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Auf der Suche nach dem Blockchain-Konsens

Die große Frage der Blocksize-Debatte ist, wie mit dem begrenzten Platz in der Bitcoin-Blockchain umzugehen ist, wenn Bitcoin weiterhin wachsen können soll?

Wie soll überhaupt entschieden werden?

Was das Beantworten dieser Frage so kompliziert macht, ist nicht nur die reine Abwägung technischer Alternativen, sondern auch die Meta-Frage, mit welcher Methodik die wachsende, dezentrale Bitcoin-Community in solchen Fällen eigentlich grundsätzliche zu einem mehrheitsfähigen Konsens kommen soll? Also nicht auf technischer Ebene. Das hat Satoshi Nakamoto mit der Blockchain bereits auf bemerkenswerte Weise gelöst. Viemehr geht es um den zwischenmenschlichen Konsens. Mike Hearns Abgang zeigte erst kürzlich, wie schwer das sein kann.

Satoshi Nakamotos Konsens ist eine technische Lösung

Klar, ganz pragmatisch gesehen kann eine unkontrollierte hard fork in solch einem Streitfall ganz pragmatisch Tatsachen schaffen (Satoshi Nakamoto hat da clevererweise vorgesorgt). Man spaltet einfach die Blockchain, verändert ein paar Parameter und schaut, was passiert.

Allerdings kann diese Option nur die Ultima Ratio sein bzw. das um jeden Preis zu vermeidenden Worst Case-Szenario. Immerhin ist es unmöglich das potentielle Ausmaß der mit einer unkontrollierten hard fork verbundenen Kollateralschäden für das gesamte Bitcoin-Ökosystem absehen. Da müsste man dann einfach durch. Auf die ganz harte Tour.

Kontrollierte hard fork nur mit zuvor gesicherter Mehrheit

Besser wäre es also für alle Beteiligten noch vor einer hard fork zu einem mehrheitsfähigen Ergebnis zu kommen. Das wiederum ist in einer dezentralen Open Source-Community gar nicht so einfach. Dennoch gibt es auch hier Fortschritte.

Zum einen, wenn versucht wird, nicht mehr so früh wie möglich in aller Öffentlichkeit Konsens herzustellen (das hat man lange Zeit erfolglos probiert und daraus gelernt), sondern wie im Fall von Bitcoin Classic, zunächst eine relevante Anzahl relevanter Unterstützer zu finden und erst dann in eine größere Öffentlichkeit zu gehen.

Zum anderen, wenn Tools wie bitcoin.consider.it eingesetzt werden, um zunächst organisiert Meinungen und Stimmungen in der gesammten Community zu sammeln. Darauf aufbauend können dann wiederum konkrete Vorschläge neu erarbeitet, geändert oder auch kombiniert werden, die dann idealerweise konsensfähig wären. Oder zumindest die Vielzahl von Vorschlägen auf die mit den besten Aussichten reduzieren.

Konsens und Meta-Konsens – der Weg ist noch lang

Noch hat bitcoin.consider.it zwar keine Nutzerzahlen, die (halbwegs) repräsentative Ergebnis liefern. Dennoch ist es aber ein gutes Zeichen, dass die Community zeigt, dass sie nicht nur technisch, sondern auch zwischenmenschlich einen tragbaren Konsens finden will. Das macht Mut, darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg noch lang ist. Bis die Bitcoin-Community einen finalen Konsens darüber findet, auf welchem Weg sie in Grundsatzfragen künftig einen Konsens finden will, wird es also noch dauern.

Bonus-Material

Sehr interessant zu dem Thema ist übrigens auch das Interview mit dem Bitcoin Core-Entwickler Jonas Schnelli drüben beim Bitcoinblog.

Abschied eines bockigen Kindes von Bitcoin

Was es genau war, das Mike Hearn dazu veranlasst hat, diesen Beitrag zu schreiben, in dem er nicht nur seinen Rückzug als Entwickler bekannt gibt, sondern auch gleich Bitcoin als Ganzes für gescheitert erklärt, weiß wohl nur er selbst. Ändert aber nichts daran, dass sich der jetzige Ex-Bitcoin- und künftige  Bankenkonsortiums-„Blockchain“-Entwickler mit dieser bewussten Provokation als Drama-Queen und schlechter Verlierer präsentiert.

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Mike Hearns letzter großer Auftritt wirkt

Und dennoch hat er wohl erreicht, was er wollte. Mit seiner bewussten Provokation war Mike Hearn noch einmal ein großes Gesprächsthema, hat die Medienöffentlichkeit erfolgreich an der Nase herumgeführt und damit auch den Bitcoin-Kurs auf rasante Talfahrt geschickt. Okay, dafür war u.a. auch die bereits erwartete (vgl. Bitcoin-Presseschau #82), nun offizielle Pleite der Altcoinbörse Cryptsy verantwortlich. Aber dem Ego von Mike Hearn wird das egal sein. Er erklärt Bitcoin für tot und die Medien übernehmen das vielfach ohne kritische Einordnung.

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Dabei ist Bitcoin schon 88 Mal zuvor für tot erklärt worden und trotzdem immer noch da. Aber der Reihe nach.

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Bitcoin-Presseschau #82

Die Bitcoin-Presseschau fasst derzeit in etwas größeren Abständen die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 23. Dezember 2015 bis 10. Januar 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: stabil / Bitcoin beste Währung 2015
  • #Grundlagen: Wie die Blockchain Hierarchien dezentralisiert / Selbstregulierung im Darknet
  • #Business: Bitcoin ist gekommen um zu bleiben / Nasdaq testet erfolgreich Blockchain-Settlement / Probleme mit Cryptsy
  • #Technologie: der „Bitcoin-Computer“ im Einsatz / Auf der Suche nach dem Blockchain-Standard (für Banken)
  • #Blocksize: Andreas Schildbach ist für größere Blöcke
  • #Wissenschaft: Bei Nachfrage Stanford Bitcoin MOOC / Die 10 besten Bitcoin-Paper 2015 / Britische Elite Uni eröffnet Kryptowährung-Center
  • #International: Der westliche Mythos über Bitcoin in Kenia / Kasachstan überholt Deutschland hinsichtlich Bitcoin-Automaten / Bitcoin in Südamerika
  • #Boulevard: Bitcoin im Inselparadies / Kryptowährungs-Phänomen Bitwalking / Blockchain-Small Talk-Tipps für Fettnäpfchen-Liebhaber / Armin und die SZ (Schülerzeitung)

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Bitcoin-Presseschau #81

Die Bitcoin-Presseschau fasst derzeit in etwas größeren Abständen die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 8. bis 22. Dezember 2015 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: Es geht weiter aufwärts
  • #Thema: Satoshi Nakamoto bleibt Satoshi Nakamoto
  • #Blocksize: Neuer Ansatz begeistert Entwickler / Lösungsvorschlag liegt auf dem Tisch / Warum alle pragmatisch und realistisch sein sollten
  • #Grundlagen: Tolles Portrait über Vitalik Buterin und Ethereum / Banken und die Gluten-Blockchain / Blockchains, die neuen Webseiten / Warum Blockchains auch privat ziemlich gute Datenbank sind
  • #Legales: Grünes Licht für Blockchain-Aktien
  • #Technologie: Mehr Blockchains auf Microsoft-Servern / Pläne des R3-Blockchain-Banken-Konsortiums / Weiteres Multi-Branchen-Blockchain-Konsortium am Start
  • #Business: Banken und Bitcoin-Patente / Das Bitcoin-Ökosystem wächst
  • #Wissenschaft: Deadline für Ledger Journal-Einreichungen / Gefahren und Potential virtueller Währungen
  • #International: Bitcoin Foundation noch weiter in der Krise / Armenische Zentralbank warnt vor Bitcoin / Kenianische Zentralbank auch
  • #Glaskugel: Bitcoin und Blockchain in 2016, hop oder top?

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Bitcoin-Presseschau #77

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für die Woche vom 7. bis 13. September 2015 mit folgenden Themen:

  • Neues vom Kurs
  • Neues von der Blocksize-Debatte
  • Die F.A.S. bringt einen hervorragenden Bitcoin-Artikel
  • Android Pay startet in den USA
  • Mt.Gox-Chef Karpeles offiziell angeklagt
  • Stress im Netzwerk durch Gier der Community
  • Nick Szabo über (noch) beschränkte Banken
  • Erfahrungsbericht: Bitcoin ist ein riesiges Thema
  • Mit Proof-of-Existence gegen Uni-Betrüger
  • USA & UK sind die globalen FinTech-Zentren

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Die Blocksize-Debatte für Einsteiger erklärt

Für t3n.de (die sich derzeit mit einer Vielzahl von Bitcoin-Artikeln positiv von der Medienkonkurrenz abheben) habe ich neulich noch einmal einen ausführlichen und einsteigerfreundlichen Artikel über die Kampfabstimmung zwischen Bitcoin Core und Bitcoin XT geschrieben, wie es überhaupt dazu gekommen ist und was in den kommenden Monaten noch zu erwarten ist. Der Artikel „Bitcoin XT vs. Bitcoin Core – Kampfabstimmung um die Zukunft der digitalen Währung“ ist nun seit gestern online.

Bitcoin entwickelt sich rasant

Wer sich beim Lesen ein bisschen wundert, dass Zeit- und Kursbezüge nicht mehr brandaktuell sind und BIP 100 gar nicht auftaucht – ich hab den Artikel schon vor anderthalb Wochen abgegeben und redaktionsbedingt hat es dann bis zur Veröffentlichung noch ein bisschen gedauert. Aber der Artikel sollte ja auch einstiegsfreundlich für interessierte Laien geschrieben sein. Wer lieber immer up-to-date ist, dem empfehle ich die sonntägliche Presseschau oder, noch bequemer, den Bitcoin-Newsletter. Dann verpasst man wirklich nichts.

PS: Wer semantische oder syntaktische Fehler in dem Artikel findet – auch wenn mein Name unter dem Artikel steht, habe ich keinen Zugriff und kann (leider) nichts editieren.

Bild: „two women boxing“ von Powerhouse Museum (keine bekannten Urheberrechtsbeschränkungen)

Die Blocksize-Debatte analysiert

Zum Wochenende gibt es eine Lektüreempfehlung zum Thema Blocksize-Debatte. Warum die wichtig ist, hatte ich hier schon einmal zusammengefasst, jetzt hat Tuur Demeester eine ausführliche und fundierte Analyse dazu vorgelegt. Wer sich kompakt und kompetent über den aktuellen Stand der Diskussion informieren will, der sollte die lesen. Es lohnt sich.

Die Wichtigkeit der Blocksize-Debatte

Wie wichtig eine Diskussion ist, erkennt man unter anderem hieran: Wenn eine Seite nämlich schon anfängt ein aufwändiges Erklärvideo zur Stärkung des eigenen Standpunktes zu produzieren, dann ist das ein ziemlich gutes Indiz für die besondere Relevanz des Themas.

Konkret geht es noch immer um die Blocksize, die Größe der Blöcke in der Bitcoin-Blockchain. Denn was auf den ersten Blick wie ein rein technisches Detail anmutet, ist in Wahrheit eine weitreichende Entscheidung. Das ist zumindest der Eindruck, der nach außen hin entsteht und den die Intensität vermittelt, mit der über die Blocksize debattiert wird.

blocksize panic
Relevant oder nicht? Die Blocksize-Debatte ist in jedem Fall das bestimmende Thema in der Bitcoin-Community.
Links und Artikel zur Blocksize-Debatte

Für einen besseren Überblick über die Debatte, die verschiedenen Standpunkte und mögliche Konsequenzen hier eine aktuelle Link- und Artikelsammlung.

+ Why the blocksize limit keeps Bitcoin free and decentralized – Keep Bitcoin Free!

Beginnen wir mit dem versprochenen Video. Das nämlich illustriert im ersten Drittel noch einmal kurz und knapp, was überhaupt das Problem mit der Blockgröße ist, um das so leidenschaftlich gestritten wird. Nach dieser Erklärung beziehen die (anonymen?) Macher  jedoch recht eindeutig Stellung gegen eine Vergrößerung der Blöcke, weil das die Freiheit, Unabhängigkeit und Dezentralität von Bitcoin gefährde. Ihre Lösung um die Verstopfung der Blockchain zu verhindern sind Off-Chain-Transaktionen, also separate „Bitcoin-Kassenbücher“, die nicht jede einzelne Transaktion direkt in die Bitcoin-Blockchain weiterleiten, sondern nur das Ergebnis einer Vielzahl von internen Buchungen. Der Microtipping-Dienst Changetip und der Zahlungsdienstleister Coinbase, nutzen bspw. dieses Prinzip schon jetzt. Allerdings gab es auch schon Beschwerden, dass Changetip dadurch als zentrale Institution die Zahlungen von Nutzern manipulieren und zensieren könne. Off-Chain-Transaktionen könnten daher genau dazu führen, wovor dieses Video warnt: dem Verlust der Freiheit und Unabhängigkeit.

+ Sidechains And Lightning, The New New Bitcoin – Techcrunch

Passend zum Thema Off-Chain-Transaktionen erläutert Jon Evans die in der Community mit großem Interesse verfolgten Blockchain-Verbesserungs-Vorschläge von Sidechains und dem Lightning-Network, die eine flexible und elegante Skalierbarkeit des Bitcoin-Zahlungsnetzwerks auch ohne schwerwiegende Eingriffe wie in der bisher diskutierten Variante versprechen. Diese bisher nur theoretisch diskutierten Vorschläge nehmen spannenderweise nämlich langsam Gestalt an. Denn zumindest Blockstream hat kürzlich mit den Sidechain Elements die Alpha-Version ihrer Open-Source-Sidechain-Software vorgelegt.

+ Was passiert bei einem Hard Fork? – Bitcoinblog

Einen etwas anderen Fokus hat Carsten Otto. Er beschreibt im Rahmen der derzeit gegebenen technischen Rahmenbedingungen die möglichen Szenarien und Konsequenzen, in der die Diskussion um die Blocksize enden könnte. Auch für wenig Technikversierte ist das ein guter Text zum Verständnis der Problematik der Blocksize-Debatte.

+ 7 Bitcoin Leaders Speak Up On The Bitcoin Block Size Limit Debate – Coingecko

Kyle Torpey fasst sehr übersichtlich die kontroversen Standpunkte von sieben prominenten und einflussreichen Bitcoinern zusammen und stellt sie gegenüber.

+ Arguments in the Bitcoin Block Size Debate – Zapchain

Passend dazu listet und sortiert David R. Sterry nur die Pro- und Contra-Argumente der Debatte und lässt dabei Personen außen vor. Für einen möglichst neutralen Standpunkt ist dieser Beitrag unbedingt zu empfehlen.

+ 8 Problems for the Bitcoin Community to Solve Before Block Size – Medium

Abschließend versucht Jeremy Rubin noch die Blocksize-Debatte von ihrer Bedeutung her im Bitcoin-Gesamtkontext zu verorten. Einige seiner acht dabei vorgebrachten, wichtigeren Probleme (u.a. Usability of Crypto & Mining Decentralisation) sind tatsächlich auch sehr relevant und sollten nicht vernachlässigt werden, auch wenn sie derzeit nicht so sehr im Rampenlicht stehen.