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Medienschelte für den Deutschlandfunk

Am Samstag lief beim Deutschlandfunk in der Sendung Computer und Kommunikation ein Beitrag über Bitcoin, der nach journalistischen Standards so nicht hätte ausgestrahlt werden dürfen. Er verletzt nämlich gleich mehrere Grundprinzipien objektiver Berichterstattung.

Zum einen müssen bei kritischen Themen – zu denen Bitcoin unzweifelhaft gehört – immer beide Seiten, pro und contra, zu Wort kommen dürfen. Zum anderen darf der Journalist in seiner Funktion als kritischer Repräsentant des Hörers Antworten seiner Gesprächspartner nicht unkritisch übernehmen, sondern muss sie in einem Gesamtzusammenhang einordnen. Dieser Pflicht sind Autor und Deutschlandfunk, bei dem man sich sonst wirklich auf sehr gutes und journalistisch anspruchvolles Programm verlassen kann, beim Bitcoin-Thema am Samstag leider nicht nachgekommen.

Keine gleichwertigen Gesprächspartner

Der größte Fehler des Beitrags von Jan Rähm lag meiner Meinung nach in der Auswahl der Gesprächspartner, die zwar sehr interessant, aber unausgewogen war, wenn man sich überlegt, mit welchen Interessen welche Aussagen gemacht werden.

Da haben wir zum einen Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Vorstandes der Bundesbank. In seiner Funktion als Vertreter des bestehenden Währunssystems finde ich seine Einschätzungen zu Bitcoin grundsätzlich spannend. Allerdings ist es naheliegend, dass er nicht zu der Pro-Bitcoin-Fraktion gehört, immerhin verliert die Bundesbank durch die Etablierung von Bitcoin noch weiter an Einfluss auf das globale Finanzsystem. Mit der Einführung des Euro hat die Bundesbank ohnehin schon einen Großteil ihrer Entscheidungsbefugnisse an die Europäische Zentralbank abgeben müssen. Nimmt man nun Carl-Ludwig Thiele als Repräsentant der Contra-Bitcoin-Fraktion in den Beitrag, so müsste man für eine ausgewogene Berichterstattung auch ein gleichwertiges Gegengewicht für die Pro-Bitcoin-Seite anführen. Geeignete und qualifizierte Gesprächspartner dafür gibt es genügend. Ein bisschen Recherche – zum Beispiel über die hiesige Link-Seite – hätte mit Sicherheit und überschaubarem Aufwand zum Ziel führen können.

Stattdessen haben Autor und Redakteur mit Jan Suhr einen weiteren Gesprächspartner der Contra-Seite in den Beitrag eingebaut. Dieser ist nämlich Entwickler einer eigenen digitalen Währung, die, wenn sie fertig ist, in direkter Konkurrenz zu Bitcoin stehen wird. Insofern ist es absolut rational, dass er nicht die Vorteile und Stärken des Bitcoin betont, sondern die Schwächen und Probleme. Ein schlechtes Image des Bitcoin erhöht schließlich seine eigenen wirtschaftlichen Chancen künftig eine bessere Bitcoin-Alternative zu vermarkten. Das ist journalistisch mehr als nur fahrlässig und Formulierungen wie

„Ähnlich sieht das…“

sollten Autor und Redakteur eigentlich schon beim Schreiben des Beitrags als Warnzeichen für eine möglicherweise einseitige Berichterstattung wahrnehmen.

Ungefilterte Meinungsübernahme

Die zunächst unausgewogene Auswahl der Gesprächspartner hätte der Autor des Beitrags durch den journalistischen Kniff zumindest etwas abdämpfen können, dass, wenn schon keine Gesprächspartner der Pro-Seite direkt zu Wort kommen, er zumindest selbst die Pro-Argumente zusammenfasst und denen des Bundesbankers und des Bitcoin-Konkurrenten entgegenstellt. Das macht er leider nicht. Stattdessen lässt er bspw. die folgende, äußerst streibare Aussage von Carl-Ludwig Thiele einfach so stehen:

„Bitcoins sind wenig transparent, wenig verständlich und nicht rechtssicher und damit haben sie auch nicht die Qualität, die wir bei Währungen wie Dollar oder Euro kennen.“

Wir halten kurz fest: ein Banker wirft einem Open-Source-Projekt Intrasparenz vor? Und nur weil Carl-Ludwig Thiele Bitcoin nicht versteht, kann das keiner verstehen? An dieser Stelle wäre eine kritische Einordnung des Autors dringend nötig gewesen, stattdessen übernimmt er sie jedoch vollkommen unkommentiert.

Auch im anschließenden Kollegengespräch, dass leider nicht zum Nachhören online verfügbar ist, verpasste es Jan Rähm die tendenziöse Richtung seines Beitrags aufzufangen. Auch hier präsentierte er eher Meinungen anderer, anstatt kritisch einzuordnen und dem Hörer sie Möglichkeit zu geben, sich selbst eine Meinung zu bilden.

Aus Fehlern lernen

Der gesamte Bitcoin-Beitrag  fällt damit in die Kategorie Meinungsmache gegen Bitcoin und verdient sich eine Top-Platzierung auf der Gute-Beispiele-für-schlechten-Journalismus-Liste. Da sollte der Deutschlandfunk eigentlich nicht platziert sein wollen.

Nur ein gutes hat dieser Beitrag. Er bestätigt mich darin, dass es richtig und wichtig ist mit diesem Blog ein auch für Journalisten *zwinkerzwinker* verständliches Bitcoin-Recherche- und Informationsangebot anzubieten.

Mehr Informationen:
Digitale Währung mit schwankendem Kurs – Deutschlandfunk