Jentzsch von Slock.it war einer der Initiatoren von The DAO, dem Blockchain-basierten Crowdinvestment-Experiment, das vergangenes Jahr erst steil durch die Decke ging und dann genauso schnell wieder auf den Boden der Tatsachen abstürzte. Wobei noch heute viele Fragen um die DAO offen sind.

In diesem TEDx-Talk rekapituliert Christoph Jentsch nun die Ereignisse aus seiner Sicht.

The DAO – war da nicht was?

Ich lasse das an dieser Stelle unkommentiert, weil ich mich nicht entscheiden kann, ob ich dem „Abhaken, weitermachen!“- oder dem „Moment, wir müssten da erst noch ein paar Dinge aufklären“-Lager zugehörig fühle. „Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust.“, passt da quasi wie der Faust aufs Auge.

Wer mehr Hintergrundwissen braucht, kann mit Hilfe der folgenden beiden Artikel aus dem letzten Jahr Aufstieg und Scheitern der DAO nachvollziehen.

Bonusmaterial – Noch mehr Christoph Jentzsch

Christoph Jentzsch stand vor einiger Zeit auch der Redaktion von heute.de zum Thema Blockchain Rede und Antwort.

Blockchain-Technologie. Hype um eine hohle Phrase

Im Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) lief vor einiger Zeit der Beitrag Blockchain: Die Finanzwelt im Banne der Blockchain. Der Autor hat für diesen Beitrag sogar einen Preis gewonnen. Nicht ganz zu unrecht, denn einige Aspekte sind durchaus gut aufbereitet.

Letztlich werden aber wie so oft wichtige Fragen nicht gestellt und selbst konstruierte Widersprüche nicht hinterfragt. Aber ich will nicht zuviel vorwegnehmen. Hier erst einmal der Beitrag:

Nun zur Kritik. In diesem Beitrag wird der Zuschauer mit einem einfachen, aber sehr beliebten Trick an der Nase herumgeführt. Denn der Begriff „Blockchain“ wird zwar einmal erklärt (großes Netzwerk, viele Computer, sicher gegen Hackerangriffe etc.), dann aber recht willkürlich ausgelegt. Nämlich immer so, wie er gerade am besten in den Kontext passt. Das merkt man immer dann, wenn Off-Sprecher und Gesprächspartner zwischen den Termini „die Blockchain“ und „Blockchain“ bzw. „Blockchain-Technologie“ hin- und herwechseln.

„Blockchain-Technologie“ kann alles sein und ist meistens nichts

Dass es jedoch einen enormen Unterschied zwischen diesen beiden Begrifflichkeiten gibt, wird unter den Tisch fallen gelassen. Denn „die Blockchain“ ist die Bitcoin-Blockchain und bietet all die schönen Beispiele, an denen sich erklären lässt, warum die Technologie so revolutionär ist. „Blockchain-Technologie“ ist hingegen eine viel und gern benutzte, aber letztlich hohle Phrase, die nicht mehr bedeutet als „irgendwas mit Computern“, in der sich aber all das so wunderbar technik-mystisch verpackt lässt, was man mal machen will. Also vielleicht. Irgendwann mal. Vorausgesetzt es funktioniert. Was es wahrscheinlich nicht wird.

Zur Erinnerung: Die Idee von einem Internet-Geld ist so alt wie das Internet selbst. Trotzdem hat es Jahrzehnte an Forschung, Entwicklung und Experimentieren gebraucht, bis mit Bitcoin eine ernsthaft funktionierende Variante ihre Tauglichkeit in der Praxis beweist.

Die Vision, eine beliebig variierbare „Blockchain-Technologie“ (idealerweise ohne Bitcoin) zu erfinden, um sie für dieses oder jenes einzusetzen, ist daher keine Leistung. Behaupten kann man ja erst einmal viel. Den schönen Worten aber Taten folgen zu lassen, ist jedoch das, woran all die „Blockchain-Technologie“-Experten dieser Welt bislang scheitern. Denn die Realität zeigt: Entweder es funktioniert oder es hat nichts mit der Blockchain zu tun. (Vgl. dafür Aussagen wie „Wir arbeiten an der Blockchain der nächsten Generation. Aber ohne Blöcke und ohne Kette!“ oder „Das Tolle an unserer Blockchain: Sie ist wiederbeschreibbar!“ usw. usf.)

Sieben Milliarden „Blockchain-Experten“

Um ein „Blockchain-Experte“ zu werden, braucht man aber auch nicht viel. Sogar Sie, lieber Leser, liebe Leserin, sind doch schon längst einer:

  • Sie können Dinge in eine Excel-Tabelle eintragen? Sagen Sie ab jetzt, Sie arbeiten mit „Blockchain-Technologie“! Das klingt viel cooler.
  • Ihr Computer ist Teil eines Netzwerks, womöglich sogar des Internets? Glückwunsch! Sie arbeiten mit „Blockchain-Technologie“. Verlangen Sie sofort eine Gehaltserhöhung!
  • Sie haben schon einmal ein Backup gemacht? Schreiben Sie sich „Blockchain-Technologie-Experte mit Berufserfahrung“ auf die Visitenkarte. Ihre Kollegen werden staunen!

Blockchain-Widersprüche aufdecken!

Aber Spaß bei Seite. Wenn der Begriff „Blockchain“ beliebig gedehnt wird, und Realität und wilde Fantasien in einen Topf geworfen werden, entstehen daraus zwangsläufig Widersprüche. Auch in obigem Beitrag.

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Dort wird bspw. in einer kurzen Animation erklärt, wie die (Bitcoin-)Blockchain Banken und andere Intermediäre überflüssig macht. Kurze Zeit später wird über das Bankenkonsortium R3 berichtet, das mit der „Blockchain-Technologie“ den Zahlungsverkehr zwischen den Geldhäusern effizienter machen will.

Spätestens an dieser Stelle müssten doch sowohl der Autor als auch die Redaktion stutzig werden und sich fragen: Will da etwa eine Branche, die offensichtlich kurz davor steht, durch eine neue Technologie abgeschafft zu werden, dieselbe Technologie nutzen, um zuvor noch was auch immer damit zu machen? Sind die komplett bekloppt oder müssen wir den Begriff „Blockchain“ womöglich doch etwas differenzierter betrachten?

Beim SFR hat man sich scheinbar für erstere Antwort entschieden. Das ist zwar ganz sympathisch, hilft aber letztlich nicht weiter. Denn genau der gleiche Blockchain-Argumentationstrick wird auf jeder Fachveranstaltung genutzt, die ich in den letzten Monaten besucht habe, um substanzlose Projekte aufzubauschen, dadurch eine Innovationsfähigkeit vorzugaukeln, die schlichtweg nicht da ist und die Blockchain-Hype-Blase weiter zu befeuern.

Schauen Sie hinter den Blockchain-Hype!

Da die Medien dazu noch nicht in der Lage sind, kann ich Ihnen nur raten: Achten Sie selbst mal drauf, wenn Sie das nächste Mal einen Pitch, eine Präsentation oder einen Beitrag sehen, bei dem es um „Blockchain“ geht. Fragen Sie sich, wann (meist sehr subtil) mit den tollen Eigenschaften der Bitcoin-Blockchain geworben wird und wann die Voraussetzungen, die unweigerlich nötig sind, damit diese Blockchain funktioniert, still und heimlich unterschlagen werden, um ein ganz anderes Konzept zu rechtfertigen, dass ohne die Argumente der Bitcoin-Blockchain-Stärken aber eigentlich ziemlich dünn wirkt.

Sie werden überrascht sein, wie oft das passiert!

Wie die taz mit Bitcoin Geld verdient

Die taz hat vor Kurzem Bilanz ihres hauseigenen Bitcoin-Bezahlexperiments gezogen. Seit knapp zwei Jahren kann man für die Inhalte von taz.de nämlich auch mit Bitcoins bezahlen. Wobei man die Freiwilligkeit an dieser Stelle betonen muss. Niemand ist gezwungen zu bezahlen, aber es wird gebeten es doch zu tun.

Mehr als 17 Bitcoins bzw. aktuell gut 11.200 Euro sind so in den letzten Monaten eingegangen. Das wiederum ist nicht nur unter finanziellen Aspekten beachtlich, sondern auch der damit einhergehende Bewusstseinswandel im Haus von: „Diese Onliner kommen aber auch jede Woche mit einem neuen Quatsch daher.“ über „Bitcoins werden direkt in Euro umgetauscht“ zu „Der Chefbuchhalter wird die nächste Hardware direkt in Bitcoin bezahlen.“

Interessant wäre noch zu wissen, ob die Spendenbereitschaft gleich geblieben ist, d. h. Bitcoin andere Zahlungsoptionen kannibalisiert hat oder ob die 11.000 Euro zusätzliche Einnahmen sind, die allein durch die Bitcoin-Akzeptanz generiert wurden. Ich hake da mal nach, tippe aber stark auf letzteres. So oder so aber ein bemerkenswertes Beispiel für das noch nicht erschlossene Potential für Bitcoin in der sich weiter von Krise zu Krise schleppenden Verlags-/Zeitungs-/Medienbranche.

Bonus

Anfang Oktober hat die Sontaz eine lesenswerte Sachkunde-Beilage zu Bitcoin gemacht.

Bitkom veröffentlicht wirren Blockchain-Leitfaden

Ich hatte mich tatsächlich ein bisschen gefreut, als der Bitkom am Freitag seinen Blockchain-Leitfaden veröffentlichte.

Nicht, weil ich den tatsächlich am Wochenende hätte lesen wollen, sondern vielmehr, weil ein fundiert recherchierter und gut geschriebener Leitfaden zur Bitcoin-/Blockchain-Thematik im deutschsprachigen Raum bislang fehlt. Von wem sollte der aber auch kommen, wenn nicht vom großen Branchenverband selbst?

Große Erwartung, herbe Enttäuschung

Nun habe ich ihn gelesen. Doch leider war das alles andere als eine Freude. Denn anstatt zu klären, einzuordnen und Orientierung zu geben, verwirrt dieser Leitfaden durch leserferne Sprache, Flucht in abstrakte Formulierungen, peinliche Fehler und selbstverschuldete Widersprüche. Es mag hart klingen, aber mit dieser unausgegorenen Veröffentlichungen haben der Bitkom und die beteiligten Partner weder uns noch sich selbst einen Gefallen getan.

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Banker im DLF: „Bitcoin ist eine geniale Sache“

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Banker Bitcoin explizit als „geniale Sache“ bezeichnen. Derzeit höchstens vielleicht hinter vorgehaltener Hand.

Umso bemerkenswerter ist es daher, wenn die Aussage live im Deutschlandfunk fällt und der Banker nicht irgendeiner, sondern der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Meyer, ist.

Dann kommt es nämlich, wie gestern, zu einem wirklich interessanten und vielschichtiges Gespräch, in dem es um Geld als soziales Medium geht, um Glaube und Vertrauen (bzw. wie der Moderator Marx zitiert: um „die theologischen Mucken des Geldes“), um Preisschwankungen, die letztlich nur vom Standpunkt abhängen und um starke Zitate, wie diese beiden:

  • „Ich denke, dass eine dezentral organisierte digitale Währung wie Bitcoin, die eben nicht von der Politik zu ihren Zwecken verwendet wird, langfristiger stabiler ist als das Geld, das wir gegenwärtig haben.“
  • „Kryptowährungen haben durchaus eine Zukunft, insbesondere dann, wenn das Vertrauen in unser gegenwärtiges Geldsystem schwinden sollte, und man weiß nicht, ob das Vertrauen in das gegenwärtige Geldsystem immer so anhalten wird“.

Beide Thesen sind nicht aus der Luft gegriffen, denn wer aktuell mal einen Blick nach Venezuela wirft oder sich erinnert, wie sich die Nachfrage nach Bitcoin entwickelte, als vor einiger Zeit auf Zypern die Geldautomaten plötzlich kaum mehr Geld rausrückten, weiß, worüber Thomas Meyer spricht.

Ein bemerkenswertes Interview, in dem jemand, der Ahnung hat, einfach redet, ohne darauf angewiesen zu sein, die Realität nach den Interessen seines Arbeitgebers zu interpretieren.