Archiv der Kategorie: Medien & Kritik

Über Bitcoin nachzudenken, lohnt sich!

Am Sonntag lag ich auf der Couch und habe mir eine Stunden lang die aktuelle Folge der SRF Kultur-Sendung Sternstunde Philosophie angeschaut. Das mache ich normalerweise nicht. Ich kannte die Sendung ehrlicherweise bis dato nicht einmal. Allerdings war ich kurz zuvor auf einen Tweet von Ijoma Mangold gestoßen.

Ijoma Mangold ist Journalist, Autor und die meisten kennen ihn wohl als Kulturkorrespondenten im Die Zeit-Feuilleton. Dort hat er mit Das schlaue Gold (Paywall) Mitte letzten Jahres auch einen exzellenten und zu Recht vielbeachteten Artikel über Bitcoin geschrieben. In der Corona-Krise hat er nämlich, wie viele andere auch, angefangen, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Dabei ist er, wie all die anderen, in den Kaninchenbau gefallen. Seitdem macht er, was alle dort machen. Er schafft sich all das Wissen rauf, von dem er vorher keine Ahnung hatte und versucht Bitcoin nicht nur als ökonomisches oder technisches, sondern als Gesamtphänomen zu verstehen.

Mit diesem Hintergrund war er nun zu Gast in genannter Philosophie-Sendung zum Thema „Bitcoin – Eine neue Weltordnung?“, die aus zwei Gründen bemerkenswert ist. Zum einen, weil es endlich soweit ist, dass Bitcoin im Fernsehen nicht immer nur als „dieses kryptische Internetgeld“ oder „die erste Anwendung der eigentlich ja viel besseren bLoCkChAiN-tEcHnOlOgIe“ behandelt wird. Stattdessen geht es hier um Bitcoin als gesellschaftliche Entwicklung und damit als etwas Großes, Neues und zum großen Teil noch Unbekanntes, über das es sich, wie wir ja auch immer wieder gern im Honigdachs betonen, lohnt, nachzudenken. Kudos daher an das Schweizer Radio und Fernsehen und die Redaktion der Sendung, die das erkannt haben und den Sendeplatz dafür bieten.

Ebenfalls bemerkenswert ist aber auch, wie Ijoma Mangold abgeht. Vermutlich hätte er das Format drei Stunden lang alleine füllen können und wäre doch nicht ansatzweise fertig geworden, über alles zu sprechen, was er zu Bitcoin im Kopf hat. Man merkt hier einfach, wie einen das Thema packen und begeistern kann und dass es eben nicht nur die Internetfreaks sind, die sich mit Bitcoin beschäftigen, sondern dass auch schöngeistig-verkopfte Boomer wie er die Bedeutung von Bitcoin begreifen können. Und in der Lage sind, sie auch anderen zu vermitteln. Denn nur wenn es Philosophen gibt, die über Bitcoin nachdenken, kann es auch sinnvolle Philosophie-Sendungen zum Thema Bitcoin geben.

Wenn er so weiter macht, gehe ich davon aus, dass Ijoma Mangold ein Katalysator für das Thema Bitcoin in intellektuellen Kreisen sein wird, in denen Bitcoin bisher noch keine sonderlich große Rolle spielt. Das finde ich gut. Denn insgesamt denken noch viel zu wenige Leute über Bitcoin nach. Dabei lohnt sich das und kann – wie man an Ijoma Mangold sieht – großen Spaß machen. Auf das Bitcoin-Buch, an dem er gerade schreibt, dürfen wir uns also freuen.

„Human B“ – Die bisher beste Bitcoin-Dokumentation

Wer selbst über einen Feed mit Bitcoin-News verfügt oder bereits die aktuelle Honigdachs-Folge gehört hat, wird nicht drumherum gekommen sein. Kurz vor Weihnachten haben Aaron Mucke und Eva Mühlenbäumer ihren von der Community bereits heiß erwarteten Dokumentarfilm Human B (Die Reise in den Bitcoin-Kaninchenbau) online gestellt. Und er ist gut geworden. Sehr gut sogar.

Das sage ich nicht deswegen, weil ich einer der (Neben-)Protagonisten bin, mit denen sie gedreht habt, sondern obwohl. Mich hat es nämlich nie ins Rampenlicht gezogen und ich habe über die Jahre auch schon einige ähnlich Anfragen abgelehnt. Aaron und Eva waren aber selbst so überzeugt von ihrem Filmprojekt – das sie im übrigen komplett selbst und ohne irgendeine institutionelle Förderung auf die Beine gestellt haben – dass sie mich schlussendlich auch überzeugen konnten, mitzumachen.

In zwei Wochen bereits über 100k Views

Und ich bereue es nicht. Im Gegenteil. Seit der Film online gegangen ist, geben meine Twitter-New Follower-Notifications keine Ruhe, weil der Film bereits mehr als 100.000 Mal abgerufen wurde und dabei auf durchweg positive Resonanz stößt. Es scheint, als haben Aaron und Eva hier einen Nerv getroffen und einen Film gemacht, der vielen Bitcoinern aus dem Herzen spricht. Weil es nicht ums reich werden geht, sondern darum, warum immer mehr Menschen auf der ganzen Welt meinen, das eine Welt mit Bitcoin besser ist als eine Welt ohne.

Diese Perspektive macht den Film übrigens auch absolut geeignet für Einsteiger, die bisher keinen Zugang zu Bitcoin gefunden haben. Meine Eltern finden ihn zum Beispiel auch sehr gut und auch hier wiederum nicht (nur) wegen mir, sondern weil er zum Beispiel „… echt witzig ist mit diesem einen Typen im Froschkostüm und diesem Malen an die weiße Wand im Hintergrund. Toll!“

Auf Youtube gibt es den Film für die internationale Crowd auch mit englischen Untertiteln (aber leider wohl manchmal mit Werbung), bei Vimeo gibt es die werbefreie rein deutsche Variante.

Show some love!

Und wem der Film gefällt, der sollte den beiden Filmemachern unbedingt noch etwas in den digitalen Hut werfen. Man sieht dem Film an, dass dort sehr viel Herzblut, Arbeit und eine mittlere bis hohe fünfstellige Summe hineingeflossen ist, die die beiden privat vorausgelegt haben. Also show some love für das Engagement und schickt den beiden unbedingt noch euer Eintrittsgeld für dieses Kinoerlebnis (geht auch mit Old-School-Money). Das wäre nur fair.

„The Digital Rush“. Eine besondere Bitcoin-Dokumentation

Ich bin neulich über eine Empfehlung im Newsletter von Jimmy Song auf The Digital Rush. A Bitcoin Dokumentary gestoßen, die ich hier sehr gerne weiterempfehlen möchte.

Die Macher verfolgen nämlich nicht den Was-ist-eigentlich-dieses-Bitcoin-für-Einsteiger-Ansatz, wie man ihn ja schon zur Genüge gesehen hat, sondern haben eine durchaus erfrischende Herangehensweise.

Macher statt Vertreter

Statt mit den üblichen Verdächtigen und bunten Hunden zu sprechen, also hinreichend bekannten Investoren, Fürsprechern und Vordenkern, lassen sie in dieser Dokumentation viele von denen zu Wort kommen, die in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nicht als erstes mit Bitcoin assoziiert werden. Denen das aber durchaus zusteht, weil sie diejenigen sind, die sich seit Jahren und teils Jahrzehnten damit beschäftigen, an der Umsetzung arbeiten und das Bitcoin-Ökosystem mitprägen.

Etwas männerlastig, aber inhaltlich trotzdem top. Die Interview-Partner

Die gute halbe Stunde bietet dadurch neue interessante Einblicke unter anderem in die Entstehungsgeschichte von Bitcoin.

Aus der Film-Beschreibung:

The documentary The Digital Rush is about interviewing key figures in the bitcoin ecosystem and documenting the community and its events. A proper representation of the bitcoin proposition will be provided: cypherpunk movementtechnological choicesmonetary impact and cultural relevance, etc. It will emphasize the emergence of bitcoin as digital gold.

Aimed at a non-technical audience, the documentary will explain bitcoin using the words of its community members; their advanced (often geeky) technical comments will be properly framed between plain informative segments providing a gradual educational path.

Der Fortschritt von Bitcoin zeigt sich auch hier

Alles in allem eine sehr sehenswerte und anspruchsvolle Dokumentation auch – oder vielleicht sogar vor allem – für die, die schon ein bisschen mehr über Bitcoin wissen. Da kann man auch durchaus drüber hinweg sehen, dass bei der Musik hier und da ein bisschen Mut zu weniger ist mehr gut getan hätte.

Was darüber hinaus auf jeden Fall bemerkenswert ist und sich am eingespielten Bitcoin-erklär-Clip von vor zig Jahren zeigt: Wie professionell, reif, tiefgehend, seriös und ernstzunehmend heutige Bitcoin-erklär-Filme (und damit auch die Wahrnehmung von Bitcoin) geworden sind.

(Zwischen-)Fazit einer umfassenden Onecoin-Recherche

Wer hier schon etwas länger mitliest, weiß, dass ich großes Interesse daran habe, dass die Öffentlichkeit so gut und umfassend wie möglich über Onecoin informiert wird und die Hintergründe dieses kryptischen Multi-Level-Marketing-„Kryptowährungsprojekts“ aufgeklärt werden.

Insofern war ich vor ziemlich genau einem Jahr sehr erfreut über den vielbeachteten und zurecht gelobten BBC-Podcast The Missing Cryptoqueen, für dessen audiovisuelle Umsetzung mittlerweile sogar die Filmrechte verkauft wurden.

Heute nun ist bei BuzzFeedNews, dem Investigativrecherche-Teil des Mediennetzwerks, mit OneCoin konnte Milliarden stehlen, obwohl Banken die Behörden informiert hatten ein weiteres wichtiges Journalismus-Stück erschienen, auf das ich gerne verweisen möchte. Zum einen weil es gut geschrieben ist und viele neue Details und Hintergrundinformationen enthält. Kein Wunder. Immerhin steckt nun schon ein ganzes Jahr intensive Auseinandersetzung auf Basis von teils exklusivem Material dahinter.

Klicken, um zum Artikel bei BuzzFeedNews zu kommen.
Kontakt-Aufruf an alle, die sich geschädigt fühlen

Zum anderen ist es damit aber noch nicht getan. Denn genau wie bei The Missing Cryptoqueen bedeutet die heutige Veröffentlichung keineswegs das Ende der Recherche, sondern leitet vielmehr deren nächste Stufe ein. Ab jetzt nämlich mit Hilfe der Öffentlichkeit in Form von Informationen und Geschichten von Leuten mit direktem Onecoin-Kontakt. Denn das BuzzFeedNews-Team ruft all diejenigen auf, die sich als Onecoin-Opfer oder -Geschädigte fühlen, sich zu melden und zur weiteren Aufklärung beizutragen.

Melden kann man sich per Mail oder über ein Formular am Ende des Artikels auf BuzzfeedNews.
Nutzt diese Gelegenheit!

Da mich im Zuge meiner eigenen Auseinandersetzung mit Onecoin damals sehr viele angeschrieben hatten, auf die diese Beschreibung wohl zutrifft, möchte auch ich dazu auffordern, diese Gelegenheit wahrzunehmen.

Auch wenn BuzzFeed einst als Clickbaiting-Plattform groß wurde, ist deren deutschsprachige Investigativ-Abteilung mit namhaften und hervorragenden Journalisten besetzt, von deren bisheriger Arbeit man sich schnell und einfach im Netz überzeugen kann. Man muss also keine Angst haben, als Listicle zwischen Katzenbildern zu landen, sondern kann dazu beitragen, alles über Onecoin ans Licht zu bringen!

Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele diese Chance nutzen.

Bitcoin Big Bang – Das Drama um Mt.Gox als Doku

In der ZDF-Mediathek ist noch bis zum 3. Oktober die sehr gelungene Dokumentation Bitcoin Big Bang. 800 Millionen Dollar verschwinden zu sehen. Darin wird die Geschichte um den spektakulären Aufstieg und noch viel spektakuläreren Fall der einst größten und wichtigsten Bitcoin-Börse Mt.Gox erzählt.

Klicken, um zur Dokumentation zu kommen

Dabei spielt vor allem deren CEO Mark Karpelès eine tragende Rolle, was den originalen Titel der bereits 2018 erschienenen französischen Produktion „Bitcoin Big Bang. Die unwahrscheinlichen Heldentaten des Mark Karpelès“ eigentlich auch passender macht.

Aber sei´s drum. Mit 101 Minuten nehmen sich die beiden Filmemacher Vincent Gonon und Xavier Sayanoff sehr viel Zeit für die Geschichte, die Bitcoin Anfang 2014 nachhaltig erschütterte. Und das ist gut so. Denn auf diese Weise bekommen sehr viele interessante Gesprächspartner Raum, ihre Sicht auf die Dinge zu schildern, ohne dass man mit Informationen überfrachtet wird.

Dass Mark Karpelès dabei selbst so offen und nahbar auftritt, ist bemerkenswert und macht diese Dokumentation zu einer faszinierenden Geschichte, die man unbedingt zu Ende sehen will, wenn man sie einmal angefangen hat. Ging mir zumindest so. Hier wird ein prägnantes Stück Bitcoin-Historie spannend und unterhaltsam aufgearbeitet und zugänglich gemacht.

Podcast-Tipp – Der Wirecard-Skandal

Wer einen Blick über den Tellerrand von Bitcoin werfen will, dem empfehle ich Der Jahrhundert-Schwindel, ein Podcast-Spezial, in dem die Kollegen von finanz-szene.de (guter Newsletter übrigens) den Wirecard-Skandal noch einmal aufdröseln.

Bisher ist eine Folge erschienen, in der sie mit dem Bilanz-Spezialisten Thomas Borgwerth nicht nur über die sich in der Wirecard-Bilanz seit Jahren auftauchenden Ungereimtheiten unterhalten, sondern auch darüber, wie verbreitet Bilanzmanipulationen generell sind (sehr!), woran man sie erkennt und wie es ist, wenn man aus Gründen schon früh auf fallende Wirecard-Kurse setzt und dennoch verliert, weil der Laden einfach immer weiter macht.

Wenn man das Umfeld ein bisschen besser verstehen will, in dem Online-Payments und Finanzdienstleistungen im Netz bislang stattfinden und wie damit „Geld verdient“ wird, ist das gut investierte Hörzeit.

„Blockchain“ steht jetzt im Duden, doch das Wie wirft Fragen auf

Als ich vor gut zwei Jahren darüber schrieb, wie man den Begriff „Blockchain“ grammatikalisch richtig verwendet, musste ich meine Argumentation noch selbst herleiten. Der Duden, die große Bibel der deutschen Rechtschreibung, kannte den Begriff nicht.

duden blockchain
Anfang Juni 2018 war der Begriff „Blockchain“ beim Duden noch nicht zu finden.
„Blockchain“ ist jetzt im Duden zu finden

Das hat sich nun geändert. Mit der heute veröffentlichten 28., umfassend bearbeiteten und erweiterten Auflage vom „Duden – Die deutsche Rechtschreibung“ ist „Blockchain, die“ quasi offiziell Teil des deutschen Sprachschatzes.

Seit heute Teil des Dudens: „Blockchain, die“

Das ist einerseits nur logisch und konsequent. Auch „Bitcoin“ steht ja schon seit Jahren im Duden. Zum einen als „über das Internet funktionierendes Zahlungssystem“ und als „Einheit des Zahlungssystems Bitcoin“.

Wem gehören „Bitcoin“ und „Blockchain“?

Merkwürdig ist jedoch, dass beide Einträge, der zu „Bitcoin“ (dem Zahlungssystem) neuerdings und der zu „Blockchain“ mit ® für „registered“, gekennzeichnet sind, ohne dass irgendwo eine Erklärung dafür zu finden ist. Auch die sehr freundliche und hilfsbereite Pressestelle beim Duden konnte mir das nicht anders erklären als: „Da muss wohl irgendwo etwas eingetragen sein und das wurde für den Eintrag dann übernommen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein.“

Ich finde diese Herangehensweise dennoch irritierend. Es entsteht der Eindruck, dass man sich nicht wirklich mit dem beschäftigt, über das man schreibt. Denn klar gibt es zumindest für „Blockchain“ ein gleichnamiges Unternehmen (und hunderte weitere, die bei denen das Wort ebenfalls Teil des Namens ist). Aber angesichts von mehr als 150 Millionen Google-Einträgen zu dem Begriff „Blockchain“, von denen die meisten wohl eher nichts mit den vermeintlichen Namensrechten einzelner zu tun haben dürften, erscheint das verwunderlich. Zumal das ® nur in der digitalen Duden-Datenbank, nicht aber in der gedruckten Variante zu finden ist.

Scan aus dem heute erschienenen gedruckten Duden. Mit Dank an die Pressestelle!

Noch befremdlicher finde ich aber, dass online neuerdings auch „Bitcoin“ den ®-Verweis bekommen hat, den es zuvor lange nicht hatte. Klar gibt es einen Marken- und Patentkampf um den Begriff und wenn der Duden da auf Nummer sicher gehen will, ist das nachvollziehbar. Inhaltlich ist es jedoch trotzdem falsch. Bitcoin gehört niemandem. Im Gegenteil. Bitcoin ist quasi der Inbegriff von einem Open-Source-Projekt, dessen herausragendes Alleinstellungsmerkmal ja gerade ist, das es keinem einzelnen gehört. Das ist, was Bitcoin im Kern ausmacht.

Das Blockchain-Meme

Ebenfalls unglücklich finde ich den Eintrag, dass „Blockchain“ auch ohne Artikel verwendet werden könne. Natürlich ist Sprache lebendig und wenn man methodisch auswertet, wie die Leute nun einmal aktuell reden und schreiben, dann muss man anerkennen, dass „Blockchain“ (ohne Artikel) tatsächlich ein gebräuchlicher Teil unserer Sprache geworden zu sein scheint.

Was dem Duden hier jedoch entgeht, ist der Bedeutungsunterschied zwischen „Blockchain, die“ und einfach nur „Blockchain“. Ersteres ist nämlich tatsächlich eine „dezentrale Datenbankstruktur, die eine kryptografische Verkettung der Datensätze aufweist (z. B. als Basis digitaler Währungen)„, wohingegen zweites vor allem ein mächtiges Wort ist. Ein Platzhalter, der eine vage Vorstellung einer technischen Lösung transportiert, die es in den meisten Fällen so jedoch noch gar nicht gibt. Ein abstrakter Begriff, der hilft eine argumentative Leerstelle zu überbrücken, indem er den Rezipienten dazu anregt, diese durch eigene Interpretationen, Phantasie und (Wunsch-)Vorstellungen auszufüllen. Oder wie es die Universität Cambridge mal in einer Studie bezeichnete: ein Meme.

Statt also auch der „Blockchain-Technologie“ noch einen eigenen (Online-)Eintrag ohne inhaltlichen Mehrwert zu widmen, wäre es also hilfreicher gewesen, ebenso wie man „Bitcoin“ zwei Einträge gewidmet hat, auch „Blockchain“ zweimal zu erklären. Einmal mit einer konkreten Beschreibung (mit Artikel) und einmal als abstraktes Konstrukt (ohne Artikel).

Sprache ist im Wandel, Duden-Einträge glücklicherweise auch

Doch glücklicherweise sind die Einträge im Duden ja nicht in Stein gemeißelt und werden regelmäßig überarbeitet. Es besteht also die Hoffnung, dass „Blockchain-Technologie“ (ebenso wie gerade der „Hackenporsche“) auch wieder rausfliegt, dass das ® bei „Bitcoin“ und „Blockchain“ r verschwindet und dass das abstrakte artikellose Blockchain-Meme im Sinne einer besseren Aufklärung einen eigenen Eintrag bekommt.

Hard Money – Der filmgewordene Bitcoin Standard

Ich habe mir gestern die halbstündige Dokumentation Hard Money von Richard James angeschaut und finde sie – wenn man sie mit genügend kritischer Distanz ansieht – durchaus empfehlenswert. Sie ist zwar nicht objektiv, sondern verfolgt eine klare Agenda. Die inhaltliche Stoßrichtung („Bitcoin will fix that!“) ist letztlich aber so offensichtlich, dass das nicht problematisch ist.

Dafür behandelt sie jedoch ein Thema, das so plakativ und in dieser Ausführlichkeit bisher noch nirgends thematisiert wurde: Die Abschaffung des Goldstandards in den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts und die daraus resultierenden Folgen für das globale Geld- und Finanzsystem.

Wenn der Bitcoin Standard ein Film wäre …

Wen das nun irgendwie an das Buch Der Bitcoin Standard erinnert, der liegt richtig. Erklärungen von dessen Autor Saifedean Ammous sind einer der narrativen Hauptbestandteile dieses Films und das er dabei ungefiltert auch seine oft und zurecht kritisierte Theorie über zeitgenössische Kunst noch einmal ausbreiten darf, wohl auch der größte Kritikpunkt.

Dafür glänzt der Film wiederum mit einer beeindruckenden Auswahl an Bildmaterial, das sich von Snippets alter gezeichneter Propagandafilmchen bis zu gut ausgewählten Mitschnitten der jüngeren Geschichte erstreckt und an dem sich der Aufwand ablesen lässt, mit dem diese Dokumentation erstellt wurde.

Alles in allem ist es zwar nicht der eine Film, den man unbedingt zum Thema Geld gesehen haben muss, aber ich halte ihn für eine wertvolle Ergänzung und eine bereichernde Perspektive, wenn man tiefer in die Materie einsteigen will und die geistige Comfort Zone der „offiziellen“ This is fine-Denkschule über unser Finanzsystem mal verlassen will.

Cypherpunk Women – Bitcoin aus weiblicher Perspektive

Die Publizistin Leigh Cuen hat die digitale Anthologie Cypherpunk Women veröffentlicht, das „erste Open Source Buch von Frauen über Kryptowährung und Cypherpunk Pioniere“. Darin enthalten sind 40 Interviews, Statements, Gedichte und andere Texte rund um Technologie, Privatsphäre und sozialen Wandel von Entwicklerinnen, Unternehmerinnen und Vordenkerinnen aus der Bitcoin-Community aus ihrer jeweiligen Perspektive.

Klicken um direkt zum Buch zu kommen.

Den Inhalt zu kommentieren steht mir in diesem Kontext nicht zu. Aber angesichts der insgesamt ja sehr männerdominierten Bitcoin-Szene halte ich diese Textsammlung für etwas, das tatsächlich gefehlt hat und hoffe, dass wir in Zukunft noch mehr Vielfalt in der individuellen Wahrnehmung und kollektiven Ausgestaltung von Bitcoin erleben.

Curecoin – Ein skurril-erfolgreiches Altcoin-Experiment

In der aktuellen Honigdachs-Folge hatte ich schon kurz von meinen Recherchen und Erfahrungen mit Curecoin erzählt, einem sehr eigenen Altcoin, dessen einzige Aufgabe es ist, die Motivation zu erhöhen, dem Folding@home-Projekt mehr Rechenleistung zur Verfügung zu stellen. Diese wird dort zur Simulation des Faltens von Proteinen verwendet, um Therapien gegen Krankheiten, wie bspw. ganz aktuell Covid-19, zu entwickeln.

Eigentlich eine ganz schöne und vor allem skurille Geschichte. Denn obwohl der Curecoin in seiner Erscheinung als „Kryptowährung“ technisch und konzeptionell eher als Spielerei zu bezeichnen ist, die einem echten Bitcoiner kaum mehr als ein müdes Lächeln abringen wird, ist das Projekt auf seine eigene Art dennoch eine beeindruckende Erfolgsgeschichte.

Wenn Bitcoin und Co im Radio, dann Breitband

Und genau die durfte ich jetzt doch auch noch einmal richtig schön fürs Radio aufbereiten. Natürlich für Breitband im Deutschlandfunk Kultur. Die einzige Sendung, die sich immer wieder traut, den schönen, skurrilen und einzigartigen Geschichten aus dem (erweiterten) Bitcoin-Kosmos einen reichweitenstarken Sendeplatz zu geben und die man dafür einfach lieb haben muss.

Läuft gleich im Radio. Anschließend nachhören oder jetzt schon lesen kann man den Beitrag hier.

PS: Ermöglicht durch euren Rundfunkbeitrag.