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Mining – Oder Chinas Macht über Bitcoin

Mehr oder weniger zufällig bin ich neulich auf Planet Money – The Economy Explained gestoßen, einen Podcast des US-amerikanischen National Public Radio (NPR), der in hörerfreundlichen Häppchen à 15 bis 20 Minuten verschiedenste Geschichten aus dem thematischen Gesamtkosmos „Wirtschaft“ erzählt.

Und wie es der Zufall wollte, war Folge 708 „Bitcoin Divided“ gleich ein Thema, das ich gerne hier aufgreife, denn es geht um Bitcoin, China, die Blocksize-Debatte und warum Bitcoin als Projekt vor großen Herausforderungen steht.

New York Times Journalist und O-Töne aus der ganzen Welt

Dass das Thema nicht auseinanderfliegt, dafür sorgt auch der Gast Nathaniel Popper. Seines Zeichens Journalist bei der New York Times und Autor eines der bisher besten Bücher über Bitcoin. Der hat nämlich über Bitcoin in China recherchiert und über die Bedeutung des Landes für das digitale Geld anschließend nicht nur einen sehr aufschlussreichen Artikel in der Times geschrieben: „How China Took Center Stage in Bitcoin’s Civil War“ und eine Bilderstrecke erstellt, sondern auch eine Menge O-Töne mitgebracht.

Wer diesen Podcast hört und den Artikel liest, kann in kurzer Zeit sehr viel darüber lernen, warum Bitcoin und China (zumindest derzeit) untrennbar miteinander verbunden sind.

Chinesische Bitcoin-Mine als ödes Kunstobjekt

Ich möchte nicht von mir behaupten ein Kunstexperte zu sein. Allerdings muss mir auch nicht alles gefallen, was unter dem Label „Kunst“ veröffentlicht wird und ich nehme mir das Recht heraus Künstler für ihre Arbeit zu kritisieren, wenn ich das begründen kann. So wie im Fall von Yuri Pattisons „the ideal (v. 0.1)“.

Darin geht es um eine chinesische Bitcoin-Mine im Aufbau und um ganz viel Videomaterial, das scheinbar lust- oder/und konzeptlos zu folgendem Film montiert wurde:

(Zum Skippen der „Meine-Videos-muss-man-von-Anfang-bis-Ende-ansehen“-Künstlerattitüde den Film am besten direkt auf Vimeo schauen)

Ich finde diesen Film insofern enttäuschend, als dass es richtig gute, teilweise einmalige Aufnahmen darin gibt, anhand derer sich wunderbar eine große oder mehrere kleine Geschichten erzählen ließen.

Schönes Setting für zu wenig Inhalt

So wie das Material jedoch aufbereitet ist, wird diese Möglichkeiten grundlos verschenkt, denn sich diesen Film so länger als vier Minuten anzuschauen, nervt. Da hilft auch das ästhetische Gesamtsetting der physischen Ausstellung eines partiell rekonstruierten und mit natürlichen Materialien verfremdeten Mining-Rigs nicht. Zumal auch die Selbstbeschreibung der Arbeit sehr abstrakt bleibt und kaum verrät, warum überhaupt das Ganze.

Möglicherweise bin ich auch nur ein Banause, aber ich mag einfach es nicht, wenn erkennbares Potential so ignorant nicht ausgeschöpft wird. Anstatt einfach nur Rohmaterial aneinanderzureihen hätte es bei diesem Projekt noch reichlich Luft nach oben gegeben.

Bitcoin-Presseschau #74

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für die Woche vom 17. bis 23. August 2015 mit folgenden Themen:

  • Die BitcoinXT-Situation: Ein Erklärversuch
  • Neues vom Kurs
  • Weitere besorgniserregende CoinTelegraph-Interna
  • Mehr Bitcoins für Griechenland
  • Banken und die Blockchain
  • Fidor: Digitale Inkompetenz der Politiker als Standortnachteil
  • Die Bank of England findet Bitcoin spannend
  • Bitcoin in China: so ist der Status Quo
  • Neues von der Bitcoin-Weltreise

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Bitcoin-Mining auf chinesisch

Ihr habt es bemerkt. In der letzten Woche war es ungewöhnlich ruhig hier auf der Seite. Das lag an meinem Hauptjob und einem sehr intensiven Jahresstart mit mehreren heißen Projektphasen gleichzeitig, sodass ich hier im Blog etwas kürzer treten musste und „nur“ das Kernprogramm aus Presseschau und Podcast machen konnte.

Jetzt habe ich aber wieder ein bisschen Luft udn Freizeit und einen Haufen Links und Material, das aufgearbeitet werden will. Deswegen fange ich mit diesem Motherboard-Video an, das letzte Woche durchs Netz gereicht wurde und einen kleinen Einblick in die chinesische Mining-Industrie eröffnet.

Bitcoin-Mining-Level: Chinesisch!

Ich lasse das mal unkommentiert, weil ich über genau dieses Mine und die extremen Lärm-Hitze-Arbeitsbedingungen bereits im August letzten Jahres geschrieben habe. Auf ein Detail will ich aber hinweisen. In der Region mag sie zwar die größte Bitcoin-Mine sein. Im Vergleich zu dieser chinesischen Mega-Mine wirkt sie dann aber doch eher bescheiden.

Nichtsdestotrotz. Absolut sehenswert!

„Traue keiner englischen Quelle.“

Bei den Kollegen vom BitcoinBlog ist ein sehr aufschlussreicher Artikel von Zhang Weiwu erschienen, einem chinesischen IT-Unternehmer, der sich mit Bitcoin beschäftigt, und der die chinesische Sicht der Welt vor dem Hintergrund der immer wiederkehrenden Regulierungsgerüchte/Kursschwankungen von innen heraus beschreibt.

Das Lesen lohnt sich nicht nur wegen des kulturell-philosophischen Insiderwissens, sondern weil man ja eigentlich weiß, dass der westliche Kulturkreis nicht der ultimative Nabel der Welt ist, die gern genutzten Scheuklappen, die diese unbequeme Wahrheit ausblenden, diesen Standpunkt aber immer wieder provozieren.

Kritik habe ich einzig am Medium BitcoinBlog. Der Artikel ist zweifelsohne eine Perle im Heuhaufen der mittlerweile stark Copy and paste-lastigen deutschsprachigen News-Alert-Bitcoin-Blogszene, aber das BitcoinBlog ist das Firmenblog der Bitcoin Germany AG, einem Unternehmen, das gutes Geld mit dem An- und Verkauf von Bitcoin verdient. Es wirkt daher irritierend-befremdlich, wenn mitten im Artikel und bei vielen anderen Gelegenheiten im Blog auf so anbiedernde Art um Bitcoin-„Spenden“ geworben wird. Das gibt dem Ganzen einen faden Beigeschmack. Entweder macht man als Unternehmen einen Blog oder nicht. So ein Zwischending auf Spendenbasis ist unseriös.

„Ohne Vertrauen kann Bitcoin nicht bestehen“

Bobby Lee ist der Chef der größten chinesischen Bitcoin-Börse BTC China, die im Dezember vergangenen Jahres daran beteiligt war den Bitcoin-Kurs nach seinem Höhenflug auf über 1000 US-Dollar wieder auf Talfahrt zu schicken und seinen Wert zu halbieren. Grund dafür waren damals Stellungnahmen offizieller chinesischer Institutionen, wie bspw. der chinesischen Zentralbank, die vor dem Handel mit Bitcoin warnten. Den Handel damals auszusetzen bezeichnet Bobby Lee heute als Maßnahme um die offiziellen Formulierungen zunächst genau analysieren zu können. Denn wichtiger als das was dort ganz konkret schwarz auf weiß stehe, sei in China das, was dort nicht explizit stehe. Mittlerweile hat BTC China zwischen den Zeilen gefunden wonach sie gesucht haben – kein unumgängliches Verbot – und den Handel mit Bitcoins wieder aufgenommen. Auf der Inside Bitcoins-Konferenz vergangene Woche in Berlin habe ich Bobby Lee mal ganz allgemein zu seiner Sicht auf das Thema Bitcoin befragt.

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