Archiv der Kategorie: Medien & Kritik

Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

Wie Bitcoin das Leben von Bitcoin-„Millionären“ verändert

Arte hat vor kurzem eine sehenswerte Reportage über Die Bitcoin-„Millionäre“ veröffentlicht. Ich schreibe das Wort hier in Anführungszeichen, weil viele Leute mit dem Begriff „Millionär“ vermutlich etwas anderes assoziieren, als das, was hier gezeigt wird.  Wenngleich die Protagonisten durchaus ein (geld-)sorgenfreies Leben leben. Zumindest derzeit.

Millionär sein ist kein Beruf

Denn der Reichtum und das Millionärsein ist für sie im Kern nicht, das, worum es geht. Die einen arbeiten trotzdem (oder gerade wegen Bitcoin?) sehr emsig. Die anderen brechen komplett aus dem Arbeits- und Konsum-Hamsterrad aus und leben trotz ihres Krypto-Reichtums minimalistischer als vorher. Aber dafür sorgenfrei und ganz im Moment.

Tolle unaufgeregte Reportage mit schönen Bildern aus der ganzen Welt, interessanten Protagonisten und dem kleinen Highlight, dass man mal sieht, wie so ein Bitcoin-Meetup in Thailand abläuft.

Traumhafte Gewinne, ohne staatliche Kontrollen – das verheißen Bitcoins und andere Internetwährungen. Ihre Anhänger glauben an eine finanzielle Revolution. Trotz extrem schwankender Kurse und Warnungen vor einer gefährlichen Blase investieren sie weltweit Milliarden in das digitale Geld. Mit zu hohem Risiko?

Der Holländer Didi Taihuttu (39) hat für Bitcoins und andere digitale Währungen sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt. Noch vor einem halben Jahr besaß der Unternehmer ein Haus und drei Autos. 2017 verkaufte er alles und investierte sein Vermögen in digitale Währungen. Die kalte Jahreszeit verbringt die Familie nun in Thailand. Zwar hat sich Didis Vermögen allein im letzten halben Jahr um das Fünffache vermehrt und rein rechnerisch ist er nun Millionär. Aber die Bitcoin-Familie will langfristig Gewinn machen und pflegt deshalb einen minimalistischen Lebensstil. Brechen die Kurse ein, könnten Didi und seine Familie von heute auf morgen bankrott sein.Auch Robert Küfner und Till Wendler glauben an eine Revolution des Finanzwesens durch digitale Währungen. Und sie wollen ganz vorn mit dabei sein. In der Krypto-Hochburg Berlin haben die beiden Bitcoin-Millionäre das Start-up Advanced Blockchain AG gegründet. Die Pioniere beraten Unternehmen, wie sie die Technologie hinter den Bitcoins – die so genannte Blockchain – künftig nutzen können. Eine dezentrale Datenverarbeitung, die niemand manipulieren kann – mit dieser Idee sollen Finanzmarkt und Industrie umgekrempelt werden. Investoren und namhafte Firmen stehen bereits vor der Tür. Doch noch fehlt es den Jungunternehmern an Mitarbeitern mit dem richtigen Know-how. Auf der Suche nach Programmierern reist Till Wendler in die Ukraine. Die Jungunternehmer stehen extrem unter Druck. Wer im Markt der neuen Krypto-Technologie mitspielen will, muss schnell sein.

So erklärt die New York Times Bitcoin

Erstaunlich! Die altehrwürdige New York Times berichtet schon seit mindestens vier Jahren sehr differenziert und gut recherchiert über Bitcoin, doch erst jetzt gibt es für die Leser das obligatorische  Grundlagen-Erklärvideo.

Ob es gelungen ist, soll jeder selbst beurteilen. Ich denke aber eher nicht, dass diese zwei knappen Minuten die Zielgruppe signifikant von ihrer baffledness befreit. Dafür nehmen Aspekte wie Mining und der Anstieg der Difficulty einen zu großen Raum ein.

Auch ein kurzes Video ist besser als kein Video

Dennoch – da nur Bildung und Aufklärung die Grundlage für eine allgemeine, kritisch-fundierte Auseinandersetzung der Gesellschaft mit Bitcoin schaffen, ist auch dieses Video in Verbindung mit der Reichweite der New York Times, wenn auch nicht der ganz große Wurf,  zumindest ein weiterer kleiner Wissensbaustein.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen

Ich habe selten ein Buch gelesen, dessen Titel so exakt den Inhalt widerspiegelt wie Blockchain Grundlagen. Eine Einführung in die elementaren Konzepte in 25 Schritten von Daniel Drescher. Erst recht keines, das im Titel „irgendwas mit Blockchain™“ machte.

Denn die Erfahrung zeigt: nicht nur Projekte und Unternehmen, sondern auch Bücher, die „irgendwas mit Blockchain™“ machen – davon gib es mittlerweile eine ganze Reihe –  neigen zu einer überdurchschnittlich hohen Bullshit-Quote. Bei Blockchain Grundlagen ist das jedoch erfreulicherweise anders. Genau das macht es zum ersten „Blockchain“-Buch, das ich mit konstanter Begeisterung gelesen habe.

Blockchain Grundlagen – Schritt für Schritt die Blockchain verstehen weiterlesen

Miniserie „Bad Banks“ – Wie real ist die Fiktion?

Ab heute Abend läuft die zu Recht vielbeachtete Miniserie Bad Banks nach Arte nun auch im ZDF. Das ist gut, denn damit werden die sechs Folgen noch ein viel größeres Publikum erreichen als die beachtlichen 1,3 Millionen Zuschauer (Stand gestern morgen), die sich die Serie schon vorab online und zusätzlich auf Arte angeschaut haben.

Ich selbst habe gerade eben die erste Folge gesehen und bin wie viele andere durchaus begeistert. Das hat zum einen mit der Serie selbst zu tun, die mich von der ersten Minute an gefesselt und meine komplette Aufmerksamkeit gebunden hat.

Zum anderen aber auch mit dem Hintergrundwissen, dass ich bereits vorab hatte. Denn da die Serie auf der Berlinale vorgestellt wurde, gab es entsprechend viel mediale Berichterstattung.

Ausdauernde Recherche des Regisseurs

Eine Sache ist mir dabei besonders in Erinnerung geblieben: Der Regisseur Christian Schwochow erzählte im Radio-Interview, wie er, um glaubwürdige Figuren entstehen lassen zu können, lange und ausdauernd er in der Finanz-Szene recherchierte und dabei zunächst auf große Blockaden stieß, weil die Banken versuchten sich so gut wie möglich nach außen hin abzuschotten.

Später gelang es ihm aber durch Kontakte an Orte zu kommen, wo er niemals hätte sein dürfen. Den Menschen in den Banken, die ihn dorthin brachten, sei es jedoch enorm wichtig gewesen, dass jemand kommt und zu verstehen versucht, was sie dort eigentlich machen. Denn viele in den Banken wüssten das selbst gar nicht. Die Gespräche mit ihm, dem interessierten Regisseur, hätten daher für diese Menschen geradezu etwas Therapeutisches und noch heute würden ihn manche seiner Kontakt anrufen, um zu fragen, wann sie sich denn mal wieder träfen und redeten.

Die genaue Quelle ist leider nicht online verfügbar, in diesem  Interview hat er das aber in Teilen ebenfalls so gesagt. Es lohnt sich jedenfalls sehr, sich vor dem Anschauen von Bad Banks ein bisschen Kontext anzulesen, um zu erkennen, wie viel Realität hinter der Fiktion steckt. Diese Erkenntnis ist es nämlich, die die Serie zu einem Sollte man unbedingt gesehen haben macht.

„Blockchain-Technologie“ würde es nicht besser machen

Abschließend noch ein Gedanke oder viel mehr noch eine starke These, die mir seit besagtem Interview im Kopf herumgeht und die ich hier gerne mal zur Diskussion stellen will:

Kein einziges Projekt, das bisher unter dem Hype-Begriff „Blockchain“ veramarktet wird, ist hilfreich, eine mögliche weitere Krise zu verhindern.

Ganz im Gegenteil sogar. Viele „Blockchain“-Projekte finden es durchaus okay, wenn sie institutionalisiert werden (bspw. Ethereum) bzw. basteln Banken ja an eigenen vermeintlichen „Blockchain“-Projekten.

Ob dagegen nun Bitcoin hilfreich gegen mögliche Krisen ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwerer zu beurteilen. Im Gegensatz zu all den „Blockchain“-Projekten bin ich mir da aber zumindest immerhin noch nicht sicher.

Aber diesen Gedanken führe ich vielleicht ein anderes Mal etwas weiter aus. Bad Banks läuft jedenfalls heute Abend um 21:45 Uhr im ZDF und ist in der dortigen Mediathek noch bis zum 31. August dieses Jahres abrufbar.

Licht und Schatten des Bitcoin-Journalismus

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass sich das journalistische Niveau in Bezug auf die Berichterstattung rund um Bitcoin in den letzten Jahren merklich verbessert hat: mehr technisches Verständnis, ausführlichere Recherchen, differenziertere Schlussfolgerungen. Eigentlich.

Doch es gibt trotzdem immer wieder Ausreißer, die den Durchschnitt mit aller Macht in die Tiefe ziehen wollen. Wie zum Beispiel dieser Beitrag Bitcoin ist pure Energie – und deshalb umweltschädlich von Jörg Schieb, einem „Internetexperten“ und „Netzkenner“ (laut Selbstbeschreibung), der für den WDR arbeitet und es tatsächlich schafft, mir mit diesem Artikel die Grenzen meiner kognitiven Schmerztoleranz aufzuzeigen.

Ganz viel Schatten beim WDR

Denn es tut wirklich weh, zu lesen, wie dort noch im Jahr 2018 falsche Tatsachen (nein, Grafikkarten sind nicht wegen Bitcoin-Mining ausverkauft), absurde Behauptungen (nein, Bitcoins sind nicht Energie) und wilde Thesen auf Stammtischniveau (doch, Bitcoins haben einen anderen Zweck als die Gier zu befriedigen) zusammengewürfelt werden, um das scheinbar starre Weltbild des Autors zu bestätigen.

Leider drängt sich dadurch jedoch der Eindruck auf, dieser vermeintliche „Internetexperte“ und „Netzkenner“ hat die letzten zehn Jahre in Bezug auf das Thema Bitcoin geistig in einer Höhle verbracht. Was ja durchaus okay wäre, denn jeder darf machen, was er will und niemand muss sich mit Bitcoin auseinandersetzen. Nur darf man dann eben nicht versuchen, einen Beitrag darüber zu schreiben, der diese Kompetenzlücke so deutlich offenbart. Oder man sollte zumindest in der Lage sein, eine ganz einfache Basis-Recherche per Suchmaschine (aka „googlen“) durchzuführen.

Wer googlen kann ist klar im Vorteil

Dann findet man nämlich zum Beispiel diesen Beitrag bei Deutschlandfunk Kultur: Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller oder diesen bei Zeit Online: Bitcoin. Der verkannte Stromfresser oder diesen bei CoinCenter: Five myths about Bitcoin’s energy use, einer namhaften und renommierten Non-Profit-NGO mit Bildungs- und Aufklärungsanspruch.

Was mich aber ebenso besorgt wie der Beitrag selbst, ist, dass solch ein Unsinn im Jahr 2018 beim WDR offensichtlich problemlos alle redaktionellen Instanzen durchläuft und unredigiert(?) online geht. Gestern war halt Karneval, ne? Da kann man sich auch schon mal als „Internetexperte“ verkleiden. Dann muss das auch keiner mehr gegenlesen.

Wenn die Kommentare besser sind als der Artikel

Glücklicherweise bleibt der Beitrag jedoch nicht unkommentiert. Gleich mehrere Leser kritisieren den Beitrag und zeigen in ihren Kommentaren deutlich mehr Fachkompetenz und Recherche-Ambitionen als der Autor selbst.

wdr kommentare
Merkwürdige Einstellung des Autors. Wenn sich Fragen aufdrängen, sollte man diese als Journalist doch versuchen zu beantworten, oder?

Dieser hingegen zeigt sich nicht nur uneinsichtig, sondern spricht sich letztlich sogar selbst die journalistische Kompetenz ab.  Denn für ihn „… drängt sich die Frage auf, wozu das alles.“

Interessant. Denn warum ist er dann nicht auf der Suche nach einer Antwort auf eben diese durchaus berechtigte und interessante Frage? Genau das ist doch seine Aufgabe als Journalist. Insbesondere, wenn man der „Netzexperte“ im Haus ist. Fragen stellen kann jeder. Gute Antworten zu finden, ist die Herausforderung.

promolinks beim WDR
Krypto-Promo-Links beim WDR: Ist doch Karneval. Da muss man auch keine Kommentare moderieren. (Screenshot vom 14.02., 10:43 Uhr)

Doch dass es beim WDR mit der journalistischen Sorgfaltspflicht eben nicht so genau genommen wird, zeigt auch die allgemein fehlende Moderation der Kommentare. Dort scheint man jedenfalls problemlos Promo-Reflink-Köder zu irgendwelchen Mining-Angeboten auslegen zu können.

Wie ironisch das ist: Während man oben vollmundig die Energieverschwendung des Minings anprangert, erlaubt man unten in den Kommentaren dubiose Werbung für noch dubiosere Mining-Angebote.

Licht: Wie man guten Bitcoin-Journalismus macht

Glücklicherweise ist dieser WDR-Beitrag aber derzeit nur einer unter vielen Beiträgen, die sich mit dem Phänomen Bitcoin auseinandersetzen. Einen der besseren hat dabei wiederum Philip Banse kürzlich für Deutschlandfunk Kultur gemacht: Betrug mit Bitcoins.

Den empfehle ich nicht nur den Karnevalisten vom WDR sich mal gut anzuhören, sondern jedem. Denn der ist aktuell, relevant, gut recherchiert und ansprechend aufbereitet. Und das sage ich nicht nur, weil ich da auch kurz zu Wort komme.

Wer jedenfalls die Spannbreite der journalistischen Kompetenz beim Thema Bitcoin im Jahr 2018 erfahren will, sollte beide Beiträge nacheinander lesen bzw. hören. Das zeigt, wie weit Licht und Schatten in diesem Bereich auseinander liegen und dass es noch einiges an Aufklärungsarbeit gibt.

Bild: Hinode Observes 2011 Annular Solar Eclipse (CC BY 2.0)

Bitcoin, Strom & viele, viele Missverständnisse

In dieser Woche sind gleich zwei Beiträge erschienen, die sich kritisch mit dem Stromverbrauch von Bitcoin auseinandersetzen.

Dass kritisch in diesem Zusammenhang extra betont werden muss, ist bedauerlich, aber leider notwendig. Denn bisher wimmelt es beim Thema „Bitcoin & Strom“ im Netz ja eher von einseitigen, schlecht recherchierten und eher auf empörte Emotionen zielenden Berichten, die vielleicht für ’nen schnellen Klick gut sind, für mehr aber mehr eben auch nicht. Der allgemeine Erkenntnisgewinn ist jedenfalls bislang ungefähr dieser: „Oh nein, Bitcoin verbraucht voll viel Strom! Wir werden alle sterben!“

 

Nun ist das zugegeben aber auch echt kein ganz leichtes Thema und auch ich habe lange überlegt, wie sich die Zusammenhänge sinnvoll und verständlich beschreiben lassen. Am Ende ist es aber doch ganz gut geworden, auch wenn ich schließlich aus Platzgründen ca. 90 Prozent der Aspekte und Argumente weglassen musste, die ich zwischenzeitlich gesammelt hatte.

Zeit Online – Bitcoin. Der verkannte Stromfresser

Ja, Bitcoin benötigen sehr viel Energie. Nein, deshalb fangen die Meere nicht an zu kochen. Der Stromverbrauch ist ein Problem, aber nicht das Ende von Kryptowährungen.

Umso besser ist es daher, dass nahezu zeitgleich, aber in einem anderen Medium, der Beitrag meines guten Freundes und Journalisten-Kollegen Jochen Dreier erschienen ist.

Vorab hatten wir uns zwar über das Thema ausgetauscht und bestimmte Aspekte diskutiert, sind dann aber bei der Recherche und Umsetzung komplett eigene Wege gegangen. Dementsprechend haben beide Beiträge nun auch leicht unterschiedliche Schwerpunkte.

Deutschlandfunk Kultur – Diskussion um Bitcoin – Digitalwährung als Klimakiller 

Mit dem Höhenflug von Bitcoin hat auch eine Debatte über den Energieverbrauch der Kryptowährung eingesetzt: Bitcoin sei ein monströser Energiefresser. Der Energieverbrauch sei so hoch wie der von Dänemark. Wie seriös sind die Berechnungen und Vergleiche?

Für den größtmöglichen Erkenntnisgewinn empfehle ich daher einfach beide Beiträge zu lesen bzw. hören.

Bild: lightning (CC-BY 2.0)

Wenn Satire auf Bitcoin trifft …

… dann muss Bitcoin wohl ein gesamtgesellschaftliches Phänomen sein. Sieht jedenfalls auch Christian Ehring in Extra 3 vom vergangenen Donnerstag so.

Die Bitcoin-Recherche-Faulheit der Journalisten

Ich persönlich mag ja sehr den Seitenhieb auf die offensichtliche Recherche-Faulheit der Journalistenkollegen, die allesamt beim Thema Bitcoin einfältig in den selben Bücherladen trappeln, um dort dann ganz investigativ herauszufinden, ob und wer denn tatsächlich in Deutschland mit Bitcoin bezahlt.

Wie die folgende Karte zeigt, ist es aber halt auch wirklich schwer, sich für einen Laden entscheiden zu müssen. Da würde ich selbstverständlich auch lieber auf Nummer sicher gehen und mal dort anfragen, wo alle anderen vorher auch schon waren und ich weiß, was für Antworten ich kriege.

coinmap deutschland
Jeder Punkt steht für ein Geschäft, das Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptiert. (Quelle: coinmap.org, Stand 24.01.2018)

Bei 50 Cent hat der geistreiche Extra 3-Gag allerdings ein ziemlich schlechtes Timing erwischt. Denn wenn man diesem Bericht glauben mag, würde der sich wohl aktuell nicht in „0,0000483 Bitcoins“ umbenennen, sondern eher in „700 Bitcoins“ oder in „Goldmarie“ oder etwas Vergleichbares.

Satire weiß dafür, wie Geld entsteht

Die zugehörige Ach- und Krachgeschichte ist dafür aber noch ganz unterhaltsam geworden und bringt es kurz und knackig auf den Punkt: „Bitcoins kommen nicht aus’m Goldesel. Wie normales Geld. Bitcoins entstehen, wenn jemand superkomplizierte Bitcoin-Rechenaufgaben löst“. Stimmt!

Frische Bitcoin- & Blockchain-Lektüre

Morgen (0:00 Uhr deutscher Zeit) ist es soweit, die ersten Bitcoin Futures werden zum Handel verfügbar sein.  Wie sich das kurz- und mittelfristig auf den Bitcoin-Kurs auswirken wird, ist noch vollkommen unklar. Viele halten einen Kurseinbruch aber für nicht unwahrscheinlich. Das wiederum bedeutet jedoch nicht, dass es nicht auch genügend andere gibt, die von einem weiter steigenden Kurs ausgehen. Fakt ist jedoch: Seit Freitag geht es mit dem Kurs tendenziell bergab und aktuell liegt er laut Bitcoin Average fast 3500 US-Dollar unter den 17.000 US-Dollar vom Freitag.

Wer also schnell noch emotional auf die unmittelbar bevorstehenden Bitcoin Futures reagieren möchte – wahlweise euphorisch, besorgt oder irgendwas dazwischen – heute wäre dafür wohl noch die beste Gelegenheit.

Keep calm and educate yourself

Für alle andere habe ich hier ein paar Lesetipps rund um die Themen Bitcoin und Blockchain, die einem helfen, in diesen turbulenten Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren. Denn der beste Weg mit all dem FUD (steht für: Fear, Uncertainty and Doubt) klarzukommen, der derzeit im Netz und den Medien floriert, ist, möglichst viel zu lernen. Denn Bitcoin und die Blockchain zu verstehen ist ein Prozess, den man nicht outsourcen kann.

t3n 50 Bitcoin-Blockchain
t3n 50 – Bitcoin & Blockchain

Los geht’s mit der aktuellen Jubiläumsausgabe der t3n, die das Schwerpunktthema „Bitcoin/Blockchain“ hat, optisch passend in einem fetten BlingBling-Look daherkommt und mir gleich aus zwei Gründen sehr sympathisch ist.

Zum einen hatte ich vor Jahren schon die Idee, einen sehr ähnlichen Spruch auf T-Shirts drucken zu lassen, bin aber nie dazu gekommen und freue mich nun, dass die Idee scheinbar gut genug war, dass sie auch jemand anderes hatte. (Auch wenn das einem gewissen Sido offensichtlich nicht ganz so gut gefällt)

Zum anderen haben ich mit Bitcoin. Die Währung, die es nicht geben dürfte selbst den Artikel zu dem Magazin beisteuern dürfen.

Wer darüber hinaus noch mehr über den Inhalt des Heftes erfahren will – hier gibt es das Inhaltsverzeichnis und hier ein digitales Pageflip mit ein paar Artikeln im Auszug. Sparfüchse können auch einfach warten. Früher oder später landen alle Magazin-Texte auch auf t3n.de

Recht Innovativ 02/2017

Von diesem Fachmagazin hatte ich noch nie gehört, bis ein Probeheft neulich in meinem Briefkasten lag.

Recht Innovativ Blockchain

Ein Artikel zog dann aber direkt meine Aufmerksamkeit auf sich: Bermudadreieck Ethereum – wo Recht derzeit baden geht: Grenzen der Nutzung von Smart Contracts.

Auf immerhin 17 Seiten wird dort diskutiert, warum Smart Contract ein irreführender Begriff ist und u.a. im Hinblick auf die Aspekte Eigentum, Datenschutz, Privatsphäre und Komplexität durchaus problematisch ist.

Diese Sicht ist insofern erfrischend, weil sie sich dem breiten und oftmals unkritischen Smart Contract-Hype entgegenstellt, der ja allgemein in der fachlich nicht so versierten Öffentlichkeit vorherrscht.

Einziger Nachteil: Als Fachzeitschrift mit Schwerpunkt Recht richtet sich die Zeitschrift weniger an ein Massenpublikum als vielmehr an eine eher liquide Fach-Zielgruppe. Mit 89 Euro pro Ausgabe ist die Zeitschrift daher wohl eher etwas für die, die solche Summe aus der Portokasse bezahlen oder einen Arbeitgeber haben, der die Kosten übernimmt.

Möglicherweise kann man die Artikel ja auch bald über die zugehörige Website lesen. Bisher funktioniert die aber leider noch nicht wirklich.

„Geld“ verstehen – Mit diesen Podcasts wird’s leichter

Ich bin vor einiger Zeit auf die Podcasts von BR2 Radio Wissen gestoßen, einen unglaublich reichhaltigen Fundus an interessanten, bunten und lehrreichen Sendungen, die sich jeweils mit einem Thema oder einer Person beschäftigen und dieses in je rund 20 Minuten sehr ansprechend aufbereiten.

„Geld“ verstehen – dank BR2 Radio Wissen-Podcasts

Was mich dabei besonders begeistert: immer wieder stehen explizit Geld- und geldpolitische Themen auf dem Programm und ich habe mir daher mal die Mühe gemacht, das Archiv nach ein paar entsprechenden Sendungen zu durchforsten.

Die sind nämlich nicht nur für mich interessant und ich werde diese künftig in mein Uni-Seminar mit aufnehmen (es gibt nämlich teilweise sogar sendungsbegleitende Bildungsmaterialien), sondern generell für alle, die sich für das Thema „Geld“ interessieren. Daher empfehle ich die folgenden Podcasts explizit auch allen, die sich mit Bitcoin beschäftigen.

Lehrreich und unterhaltsam

Ich habe nämlich schon gelernt, dass John Maynard Keynes‘ Ideen zu seiner Zeit unerhört, unkonventionell und entgegen den vorherrschenden Paradigmen waren. Heute hingegen gilt er als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Ökonomen und nahezu die gesamte Weltwirtschaftspolitik orientiert sich an seinen Theorien.

Die ökonomische Idee von Bitcoin ist 2009 ebenfalls als unkonventionelle Idee und entgegen den vorherrschenden Paradigmen gestartet. Heute ist sie zwar noch immer unkonventionell und experimentell, aber schon jetzt lässt sich auch hier ein Wandel in der Wahrnehmung feststellen. Ist das womöglich der Anfang?

BR2 Radio Wissen – „Geld“-Podcasts

Hier jedenfalls die Podcasts zum Thema „Geld“, die ich herausgesucht habe. die ich herausgesucht habe. (Selber stöbern lohnt aber auch!) Die Sendungen kann man jeweils direkt anhören oder downloaden. Zu „Bitcoin“ gibt es übrigens noch nichts. Vielleicht sollte ich da mal mit der Redaktion in Kontakt treten …

Bretton Woods – Der Traum von einer stabilen Weltwährung

Sommer 1944: Während des Zweiten Weltkriegs treffen sich in einem US-amerikanischen Dorf 800 Ökonomen und Politiker aus 44 Ländern. Thema: die Weltwirtschaft nach dem Krieg. Kompromiss: Bretton Woods. (mp3)

Ausstieg aus dem Euro – Was wäre, wenn

Franc, Drachme, D-Mark – die Sehnsucht nach nationalen Währungen ist groß, vor allem in Krisenzeiten. Aber was würde passieren, wenn ein Land die Eurozone verlässt? Ökonomen warnen vor chaotischen Zuständen. (mp3)

Wenn ein Staat pleitegeht – Von Schuldenerlässen und Neuanfängen

Unruhen, Aufstände, Umstürze – wenn einem Land das Geld ausgeht, birgt das große Risiken. Eine geordnete Staatsinsolvenz könnte dem Land einen Neuanfang ermöglichen. Warum wird die Idee nicht umgesetzt? (mp3)

John Maynard Keynes – Ökonom der Krise

Er war genauso einflussreich wie auch umstritten: John Maynard Keynes. Er entwickelte Konzepte, die der Wirtschaft in starken Krisen auf die Beine helfen sollten. (mp3)

Friedrich Hayek – Wirtschaftsliberaler Nobelpreisträger

Friedrich August von Hayek gilt als Vordenker des Neoliberalismus. Seine Idee, dass Märkte am besten funktionieren, wenn Preise sich frei bilden, hatte großen Einfluss. Den Sozialismus bekämpfte er zeitlebens. (mp3)

Geld im Gehirn – Was der Mammon im Kopf anstellt

Das Gehirn kann nicht gut mit Geld umgehen, sagen Hirnforscher. Was aber passiert mit unserem Gehirn, wenn Geld ins Spiel kommt? (mp3)

Inflation – Die Geschichte eines Phänomens

Inflation ist kein Phänomen der Gegenwart. Es ist in der Geschichte schon häufig aufgetreten und das nicht nur in Deutschland. (mp3)

Die Geschichte des Geldes – Von der Muschel zur Kreditkarte

Muscheln, Vieh und Steine – all das haben Menschen schon als Zahlungsmittel genutzt. Die Geschichte des Geldes ist sehr vielseitig und hat auch viel mit Vertrauen zu tun. (mp3)

Es werde Geld – Wie aus Nichts Alles wird

Woher kommt unser Geld? Und wie bekommt es seinen Wert? Die Antworten darauf sind alles andere als beruhigend. Ganz normale Geschäftsbanken können zum Beispiel Geld quasi aus dem Nichts erschaffen. (mp3)

Währungsmonopol – Das staatliche Privileg, Geld zu drucken

Die EU hat den Euro als Zahlungsmittel festgelegt. Dieses Währungsmonopol ist ein relativ neues Phänomen. Noch bis ins späte 19. Jahrhundert gab es auf deutschem Gebiet viele rivalisierende Währungen.  (mp3)

Banken – Geldgeber oder Geldgeier?

Heute sind Banken viel mehr als Geldsammelstellen für Bürger. Sie gewähren Staaten Kredite, finanzieren Unternehmen oder handeln am Finanzmarkt. Dabei haben einige während der Finanzkrise zig Milliarden verspielt. (mp3)

Glücksfaktor Geld? – Das Wohlstandsparadox

Nie war so viel Wohlstand wie heute: Das Pro-Kopf-Einkommen der Deutschen hat sich in den letzten 50 Jahren sogar mehr als verdoppelt. Aber wie steht es mit dem Glück? Sind wir mit doppelt so viel Geld auch doppelt so glücklich?  (mp3)