Bitcoinbundestag

„Das Bitcoin-Experiment steht ganz am Anfang“

Am Freitag veranstaltete die SPD-Bundestagsfraktion eine „Digitale Agenda“ zum Thema Bitcoin und Co. Die Zukunft des Zahlungsverkehrs?. Zum ersten Mal wurde Bitcoin damit offen auf bundespolitischer Ebene diskutiert. Dass dabei Beteiligte aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Praxis gemeinsam an einem Tisch saßen, ist ein gutes Zeichen und zwingend notwendig, soll Bitcoin in Deutschland einmal massentauglich werden. Dennoch machte die Veranstaltung vor allem eines deutlich: baldige Entscheidungen sind nicht zu erwarten, denn nicht nur in der öffentlichen Debatte befindet sich Bitcoin ganz am Anfang.

„In meinem Bekanntenkreis bin ich der Experte zum Thema Bitcoin, aber in dieser Rund bin ich der absolute Anfänger.“ (Ein Zuhörer)

Das zeigte bereits die Diskussionsgrundlage und die Kernfrage: Bitcoin – wovon sprechen wir dabei überhaupt? Immerhin brachte jeder der rund 70 Anwesenden – egal ob Podiumsgast oder Zuhörer – seinen eigenen Wissensstand und eigene Erfahrungen zum Thema Bitcoin mit. Unternehmer, Verbandsvertreter aus Technologie und Wirtschaft, neugierige Politiker – all ihre Fragen, Wünsche, und Interessen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, war schwierig. Dementsprechend ging es am Freitag vor allem darum in einem respektvollen Abtasten unterschiedliche Positionen und Sichtweisen auszutauschen. Aber auch das war spannend.

Zwischen den rechtlichen Stühlen

So zeigte Prof. Franziska Boehm von der Universität Münster, in ihrem Impulsvortrag zunächst die rechtlichen Hürden auf, die bei der Einordnung von Bitcoin existieren. Die zentrale Frage dabei: Ist Bitcoin nun eine Währung, Geld, ein Finanzinstrument oder etwas ganz anderes? Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat sich für Finanzinstrument entschieden und stuft Bitcoin bisher als Rechnungseinheit ein. Jens Münzer, der BaFin-Vertreter auf dem Podium, betonte noch einmal, dass sie überzeugt seien, damit eine brauchbare Lösung gefunden zu haben. Zumindest so lange der Gesetzgeber keine bessere Grundlage schaffe.

Neben dem öffentlichen Recht berge aber auch das für den einfachen Bitcoin-Nutzer wichtige Straf- und Zivilrecht diverse Fallstricke. Denn Bitcoins gehören, wie alle rein digitalen Daten, bisher nicht zum im Grundgesetz verankerten Schutz des Eigentums. Eigentum ist per Definition nämlich immer an physische Existenz geknüpft. Da Bitcoins diese jedoch nicht haben, können sie kein Eigentum sein. Aus demselben Grund könnten sie formaljuristisch auch niemandem „gestohlen“ werden. Entwende bspw. ein Hacker Bitcoins, wäre das kein Diebstahl, sondern ein Datendelikt. Zwar laufe die Diskussion schon länger „Eigentum“ auch auf Datenbestände auszuweiten, von einem Ergebnis sei man jedoch noch weit entfernt, so Prof. Boehm.

Regulierung? Nein, ja, aber!

Weiter ging es mit einer offenen Diskussion in der Jörg Platzer als Bitcoin-Experte zunächst die Stärken von Bitcoin als erstes wirklich digitales Geld hervor- und von bestehenden Währungen abhob: „Der Euro ist ein Konzept aus dem Industriezeitalter und wenn wir ihn digital verwenden, dann sind das nur Krücken, mit denen wir versuchen dieses analoge Ding über die modernen elektronischen Netzwerke zu schieben.“

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Sollte Bitcoin reguliert werden? Das diskutierten u.a. Jens Münzer von der BaFin (l.), Jörg Platzer (m.) und MdB Jens Zimmermann (r.)

Gleichzeitig warnte er vor einer allzu starren rechtlichen Einordnung. „Bitcoin ist alles: ein Bezahlsystem, eine Finanzanlage und noch viel mehr.“ Sein Potential verglich er mit dem des frühen Internets. Als das damals kam, wären sicherheitshalber alle verfügbaren Regulierungsmöglichkeiten auf einmal angewendet worden. Man solle sich vorstellen, Google hätte damals versucht in Deutschland zu gründen. Unmöglich. „Diesen Fehler sollten wir nicht wiederholen.“, so sein Fazit.

Dennoch war Regulierung und die damit einhergehende Rechtssicherheit für Bürger und Unternehmen das größte Thema an diesem Nachmittag. „Oder sollten wir es einfach laufen lassen?“, fragte MdB Jens Zimmermann (SPD), der in seiner Fraktion u.a. für Kryptowährungen zuständig ist und und auf dessen Initiative die Veranstaltung überhaupt stattfand.

Ein klares Nein kam dabei aus dem Publikum von Matthias Kröner von der Fidor Bank. Als Finanzinstrument müsse Bitcoin zum Schutz der Nutzer „hochgradig reguliert“ werden und ohnehin sei aus seiner Sicht der bisherige Umgang der Behörden mit Bitcoin lobenswert zügig und weit weniger streng als in vielen anderen europäischen Ländern. „Deutsche Regulierung ist ein Exportschlager. Professionell und konstruktiv ausgeführt könnte sie Deutschland auch im Bereich Bitcoin einen enormen Wettbewerbsvorteil bringen.“

Dem stimmten nicht alle Anwesenden uneingeschränkt zu. Die Diskussion um die BitLicense genannte Regulierung in New York zeige, wie viel Fingerspitzengefühl nötig ist um ein überzeugendes rechtliches Rahmenmodell zu gestalten, das sowohl den Nutzer schützt, alle Marktteilnehmer gleichberechtigt behandelt und dabei auch noch Innovationen fördert, anstatt sie zu verhindern.

Jörg Platzer bspw. sieht nahezu jede Regulierung kritisch. Das Bitcoin-Protokoll reguliere sich ja selbst. Minimalistisch zwar, zugegeben, aber dafür für hundertprozentig. Zugeständnisse macht aber auch er. Trotzdem dürfe man Bitcoin keinesfalls pauschal regulieren. Wenn schon, dann müsse man es „anwendungsorientiert“ betrachten. Wer mit Bitcoin Spekulationsgewinne mache, der solle Kapitalertragssteuer zahlen. Aber bitte nicht, wer es einfach nur zum Bezahlen nutze.

Anonym und doch nicht

Ein weiterer Reibungspunkt, von denen es angesichts des thematischen Umfangs von Bitcoin am Freitag jedoch insgesamt nur wenige gab, war Anonymität und Kontrolle. „Sollte die gesamte Bevölkerung Bitcoins verwenden, können wir mit unseren Methoden aus der sozialen Netzwerkanalyse die Anonymität ganz schnell aufheben.“ Mit der Selbstverständlichkeit dieser durchaus brisanten These überraschte Prof. Katharina Zweig, die den Studiengang Sozioinformatik an der TU Kaiserslautern leitet, auch einige erfahrene Bitcoin-Experten im Raum. Leider bot der Rahmen dieser Veranstaltung kaum Gelegenheit detaillierter auf diesen Aspekt einzugehen, obwohl sie damit offen eine der wichtigsten Eigenschaften von Bitcoin hinterfragte.

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Neugierig, respektvoll, offen. So war die Stimmung sowohl auf dem Podium als auch bei den Zuhörern. (Bild: spdfraktion.de via Flickr CC BY-NC-ND 2.0)

Dennoch verwies wiederum Jörg Platzer auf den Vorteil der „nutzerdefinierten Privatsphäre“. Vielleicht könne man bei Bitcoin nicht die Überwachung durch Strafverfolgungsbehörden ausschließen, aber zumindest das ein oder andere Werbenetzwerk draußen halten. Außerdem sei Transparenz ja ein elementarer Bestandteil von Bitcoin und müsse nicht schlecht sein. Spendenbasierte Organisationen könnten bspw. mit öffentlich einsehbaren Transaktionen mehr Vertrauen bei ihren Förderern gewinnen. Abgesehen davon würden sich verschiedene Projekte darauf konzentrierten Bitcoin-Transaktionen künftig wirklich anonym zu gestalten. „Das Experiment Bitcoin steht schließlich noch ganz am Anfang.“

Der Anfang ist gemacht

Ganz am Anfang. Dieser Satz fasst nicht nur den Stand von Bitcoin, sondern auch das Ergebnis dieser Digitalen Agenda treffend zusammen. Sie hat gezeigt wo Bitcoin überall noch am Anfang steht: Politisch, denn nach eigenen Angaben gebe es außer Jens Zimmermann bisher niemanden im Bundestag, der sich aus eigenem Interesse mit Bitcoin auseinandersetze. In der öffentlichen Debatte, denn obwohl an diesem Tag nur über einen Teilaspekt von Bitcoin gesprochen wurde – die Verwendung als Geld – hat sich gezeigt, dass es selbst hier noch keine gemeinsame Wissensbasis über Bitcoin und seine Funktionsweise gibt. Diese ist jedoch unbedingt notwendig um differenziert und auf Augenhöhe miteinander diskutieren zu können. Und schließlich steht auch Bitcoin in der praktischen Verwendung noch ganz am Anfang. Auf Nachfrage, wer Bitcoin besitze, meldete sich nicht einmal die Hälfte der Anwesenden.

Allerdings gab es auch eine Tatsache, die zeigt das Bitcoin erfreulicherweise nicht mehr in allen Bereichen ganz am Anfang steht. Bei dieser Digitalen Agenda im Bundestag waren bedeutend mehr Frauen als auf jeder anderen Bitcoin-Veranstaltung, die ich im letzten Jahr besucht habe. Und letztlich ist auch das ein wichtiger Faktor, soll Bitcoin in Deutschland tatsächlich einmal massentauglich werden.

Hinweis in eigener Sache: Reisekosten zu Veranstaltungen wie dieser zahle ich aus eigener Tasche. Ich finde es aber wichtig, das jemand ausführlich darüber berichtet. Du kannst diese Arbeit mit einem kleinen Reisekosten-Zuschuss an die untenstehende Adresse unterstützen. Danke!  

11 Gedanken zu „„Das Bitcoin-Experiment steht ganz am Anfang““

  1. Hallo!
    Artikel hat mir gefallen. Klitzekleine Minispende ,für den Ausflug‘ (ca. 18.26 h) gesandt – mehr symbolischer Art.

    Nicht mehr lange und der BTC ist so normal wie Schietwetter im Herbst an der Küste. Dann ist ,das Neue‘ verflogen und einige können sagen, ich war ziemlich früh dabei…

    LG aus Nordenham

    Gerd Taddicken

    #2014-10-19, So., ca. 18.44 h

    ***

  2. Wirklich sehr interessanter Beitrag!

    “Sollte die gesamte Bevölkerung Bitcoins verwenden, können wir mit unseren Methoden aus der sozialen Netzwerkanalyse die Anonymität ganz schnell aufheben.“

    DAS hätte ich UMGHEND „attackiert“ bzw. von Fr. Zweig ganz dringend genauer erklärt gehabt!! Wie, außer mit Hilfe von „Netzspionage“ à la NSA soll denn das funktionieren?

    Mich wundert wirklich, dass bei dieser v.a. für echte Bitcoiner äußerst brisanten Frage niemand (auch leider nicht mal Hr. Platzer, den ich sehr schätze) darauf eingegangen ist.
    Wirklich sehr schade….

    1. Das war tatsächlich nicht der richtige Ort für Nachhaken, da mache ich niemandem einen Vorwurf. Bei der Veranstaltung ging es erst einmal um grobes Abtasten von Positionen und ein Herausfinden worüber man überhaupt redet. Ein allererster Schritt. Aber du hast Recht, grundsätzlich muss man da unbedingt noch einmal nachhaken und ich habe das auf dem Schirm. Ihr Karte liegt neben mir auf dem Schreibtisch. Und für das Verständnis: Das Zitat fiel in einem Zusammenhang, in dem es auch darum ging, dass sich – sollte Bitcoin von der ganzen Bevölkerung genutzt werden – die meisten mit ihren Daten irgendwo registrieren werden. Ist ja bei vielen Börsen jetzt schon Standard und fördere die Vertrauenswürdigkeit einer Transaktion. Und wenn du irgendwo registriert bist, dann bist du sehr gut nachverfolgbar. Gibt ja bereits jetzt Services, die dir sagen, welche BTC-Adressen du sonst noch besitzt, wenn du eine davon angibst. Aber um noch einmal zurückzukommen „Sozioinformatik“ ist wohl ein sehr junger Studiengang und ich bin gespannt, was ich darüber noch in Erfahrung bringen kann.

    2. Nun, das liegt letztlich daran, dass die Dame mit dieser Einschätzung im Wesentlichen Recht hat. Data Mining ist in der Lage, die Privatsphäre für einen erheblichen Anteil der Nutzer von Bitcoin auszuhebeln, dies ist eine zwingende Konsequenz aus der zugrundeliegenden Offenheit der Blockchain. Dem zu widersprechen wäre nicht nur falsch, sondern sogar unverantwortlich, da der Nutzer lediglich dann die Möglichkeit hat, sich vor dieser Gefahr zu schützen, wenn er über diese aufgeklärt wurde.

      1. Vielleicht sollte man dann mal all die Bitcoin-Erklärvideos korrigieren, die behaupten Bitcoin sei anonym. Ich finde die Erklärung von Jörg nämlich auch in Hinsicht auf den Ottonormal-User sehr plastisch zu sagen, Bitcoin ist zunächst vor allem transparent – man kann alles in der Blockchain sehen. Und dann kann man darauf aufbauen und mit verschiedenen Projekten (Darkwallet, Bitlaundry etc.) selbst bestimmen, wie anonym man mit seinen Bezahldaten umgehen will. Transparenz ist ja nicht nur die eigentliche Stärke von Bitcoin, es ist auch genau der Punkt, den viele Menschen im derzeitigen Geldsystem ganz schmerzlich vermissen. Ich kann mir vorstellen, dass mit Transparenz zu argumentieren, als mit Anonymität viel mehr „normale“ Menschen anspricht und Bitcoin damit ein bisschen aus der Nerd-Ecke herausholt.

  3. Mich stört v.a. die Arroganz mit der die „Professorin für Sozioökonomik“ (was immer das auch sein mag) auftritt.
    So nach dem Motto: Ja, wenn jeder erstmal BTC nutzt, dann…, ja DANN werden wir euch erst recht vollkommen kontrollieren. Denn euch, der potentiell bösen Bevölkerung, werden wir zeigen, dass ihr nur noch gläserne Marionetten seid.
    Im Ernst: Ich finde das ganz schön dreist. Aber die wird sich noch wundern, denn sooo einfach wird das mit ihrer „Aufhebung“ der Anonymität nämlich nicht. M.E. hat die sich damit nämlich nicht wirklich auseinandergesetzt…

    @ Friedemann: hast du eigentlich gewusst, dass dein Beitrag auf dem Blog von bitcoin.de erscheint? 🙂

    Weiter so!
    Gruß Harry

    1. Ich glaube nicht, dass Frau Zweig arrogant rüberkommen wollte (und falls der Artikel diesen Eindruck nahe legt, dann nehm ich das auf meine Kappe), als vielmehr provokant. Es gab halt wenig Gelegenheit ihre These zu diskutieren, aber wenn man sich die Zeit dafür nimmt, dann glaube ich, dass dabei ein sehr konstruktiver Austausch rumkommen könnte. Ich denke ihr ging es darum ein Bewusstsein für Big Data-Analyse zu wecken. Genauso wie viele Menschen keine Ahnung davon haben wie Bitcoin funktioniert und was man damit alles Erstaunliches machen kann, gilt dasselbe für Big Data. Ich zumindest habe da nur eine grobe Vorstellung, wozu man das alles gebrauchen kann und wie aufwändig das eigentlich ist.

      Die Übernahme durch den Bitcoinblog ist mit Christoph abgesprochen. Ich kriege da einen kleinen Obulus für die Zweitverwertung und einen Backlink und kann so wenigstens ein bisschen die Refinanzierung meiner Auslagen planen. Um damit zwei Arbeitstage plus Reisekosten zu finanzieren, reicht’s noch lange nicht, aber Bitcoin steht ja noch ganz am Anfang. Auch hinsichtlich innovativer Journalismus-Finanzierung im Netz. Wenn ich mich aber an die Republika im Mai erinnere und wie groß die Kluft zwischen Bitcoin und journalistischen Bezahlmodellen damals noch war, dann sind wir schon ein gutes Stück voran gekommen und ich bin sehr gespannt darauf, wo wir bei der kommenden republika stehen werden. Was crowd- und bitcoinfinanzierten Journalismus angeht ist dieses Blog ja auch ein großes, spannnedes Experiment.

  4. @Harry: Tatsächlich erstaunt es auch mich immer wieder, was man mit Methoden der sozialen Netzwerkanalyse und des maschinellen Lernens aus sehr diffusen Daten herauslesen kann.

    Meine für Sie provokante These beruht auf mehreren Säulen:
    1) Meine langjährige Erfahrung in der Identifkation statistisch signifikanter Muster in sozialen und anderen, komplexen Netzwerken.
    2) Wenn wir alle Bitcoins benutzen würden, dann würden meiner Meinung nach zwei Dinge passieren:
    a) Einige Nutzer, insbes. Läden und Organisationen, werden sich Klarnamen zulegen, um das Vertrauen weiter zu erhöhen.
    b) Die meisten Nutzer werden nicht standardmäßig ihre IDs ändern, sondern bei der anfangs zugewiesenen Identität bleiben. Das sieht man eigentlich bei allen sicherheitssensitiven Applikationen, dass der Nutzer hier den einfachsten Weg wählt (Passwörter, fehlende Emailverschlüsselung, …)
    3) Mit den prozentual wenigen Klarnamen und deren Verortung in der Geographie und mit Hilfe weiterer öffentlicher Informationen (z.B. Ebay, eigene Transaktionen mit bekannten Nutzen) wird man das sehen, was man immer sieht: das unser soziales Leben für die meisten lokal organisiert ist und recht regelmäßig verläuft. Darüber lässt sich ein Großteil der Bevölkerung leicht de-anynonymisieren. Der Profi (insbes. der kriminelle Profi mit geeigneten Finanzmitteln) dagegen bleibt vermutlich unsichtbar. Das ist vermutlich nicht der gewünschte Effekt, oder?

    Ähnliche „Deanonymisierungen“ von Pseudonymen wurden schon demonstriert im Netflix-Wettbewerb („deanonymization, netflix contest“). Meine AG konnte z.B. zeigen, dass die Beziehungen von NICHT-Mitgliedern von Facebook teilweise erratbar sind (nicht deren Identität, weil uns solche Daten nicht vorlagen). („One plus one makes three“, PlosOne 2012)

    Aber wirklich interessant ist doch, was ich mit einer solchen Aussage bezwecke: es ist keine Arroganz oder Angstmache, sondern die fundierte Prognose einer Expertin. Ich bin dafür, dass solche Prognosen lieber früh, zu Beginn eines gesellschaftlichen Experimentes gemacht werden, da dann (vielleicht) auch noch Gegenmaßnahmen getroffen werden können – oder man lieber ganz auf das System verzichtet. Für wie wahrscheinlich Sie die These also halten, ist Ihre Sache. Über die Intention einer solchen Aussage sollte man aber keine voreiligen Schlüsse ziehen.

    Der Studiengang „Sozioinformatik“ an der TU Kaiserslautern untersucht und modelliert genau diese Fragen, nämlich wie sich ein IT-System auf die Gesellschaft auswirken könnte. Die Ergebnisse gehen an die Öffentlichkeit, damit diese entscheidet, was wir für eine Gesellschaft wollen.

    1. „der menschliche Faktor“ ist ohnehin eine Einflussgröße, die bei der Diskussion um Bitcoin bisher viel zu wenig Beachtung findet. Danke für ihre Klarstellung!

      1. @Frau Zweig
        besten Dank für Ihre Ausführungen. Jetzt ist mir klar geworden was Sie eigentlich meinten. (Somit aus meiner Sicht missverstanden, da ich von einem anderen Hintergrund ausging).
        Sorry für die etwas unglückliche Wortwahl („Arroganz“) – nehme natürlich jetzt zurück 🙂

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