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Bitcoin zwischen den netzpolitischen Zeilen

Ende letzten Jahres lag bei mir Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik im Briefkasten, ein umfassendes netzpolitisches Kompendium der iRights-Macher.

Jahresrückblick Netzpolitik

Zunächst war ich skeptisch, warum gerade ich mit einer Ausgabe bemustert wurde. Vor allem da das Thema Bitcoin/Blockchain auf den fast 300 Seiten gar nicht auftaucht. (Obwohl es in jedem der vier Themenschwerpunkte Politik, Wirtschaft, Alltag und Kultur durchaus passende Anknüpfungspunkte dafür gäbe.)

Bitcoin zwischen den Zeilen

Dann aber begann ich zu lesen und merkte, dass es das gar nicht braucht. Denn Das Netz muss Bitcoin nicht explizit erwähnen, um dem (vorgebildeten) Leser dennoch verständlich zu machen, warum Bitcoin eine so wichtige und zukunftsweisende Entwicklung ist. Und dass Bitcoin eben nicht nur ein wirtschaftliches, sondern ein vielschichtiges netzpolitisches Thema ist. Zugegeben, dafür wären ein bis zwei Bitcoin-Grundlagen-Artikel zwar durchaus hilfreich gewesen und es gab 2015 ja auch genügend konkrete Beispiele und Ereignisse, an denen man diese hätte aufhängen können, aber das ist aus zwei Gründen verzeihlich.

Zum einen bietet Das Netz durch die gründliche Zusammenfassung des Status Quo im Großthemenbereich „Netzpolitik“ das Hintergrundwissen, das hilft zu verstehen, was das für eine Zeit ist, in der wir gerade leben. Und darauf aufbauend warum es so viele gesellschaftliche Bereiche gibt, in denen die Idee „Bitcoin“ auf fruchtbaren Boden fällt. Zum anderen wird in der fünften Ausgabe Ende 2016 das Thema Bitcoin/Blockchain auch explizit nicht mehr fehlen können.

Fazit

Ich empfehle daher jedem, der Bitcoin und dessen Potential nicht nur aus wirtschaftlicher Perspektive, sondern in einem gesamtgesellschaftlichen Kontext verstehen will, zusätzlich zu Bitcoin-spezifischen Medien wie diesem Blog auch Das Netz zu lesen. Vor allem, da alle Artikel kostenlos online stehen. Wer dennoch lieber eine Print- oder E-Book-Variante bevorzugt, kann diese für 14,90 Euro bzw. 4,99 Euro direkt auf der iRights-Seite bestellen.

Rückblick: Bitcoin-Workshop in Halberstadt

Eigentlich ist diese Seite ja in vorübergehender Babypause, aber eine Sache gibt es dann doch, die keinen Aufschub duldet. Vergangene Woche Mittwoch fand nämlich wie geplant der Bitcoin-Workshop in Halberstadt für die Bewohner der dortigen Zentralen Anlaufstelle für Asylsuchende des Landes Sachsen-Anhalt (ZASt), statt und da ihr, die Bitcoin-Community, dieses ehrenamtliche Projekt mit einer nicht unerhebliche Summe unterstützt habt, ist es uns ein wichtiges Anliegen auch die versprochene Dokumentation nachzuliefern und zu zeigen, dass die Mittel sachgerecht verwendet wurden und dass sich das Engagement aller Beteiligten und Unterstützer gelohnt hat.

Denn um das Fazit in einem kurzen Satz zu bündeln: Der Bitcoin- Workshop war ein großer Erfolg. Ihr habt das möglich gemacht. Danke dafür!

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Bitcoin-Presseschau #76

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für die Woche vom 31. August bis 6. September 2015 mit folgenden Themen:

  • Neues vom Kurs
  • Thema der Woche: Bitcoin und Flüchtlinge
  • Neues von der Blocksize/BitcoinXT/BIP100-Debatte
  • 300.000 Euro für deutsches Bitcoin-Startup
  • Zentralisierung – die Nemesis von Bitcoin
  • Deutschland kein Payment-Land
  • Was Zentralbanken weltweit von Bitcoin halten
  • Umfrage zum Bitcoin-Gebrauch in Deutschland
  • Internationale Überweisungen sind noch immer viel zu teuer

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„Bitcoin sollte viel verbreiteter in Deutschland sein“

Mehr oder weniger zufällig war mir vor einiger Zeit aufgefallen, dass der Bitkom eine eigene Arbeitsgruppe zum Thema „Crypto Currencies“ hat. Das hat mich neugierig gemacht und als ich neulich auf dem Bitkom-Fachkongress zur bargeldlosen Gesellschaft war, habe ich die Gelegenheit genutzt mit Steffen von Blumröder zu sprechen, dem Leiter der Arbeitsgruppe SEPA, Instant Payments & Crypto Currencies.

Was genau ist deine Aufgabe beim Bitkom?

Ich bin als Bereichsleiter im Bitkom sozusagen die digitale Interessensvertretung für alle Unternehmen der Digitalwirtschaft im Umfeld Banking, Financial Services und FinTechs und meine Aufgabe ist es zu schauen, dass wir in diesem Bereich in Deutschland digitaler werden. Dazu gehört auch sich mit neuen Themen wie zum Beispiel Bitcoin und der Blockchain-Technologie progressiv auseinandersetzen. Deswegen spreche ich solche Themen bei der Politik an um zu vermitteln, was man von den Rahmenbedingungen her verbessern kann, damit es den jungen Unternehmen besser geht.

Seit gut einem Jahr leitest du eine Bitkom-Arbeitsgruppe, die sich explizit mit „Crypto Currencies“ auseinandersetzt. Wie ist es dazu gekommen?

Das hatte mit dem Ende der SEPA-Debatte zu tun. Vor rund anderthalb Jahren waren die Rahmenbedingungen soweit fertig gestellt, dass wir nicht mehr viel machen konnten. Also haben wir nach neuen Themen gesucht, um die wir uns kümmern sollten. Dabei haben wir uns Gedanken gemacht, wie der Zahlungsverkehr von heute und morgen aussieht. Aber auch wie der von übermorgen aussieht und welche Bedürfnisse daraus entstehen. Bezahlen ist ja kein Bedürfnis, sondern das Bedürfnis ist „Taxi fahren“, „Butter kaufen“, „ins Hotel gehen“. Dann muss man halt gucken, wie kann man sowas automatisieren, was gibt es für neue Technologien und da waren Cryptocurrencies einfach ein Thema.

Blumroeder_von_Steffen_bitkom
Steffen von Blumröder leitet im Bitkom die Arbeitsgruppe SEPA, Instant Payments & Crypto Currencies
Das klingt so, als wäre es nicht nur der Geldaspekt, der den Bitkom an Bitcoin interessiert?

Bitcoin ist eine Grundlagentechnologie, die viel verbreiteter sein sollte in Deutschland und mit der wir viel mehr machen sollten. Aber da bedarf es noch einiger Anstrengungen das voranzutreiben.

Bisher beschäftigt sich im Bitkom aber nur deine Arbeitsgruppe mit Bitcoin und die ist auf das Thema Geld spezialisiert. Wird die Blockchain-Technologie dadurch nicht zu sehr in die Geld-Ecke gedrängt? Immerhin ist nicht jeder Wert, der über eine Blockchain transportiert wird, automatisch ein Geld-Wert.

Wir versuchen natürlich unsere Ressourcen im Bitkom zu bündeln, daher bin ich bisher der erste Ansprechpartner für alles, was mit Bitcoin zu tun hat. Obwohl ich mich selbst gar nicht als Experte für Blockchain-Technologie bezeichnen würde, eher als Einäugiger unter den Blinden. Deswegen hole ich bei allen Themen rund um Bitcoin, egal ob es juristische Forschungsprojekte sind oder es um Dinge wie Smart Contracts geht, wenn möglich auch andere mit ins Boot. Grundsätzlich läuft aber erst einmal alles über meinen Tisch.

Gibt es denn viele Bitcoin- oder Blockchain-Unternehmen, die Mitglied im Bitkom sind?

Nein, noch nicht. Wir arbeiten gerade daran uns in diesem Ökosystem weiter zu vernetzen. So ein spezifisches Netzwerk muss man ja erst einmal aufbauen. Aber wir haben schon einige Mitglieder und hier und da Kontakte. Wir machen das ja nicht nur für uns, sondern wollen verschiedenen Start-ups und Unternehmen die Möglichkeit geben sich auch untereinander besser zu vernetzen. Das Ökosystem verändert sich und das versuchen wir aufzunehmen. Jetzt sind ja auch die ersten Banken Mitglied bei uns geworden. Das sind auch keine klassischen Bitkom-Mitglieder gewesen vor zwei, drei Jahren

Das klingt ein bisschen nach Konkurrenz zum Bundesverband Bitcoin.

Ich kenne natürlich den Bundesverband Bitcoin. Aber es ist natürlich immer etwas anderes, ob das von Leuten gemacht wird, die einen Beruf haben und so etwas nebenher machen. Ich bin hauptberuflich beim Bitkom in der Interessensvertretung und habe dadurch einfach auch mehr Ressourcen mich an den wichtigen Punkten einzubringen. Wir planen zum Beispiel ein Positionspapier zu schreiben, um gezielt über das Thema Bitcoin aufzuklären und das dann auch als Grundlage zu nehmen für die weitere politische Diskussion. Unser Ziel ist es die Blockchain/Bitcoin-Community zu vertreten und wir machen das gerne. Auch weil wir bereits einen sehr guten Draht zur Politik haben und da in die Diskussion direkt mit reingehen können.

Hinweis

Informationen zur Start-up-Mitgliedschaft im Bitkom gibt es hier.

Bitcoin-Presseschau #69

Die Bitcoin-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für die Woche vom 13. bis 19. Juli 2015 mit folgenden News und Themen:

  • Neues vom Bitcoin-Kurs
  • deutsches Interesse an Bitcoin steigt
  • Österreichs zweiter Bitcoin-ATM hängt in Wien
  • Bitcoin – das ideale Reisegeld
  • Bitcoin meets Minecraft – ein Zwischenfazit
  • Urlaub in der Bitcoin-City Arnhem
  • Bankenwelt im Umbruch
  • Bankenwelt verschläft Trends
  • Banken stehen auf die Blockchain
  • Warum Banken auf die Blockchain stehen
  • Meta-Bitcoin-Firmen gehen an die Börse
  • Sofortüberweisung ist unzumutbar
  • Apple Pay in UK und kaum einer merkt’s

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Neue deutsche LocalBitcoins-Alternative

Es sei kein Zustand, dass sowas einfach in Deutschland nicht gehe, antwortete Gideon Gallasch als ich ihn fragte, warum er die Website bitcoin-treff.de ins Leben gerufen hat und verweist damit auf localbitcoins.com. Das Angebot hatte sich im Dezember „aus regulatorischen Gründen“ aus dem deutschen Markt zurückgezogen und mit ihm war eine der einfachsten Möglichkeiten Bitcoins zu kaufen – nämlich von Privatperson zu Privatperson – von einem Tag auf den anderen verschwunden. Ein schmerzlicher Verlust für alle, die nicht im Internet, sondern lieber von Angesicht zu Angesicht Bitcoins handeln.

Für die Community und gegen Regulierung

Mit bitcoin-treff.de sollen bitcoininteressierte Privatpersonen nun auch wieder in Deutschland einfacher zusammenfinden. Die Nutzung der Plattform ist dabei kostenlos. Gideon Gallasch will damit als einer von zwei Betreibern in erster Linie ein Zeichen setzen und die Bitcoin-Gemeinde nach vorne bringen, aber letztlich auch einen Regulierungsanspruch durch die BaFin wie bei localbitcoins zu umgehen.

Neben Mycelium eine hilfreiche Alternative

Bisher ist die Anzahl der Angebote auf bitcoin-treff.de zwar noch überschaubar, aber die Seite befindet sich ja auch noch immer im Entstehen. Neben der Mycelium-Wallet ist sie dennoch eine weitere nützliche localbitcoins-Alternative und eine lobenswerte Initiative gegen die Verwaisung des Bitcoin-Standorts Deutschland.

„Das Bitcoin-Experiment steht ganz am Anfang“

Am Freitag veranstaltete die SPD-Bundestagsfraktion eine „Digitale Agenda“ zum Thema Bitcoin und Co. Die Zukunft des Zahlungsverkehrs?. Zum ersten Mal wurde Bitcoin damit offen auf bundespolitischer Ebene diskutiert. Dass dabei Beteiligte aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Praxis gemeinsam an einem Tisch saßen, ist ein gutes Zeichen und zwingend notwendig, soll Bitcoin in Deutschland einmal massentauglich werden. Dennoch machte die Veranstaltung vor allem eines deutlich: baldige Entscheidungen sind nicht zu erwarten, denn nicht nur in der öffentlichen Debatte befindet sich Bitcoin ganz am Anfang.

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