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Lesetipp: Über die Zukunft von Geld und Bitcoin

Daniel Jeffries hat drüben bei Hackernoon mit What Will Bitcoin Look Like in Twenty Years? einen der wichtigsten Texte zu Geld und Bitcoin geschrieben, die ich in den letzten Jahren gelesen habe. Ganz einfach aus dem Grund, weil er sich mit einem Aspekt beschäftigt, der in der Auseinandersetzung bisher viel zu kurz kommt: die Zukunft.

Klar gibt es Texte (und vor allem ICO-Whtepaper), die sich irgendwie mit dem auseinandersetzen, was da so künftig passieren könnte (aber nur, wenn alles nach dem Best Case im Businessplan läuft). Doch eine tiefergehende und vor allem über die eigenen Interessen hinaus gehende Auseinandersetzung mit der Zukunft des Geldes (nicht nur der des Bezahlens!) findet bisher nicht statt.

Was fehlt: Future Economics

Was übrigens nicht nur für Bitcoin, sondern für die Ökonomie im Allgemeinen gilt. Die konzentriert sich nämlich vor allem darauf, aus der Vergangenheit zu lernen und auf die Gegenwart zu reagieren, entwickelt selbst aber keinerlei Visionen, wie unser Geld- und Gesellschaftssystem in 20, 50 oder 100 Jahren aussehen könnte. Oder idealerweise aussehen sollte.

Je mehr ich mich also mit diesem Thema beschäftige – und ich suche und frage nun schon lange nach „Geldvisionären“, aber weder Professoren, Banker noch Journalisten kennen jemanden, der sich wirklich mit der Zukunft des Geldes auseinandersetzt – umso mehr drängt sich der Schluss auf, dass die Finanzbranche in Theorie und Praxis eine gänzlich visionslose Branche ist.

Was eine erschreckende Erkenntnis ist, wenn man bedenkt, wie grundlegend und teils rasant sich die Welt innerhalb der vergangenen 20, 50 oder 100 Jahren verändert hat. Zumal es keinen Anlass gibt, davon auszugehen, dass die Wucht oder Geschwindigkeit künftiger Veränderungen milder ausfallen. Im Gegenteil.

Ein Versuch, die Zukunft zu beschreiben

Genau das macht den Text von Daniel Jeffries dann aber so lesenswert. Denn obwohl auch für ihn klar ist, dass es bei Aussagen über die Zukunft viel leichter ist, falsch zu liegen, als richtig, wagt er zumindest den Versuch, eine mögliche Entwicklung zu skizzieren.

„I’m also going to go much, much deeper than “Bitcoin will go to zero” or “Bitcoin will become the reserve currency and be worth $1,000,000”. That’s not really saying all that much and anyone can do it. Instead we’ll look at how the technology will transform and how society will transform with it.“

Diese Skizze wiederum ist höchst inspirierend. Denn egal, ob man seiner Argumentation folgt oder nicht – wer diesen Text liest, beginnt selbst über die Zukunft des Geldes nachzudenken. Genau das, was bisher viel zu wenig stattfindet.

Die Vision eines professionellen Visionärs

Dass Jeffries dabei sowohl Gründer ist, langjährige IT-Erfahrungen mit sich bringt und auch Science-Fiction-Geschichten schreibt, ist hier von großem Vorteil, weil man merkt, dass er Erfahrung mit dem glaubwürdigen Entwickeln von technologiebasierten Zukunftsszenarien hat.

Das im Hinterkopf sollte man sich auch nicht von der halben Stunde Lesezeit abschrecken lassen, die dieser Artikel mit sich bringt. Es lohnt sich wirklich.

Um das zu zeigen, habe ich hier mal die Zwischenüberschriften herausgezogen und wen die noch immer nicht überzeugen, hier eine Textstelle, die mehr als nur neugierig macht:

„I’m half way through an article called “What If Hitler Had the Blockchain?” Frankly, I don’t want to publish it because I don’t want to give the bad guys any fresh ideas but rest assured it probably doesn’t matter. Their dark minds are already hard at work imagining how to use blockchain as a system of repression and control.“ 

Inhalt

This Internet Thing will Never Work Out

The Rise of Bitcoin, Crypto and Decentralization

1) The Bubble Bursts

2) Government Cryptocurrencies will Flourish

3) Decentralized Cryptocurrencies Will Become a Parallel Economic Operating System for the Planet

4) The Killer App for Crypto is NOT a Browser

5) Blockchain is Just the Beginning of Decentralized Consensus

6) Crypto Will Get a LOT Easier to Use

7) The protocols of Coins will Get Abstracted from the Coins Themselves

8) We will have Four Dominant Meta Coins, Plus Fifty to One Hundred Minor Coins, and Infinite Virtual Variations of These Coins, Plus State Coins

9) We’ll Learn We Didn’t Know Crap About Economics

10) A DAO Will Grow to Fortune 500 Status

11) The Gig Economy Will Grow Big Time

The Controversy Kings

12) The Blockchain Will Enable All Kinds of Evil

13) Bitcoin Has a 50/50 Shot At Surviving

The Final Frontier

Bitcoin im Mainstream (Japan Edition) und was das bedeutet

Gestern ging es hier noch um das Beispiel Hip Hop und Rap, an dem sich erkennen lässt, wie Bitcoin in Deutschland (und den USA) über die künstlerische Auseinandersetzung damit immer mehr in den Alltag und die Wahrnehmung der Gesellschaft getragen wird.

Verschiedene Kulturkreise nehmen Bitcoin unterschiedlich an

In Japan passiert das genauso. Nur zeigt sich das gleiche Phänomen dort eben in einem anderen Erscheinungsbild – orientiert an den dortigen kulturellen Gewohnheiten. Da rappen dann eben nicht Sido, Savas und Co. von Kryptowährungen, sondern es singen und tanzen die Virtual Currency Girls. (Wobei der Unterschied in dem Fall vielleicht doch nicht ganz so groß ist, Sido trug ja mal eine ähnliche Maske.)

Interessant an dieser Gegenüberstellung ist nun aber nicht allein die Beobachtung, wie verschiedene Kulturkreise unterschiedlich mit Bitcoin umgehen, sondern dass sie es können und auch machen. Denn es verdeutlicht zwei charakteristische Eigenschaften des Phänomens Bitcoin: die Unverbindlichkeit und die Interpretationsfreiheit.

Mit Unverbindlichkeit meine ich, dass keine Gesellschaft gezwungen wird, sich mit Bitcoin zu beschäftigen. Es gibt keine Institution, die den Umgang damit kollektiv verbindlich vorschreibt und definiert. Vielmehr steht es jeder Gesellschaft frei bzw. deren Individuen und Institutionen, selbst auszutesten, inwieweit Bitcoin Teil ihrer Kultur werden kann und soll.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber natürlich auch, dass es die Möglichkeit gibt, Bitcoin abzulehnen, falls es sich als nutz- und funktionslos erweist bzw. sich kein gesellschaftliches Bedürfnis besser dadurch befriedigen lässt, als durch alle bislang verfügbaren Optionen. Jeder kann Bitcoin nutzen, niemand muss es.

Bitcoin ist Auslegungssache

Die Interpretationsfreiheit wiederum bedeutet, dass Bitcoin nicht ausdefiniert ist, sondern von jeder Gesellschaft in die eigenen Lebenswirklichkeit integriert und auf die individuellen Bedürfnisse angepasst werden kann. Bitcoin (als konkretes Projekt) befindet sich schließlich in einer beständigen Weiterentwicklung, einer Art institutionalisierten Evolution. Trotzdem kann jeder es jederzeit nehmen und schauen, ob und welche individuellen Ziele oder Probleme sich damit erreichen oder lösen lassen.

Während ein nicht-zensierbares, staatenunabhängiges Geld derzeit bspw. in Venezuela das Überleben sichern kann, bedeutet es für deutsche Rapper hingegen, dass sie sich „Malle kaufen können“. In Argentinien wiederum sind Kryptowährungen der einfachste Weg, am internationalen Geldhandel teilzunehmen und in China ist Glücksspiel viel mehr Bestandteil der kulturellen Identität als bei uns. Dass dort daher auch gerne mit technisch möglicherweise vollkommen sinn- und nutzlosen Altcoins oder ICO-Token spekuliert wird, überrascht daher nicht.

Letztlich hat das Wort Bitcoin daher in jedem Land oder jedem Kulturkreis eine leicht andere Bedeutung mit unterschiedliche Konnotationen, die durch die gesellschaftliche Auseinandersetzung damit immer wieder neu bestimmt und bewertet werden müssen.

Bitcoin ist nur schwer zu fassen

Das wiederum macht es aber im Übrigen auch schwer, bis nahezu unmöglich, Bitcoin auf globaler Ebene zu regulieren, wie es bspw. Bundesbank-Vorstandsmitglied Joachim Wuermeling gerade gefordert hat.

Zum einen, weil es bislang weder eine verbindliche Definition gibt, was Bitcoin eigentlich ist (Geld? Technologie? Chance? Bedrohung?), noch welche Probleme durch eine Regulierung möglicherweise gelöst und welche Chancen damit gleichzeitig verbaut würden. Ganz davon abgesehen, dass sich Bitcoin in der Realität bedeutend schneller weiterentwickelt als staatliche (vor allem demokratische) Institutionen politische Entscheidungen produzieren können.

Insbesondere, wenn der Wunsch am Phänomen Bitcoin teilzuhaben, aus welchen konkreten Gründen auch immer, aus der Gesellschaft heraus wächst und sich dort zunehmend verankert. In Südkorea haben jedenfalls schon knapp 220.000 Menschen die Petition gegen angedeutete, aber als „ungerechtfertigt“ empfundene Regulierungen vom Staat unterzeichnet.

Bitcoin-Presseschau #87

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 23. April bis 29. Mai 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: Woah! Rakeeeede!
  • #Thema: Die DAO lebt!
  • #Grundlagen: Die Blockchain im Interview / Der Fall Craigh Wright / Bitcoin-Mythbuster im Einsatz
  • #Business: Steam nimmt Bitcoins / Youtube-Star mit erfolgreichem Micropayment-Experiment / Bitstamp mit Lizenz nach Luxemburg
  • #Technologie: Erst der Blitz, dann der Donner
  • #Wissenschaft: Studienergebnisse mit der Blockchain verifizieren
  • #Legales: EU-Parlament beobachtet Bitcoin jetzt auch offiziell / Die NATO will die Blockchain militärisch nutzen / Die Blockchain vor Gericht
  • #Gesellschaft: Reinhold Beckmann kann nichts mit Bitcoin kaufen
  • #International: Stadt Zug akzeptiert Bitcoin / Die Bitcoinstadt Arnhem feiert sich selbst / Chinessiches Blockchain-Projekt am Start
  • #Fundstücke: Bitcoin-Scams enttarnt / Morgenpost mit großem Bitcoin-Artikel
  • #Fail: Das Handelsblatt mit einem „Interview“

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Bitcoin-Presseschau #86

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 26. März bis 22. April 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: stabiler als Gold und steigend.
  • #Thema: Happy Birthday, Satoshi Nakamoto!
  • #Grundlagen: Bitcoin für Dummies / Wer braucht schon Altcoins? / How to be Satoshi Nakamoto / 9 Blockchain-Fehler zum daraus Lernen / Die Unmöglichkeit von Smart Contracts
  • #Business: Bitwala goes big / Circle mit Geldlizenz / Open Bazaar hat geöffnet / Der Krimi um den ShapeShift-Hack / Airbnb übernimmt nur Kompetenz
  • #Technologie: Bitcoin goes Messenger-Bot / R3CEV-Blockchain ohne Blockchain
  • #Wissenschaft: Fachmagazin nutzt Bitcoin
  • #Legales: Bitcoin-Lobbying auf EU-Ebene beginnt
  • #Gesellschaft: Bitcoin und die Panama Papers / Die Cypherpunks sind immer noch da / Vergessliche Menschen sind ein smartes Geschäftsmodell / Bitcoin-Frauen vereinigt euch!
  • #International: Kenia: ideal für Bitcoin / Kenia: möglicherweise ist das doch alles nicht so einfach
  • #Fundstück: Such Certified!
  • #Fail: Zeit Online mit Anfängerfehler

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Bitcoin-Presseschau #85

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 25. Februar bis 25. März 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: Stabilomat
  • #Thema: Ethereum? ETHEREUM!!!1!
  • #Grundlagen: Die BaFin hat die Blockchain ziemlich gut verstanden / So spart man sich unnötige „Blockchain“-Projekte / Soft- und Hardforks – wer, wie was warum? / Zum aktuellen Stand von Ethereum und warum „Bankchains“ noch immer keine gute Idee sind
  • #Business: Von wegen Microsoft nimmt keine Bitcoins mehr / Strom, Blockchain und das Internet der Dinge / Smart Contracts sind totally Bitcoin
  • #Technologie: Heizen mit Mining / Bitcoin-Diebstahlschutz durch Zeitverzögerung
  • #Wissenschaft: UN erforscht Bitcoin und Blockchain-Potential / akademisches Bitcoin-Verzeichnis
  • #Legales: Wer haftet eigentlich bei Dezentralen Autonomen Organisationen?
  • #Gesellschaft: Bitcoin-Spenden knipsen Licht in südafrikanischen Schulen an / Wenn schon Drogen im Netz kaufen, dann mit Bitcoin
  • #International: Bitcoin ist hip in Israel / Afrika jetzt auf der Mining-Landkarte / Nachfrage nach Bitcoin in Südafrika steigt rasant /  Australien zieht umstrittene Bitcoin-Besteuerung zurück
  • #Fundstück: Blockchain-as-an-Excuse / Lil Buterin, Yo!

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Bitcoin-Presseschau #84

Die Bitcoin-Presseschau fasst die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitales Geld zusammen. Für den Zeitraum vom 1. bis 24. Februar 2016 mit folgenden Themen:

  • #Bitcoin Kurs: optimistisch aufwärts
  • #Blocksize-Debatte:  Habemus Consensum!
  • #Grundlagen: Wer Bitcoin verstehen will, muss China verstehen / Smart Contracts – eine Einführung / Warum Mining keine Verschwendung ist
  • #Business: IBM steigt aktiv ins Blockchain-as-a-Service-Business ein / SatoshiPay ist live / Unternehmensberater setzen auf Blockchain / Sony will Blockchain für die Unterhaltungsindustrie nutzen / Wann macht Steam die Bitcoin-Integration offiziell?
  • #Technologie: Stromkosten senken mit Bitcoin / spannende Blockchain-Datenbank-Chimäre aus Berlin /
  • #Wissenschaft: kostenloses Bitcoin-Buch aus Princeton
  • #Legales: Lässt sich der Staat mit Hilfe der Blockchain ersetzen?
  • #Gesellschaft: Gedanken über den Monatslohn
  • #International: Die Europäische Zentralbank hat die Blockchain auf dem Schirm / Die Europäische Kommission will gläserne Bitcoin-Nutzer / Die Länder des Commonwealth sind aufgefordert sich pro Bitcoin zu äußern / Die Karibik sollte ein Hub für digitales Geld werden / UNICEF überlegt wie Bitcoin Kindern helfen könnte / Bitcoin in Vietnam / Bitcoin in Russland pfui, Blockchain aber hui!
  • #Fundstück: Die offizielle Bitcoin-Weisheits-Tröte

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Die taz hat Bock auf Bitcoin

Seit gestern kann man für taz-Artikel online mit Bitcoin bezahlen. Das ist mal ein Ding, haben wir damit doch das erste überregional bedeutende deutsche Medium, das sich auf Bitcoin einlässt.

Tatsächlich hat sich die tageszeitung aber selbst auch das ideale Umfeld für ein solches „Bitcoin-Experiment“ geschaffen, da sie für ihr Online-Angebot keine strikte Paywall aufgebaut hat, sondern auf freiwillige Zahlungen mit regelmäßiger Erinnerung setzt. Bitcoin dort nun neben der klassischen Überweisung (gibt es den taz-Flattr-Button eigentlich auch noch irgendwo?) als zusätzliche Bezahloption einzuführen, ist clever, gibt es dabei doch nichts zu verlieren. Im Gegenteil:

https://twitter.com/tazblog/status/491241333882114048

Bei allem Lob, hier aber auch die Kritik. So richtig gut erklärt hat der  verantwortliche taz-Redakteur die Zahlungsvariante Bitcoin auf der eigenen Seite aber nicht. Absätze wie

„Um einen Betrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und unsere taz-Bitcoin-Adresse. Sie können auch den abgebildeten QR-Code einscannen und damit von Ihrem digitalen Portemonnaie überweisen. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden – Sie müssen aber Mitglied des Bitcoin-Netzwerkes sein.

werfen doch einige Fragen auf. „Mitglied werden im Bitcoin-Netzwerk“? Was auch immer damit ausgedrückt werden soll – es scheint mir doch arg in eine falsche Richtung zu gehen. Da sollte dringend noch einmal jemand drüber redigieren und den Text so schreiben, dass potentielle neue Bitcoin-Unterstützer nicht unnötig verwirrt werden.

Dennoch – ich bin SEHR gespannt wie das weitergeht und welche Auswirkungen das auf die weitere Implementierung von Bitcoin als Bezahloption bei deutschen Medienanbietern hat. Immerhin erinnere ich mich in diesem Zusammenhang ja sehr gerne auch an die diesjährige re:publica, bei der ich verlacht wurde, als ich die Bühnengäste bei einer Diskussion zur Zukunft des Online-Journlismus fragte, was sie von Bitcoin als Zahlungsmittel hielten.

Den Mitschnitt der Veranstaltung findet ihr hier, ebenso wie die spätere Diskussion mit Sascha Pallenberg (dem am lautesten lachenden Podiumsgast) und anderen Usern hier im Blog. Damals hab ich, als die Diskussion in den Kommentaren auf Grund von verhärteten Standpunkten anfing den Rahmen eines sachlich-respektvollen Austauschs von Argumenten zu verlassen, alle Diskutierenden zu einem Bier auf der nächsten re:publica eingeladen, das ich vor Ort mit Bitcoin bezahlen werde, obwohl die diesjährige re:publica nahezu gar nichts mit Bitcoin zu tun hatte.

Ich bin mir immer noch ziemlich sicher, dass ich das ohne Schwierigkeiten werde einlösen können.

5 überraschende Bitcoin-Händler

Bitcoin etabliert sich. Ein Indiz dafür ist die stark wachsende Anzahl von verzeichneten real (nicht nur digital) existierenden Bitcoin-Händlern und Institutionen auf coinmap.org. Mehr als 4500 haben sich mittlerweile bei eingetragen, weit mehr als Hundert davon in Deutschland, um die 40 in Österreich und knapp 60 in der Schweiz.

Bei meinen Recherchen wollte ich mir mal einen Überblick verschaffen, wer sich so hinter all diesen Fähnchen auf der Karte verbirgt und ich muss sagen, die bunte Vielfalt hat mich sehr beeindruckt und geht quer durch wirklich alle Branchen. Klar sind viele IT-Dienstleister dabei, Bars und Restaurants, Online-Shops und Übernachtungsmöglichkeiten, aber es gibt auch viele dieser ganz besonderen Angebote – seien es Branchen, die einem (noch) nicht als erstes einfallen, wenn man an Bitcoin denkt oder Menschen, bei denen man nicht damit rechnet, dass Bitcoin sie in ihrem Lebensumfeld schon erreicht hat. Diese Einschätzung beruht letztlich aber immer auf eigenen Vorturteilen, eingefahrenen Denkmustern und vielleicht auch auf  dem Einfluss von zu stark verallgemeinerten Medienberichten.

Hier deshalb eine kleine, vollkommen willkürliche Auswahl von überraschenden und unerwarteten Perlen des deutschen Bitcoin-Handels.

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Ab ins Bitcoin-Resort Pt. II

Vor ein paar Wochen habe ich über das First-Bitcoin-Ressort auf Zypern berichtet, eine Appartementsiedlung am Meer speziell für Bitcoiner (Bitcoinerinnen? Bitcontainer? Gibt’s dafür schon einen Begriff?).

Damals hielt ich das ganze für eine lustige, halbernst gemeinte Idee und habe das mehr so aus Neugier beobachtet. Auf der Inside Bitcoins Konferenz in Berlin saß ich nun aber zufällig direkt neben Udi Ilan, dem Präsidenten der hinter dem The First Bitcoin Resort stehenden Immobilienfirma und nachdem er mir sein Faltblatt in die Hände gedrückt hat, habe ich die Gelegenheit genutzt ihm mal ein paar Fragen zu stellen. Hier nun die Antworten zusammengefasst.

Bitcoin resort

Zunächst einmal das Wichtigste: Das Bitcoin-Resort gibt es tatsächlich. Die ganze Anlage steht schon und von den rund 400 Wohnungen sind ungefähr 160 bereits verkauft. Allerdings haben noch nicht wirklich viele Eigentümer ausschließlich in Bitcoin bezahlt. Genaugenommen bisher nur zwei, einer aus Schweden und einer aus Großbritannien. Man kann die Wohnungen nämlich auch ganz klassisch in Rubel, Pfund, Kronen oder mit Öl kaufen, denn bisher kommen die meisten Interessenten aus dem Vereinigten Königreich, Skandinavien, Russland und dem Nahen Osten.

Die Preise für ein Appartement liegen zwischen 60.000 € und 250.000 € und daran orientiert sich dann auch der jeweilige Bitcoin-Preis. Um die Wertstabilität während des Kaufprozesses abzusichern – eine Wohnung zu kaufen ist ja mitunter etwas bürokratischer und zeitaufwändiger – sichert sich die Firma mit Optionen ab.

Der große Vorteil von Bitcoin sei aber, dass sich Bitcoins sowohl international schnell transferieren als auch innerhalb kürzester Zeit in andere Währungen umtauschen ließen. Ähnlich wie die Universität von Nikosia dient Bitcoin also auch hier eher als Medium des Werttransfers denn als Investitionsgut. Ein Schelm der dabei an Schwargeld, Steuerflucht oder Geldwäsche denkt.

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Vermutung aber nicht, denn immerhin soll The First Bitcoin Resort denjenigen eine Investitions-Option bieten, die große Gewinne mit Bitcoin gemacht haben und nun nach einer Möglichkeit suchen ihr Vermögen wertstabil anzulegen. Ob und inwieweit der Gegenwertwert der Bitcoins dabei vom neuen Appartement-Besitzer zuvor zu Hause versteuert wurde, interessiert die Firma nicht. Das ist zugegebenermaßen auch gar nicht deren Aufgabe, lässt aber vor dem Hintergrund der Eurokrise weder Zypern noch den Bitcoin so richtig gut da stehen und ist am Ende wohl Wasser auf die Mühlen der Kritiker.

Solide, charmant, aber …

Eigentlich ist das ein wirklich sehenswerter Beitrag geworden, den das EinsFestival-Format PULS da zu Bitcoin gemacht hat. Abwechslungsreich, vielseitig und vor allem unterhaltsam. Das ist alles in allem schön anzuschauen, …

… wären da nicht zwei Dinge, die den ersten Eindruck trüben.

Da ist zum einen dieser gestriegelte Bitcoin-Kritiker, dessen einzige Qualifikation für diesen Beitrag in „hat im Nebenfach BWL studiert“ zu bestehen scheint, der ansonsten aber nicht so richtig Ahnung von der Materie hat und dies mit einer unsympathischen Von-oben-herab-Attitüde zu überspielen versucht.

Um das klar zu stellen, ich finde Bitcoin-Kritik wichtig, aber mir scheint, dass viele Medien Schwierigkeiten haben solide Gesprächspartner (Contra-Bitcoin) zu finden, die ihre Argumentation aus einer tatsächlichen intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema und nicht durch die Übernahme fremder Meinungen, aus BWL-Grundkursbüchern oder qua Amt gewonnen haben.

Der zweite Kritikpunkt betrifft das Ende des Beitrags, der mit Aussagen der beiden Protagonisten wie

„… dann ist das ja an sich eine ganz schöne Idee mit dem alternativen Währungssystem. Wird bloß ’ne Illusion bleiben und unsicher ist das Ganze auch noch.“

und

„Man muss halt sagen am Ende ist es nur ein nettes Spielzeug für IT-Nerds und Broker mit viel Spürsinn. Eine Art Kasino, braucht man eben Glück, wenn man damit Geld machen will.“

das Thema Bitcoin nicht ganz nachvollziehbar als bereits gescheitertes Experiment darstellt und damit dem zurvor im Beitrag erarbeitete Bild wiederspricht, das sich Bitcoin noch in einem frühen Stadium eines Entwicklungs- und Ausprobierprozesses befindet, den man befürworten oder kritisieren kann.

Anstatt hier plötzlich ein rein negatives, statisches Fazit zu ziehen, das klingt als wäre es direkt vom BWL-im-Nebenfach-Mann übernommen, hätten die beiden Protagonisten hier in einem Zwischenergebnis noch einmal Pro und Contra gegenüberstellen müssen und einen Ausblick auf laufende Entwicklungsprozesse und weiteren Anwendungsideen für die Zukunft geben können.

So fragt man sich ein wenig verwirrt, warum die Meinung des BWLers am Ende plötzlich gewonnen hat und zurück bleibt ein negativer Eindruck von Bitcoin bei einem ansonsten aber ganz ordentlichen Beitrag.