Bitcoin-Presseschau

Presseschau 2014/29

Die The Coinspondent-Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Diesmal für die Woche vom 14. bis 20. Juli 2014.

Die Sommerpause ist vorbei, die Presseschau ist wieder da. Leicht überarbeitet und noch nutzerfreundlicher. Die Veränderungen: ab jetzt gibt es jede Woche ein etwas umfangreicheres, kritisch hinterfragtes Hauptthema. Dazu die wichtigsten Bitcoin-Nachrichten der Woche und neu – eine Sammlung kurz kommentierter Links, die keine eigene Meldung wert sind, aber auch nicht unter den Tisch fallen sollen.

Wir probieren die neue Struktur jetzt mal ein bisschen aus – ich glaub, das kann ganz gut funktionieren. Falls ihr sonst noch Wünsche, Kritik und Kommentare habt, immer her damit.

Der Bitcoin-Kurs …

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Bitcoin-Kurs der vergangenen 30 Tage (Quelle: Blockchain.info)

… ist in den vergangenen vier bis fünf Wochen relativ stabil gewesen und pendelt nach einem zwischenzeitlichen Tiefpunkt bei rund 560 US-Dollar Ende Juni und einem anschließendem Aufstieg auf 650 US-Dollar Anfang Juli nun recht kontinuierlich zwischen 620 und 630 US-Dollar. Manche erwarten ja, hergeleitet aus früheren Kurszyklen, einen baldigen exponentiellen Wertzuwachs – ich bin da jedoch etwas zurückhaltender. Schließlich müssten wir, wenn man vergangene Zyklen berücksichtigt, auch schon längst wieder in einer Eiszeit leben.

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Thema der Woche

Der giftige Apfel

New Yorker Finanzbehörde legt ersten Bitcoin-Regulierungsentwurf vor

poisen apple

Mitte der Woche hat Ben Lawsky, Superintendent des New York State Department of Financial Services (NYDFS) den ersten Entwurf zur Regulierung von Bitcoin und allen damit verbundenen Unternehmen und Tätigkeiten mit Bezug zu New York vorgestellt. Bei dem allgemein #BitLicense getaggte Papier handelt es sich weltweit um die erste rechtlich detaillierte Ausarbeitung wie Bitcoin konkret in das bestehende Wirtschafts- und Finanzsystem intergriert werden kann und die dabei einen globalen Vorbildcharakter hat. Die Reaktionen im Netz waren daher bisher größtenteils – um es vorsichtig zu sagen – erschrocken bis enttäuscht, geht die Vorlage doch vielfach weit über das hinaus, was freiheits- und unabhängigkeitsliebende Bitcoin-Nutzer und -Unternehmer befürchtet hatten. Die Kurzusammenfassung  des 40 Seiten umfassenden Dokuments lautet in etwa so:

Eine offizielle Lizenz brauchen demzufolge künftig alle „Unternehmen“, die digitale Währungen umtauschen (egal ob Euro/Dollar oder Altcoins), empfangen, verschicken, absichern oder speichern und dabei vorrübergehend oder dauerhaft in New York agieren. Also nahezu alle und jeder, da die Definitionsgrenzen hinsichtlich „unternehmerischem Handeln“ sehr weit gefasst sind. Vom Wallet-Anbieter bis zur Altcoin-Börse, vom Bitcoin 2.0-Startup bis zum einmaligen LocalBitcoins-Tausch fällt quasi alles in den Regulierungsrahmen. Die Betroffenen müssen darüber hinaus Rücklagen absichern, Kunden und Transaktionen identifizieren können und eine umfassende Besteuerungsdokumentation vorhalten.

Nicht alle Vorschläge des Entwurfs sind per se schlecht. Immerhin geht es auch darum unbedarfte Kunden vor windigen Bitcoin-Betrügern zu schützen, aber der Begriff Maximalforderung ist durchaus treffend, obwohl er angesichts des Umfangs der bundesstaatlichen Regulierungswünsche fast ein wenig untertrieben scheint.

Eine weitergehende Übersicht und Sortierung der Vorschläge nach The Good (ein wenig), The Bad (der Großteil) and The Ugly (Einiges) findet sich bei Two Bit Idiot, der frustriert ist, jedoch dazu aufruft, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern nun selbst aktiv zu werden und den Gesetzentwurf im eigenen und Allgemeininteresse umfassend zu kommentieren und kritisieren. Immerhin ist dies möglich, denn erst in drei Tagen wird der Entwurf offiziell vorgestellt, worauf eine 45-tägige Kommentarphase folgt, an deren Ende dann eine finale Regelung stehen wird.

Ob und inwieweit die Kommentare jedoch letztlich konkreten Einfluss haben werden, dafür gibt es keine Garantie, zumindest aber einige Hinweise. Immerhin hätte der Entwurf auch still und heimlich veröffentlicht werden können, stattdessen ist Ben Lawsky aber über Reddit aktiv auf die Bitcoin-Community zugegangen und hat Rückfragen und Feedback einfordert. Außerdem sei es politische Verhandlungstaktik, zunächst einmal mit Maximalforderungen zu starten, da das bei dem erwarteten Gegenwind mehr Spielraum für einen Kompromiss in der Mitte biete. Dennoch – „The Big Bitcoin-Apple“ schmeckt derzeit recht sauer.

Nachrichten der Woche

Markantes Fehlen journalistischer Standards

Mittlerweile gibt es ja unzählige Bitcoin-News-Seiten im Netz und erschreckend viele nehmen es nicht ganz so genau, wenn es um gekaufte Beiträge aka Betrug am Leser geht. Tom Butterfield wollte bei englischsprachigen Bitcoin-Seiten positive Nachrichten über eine fiktive Bitcoin-Börse unterbringen und hätte das bei erstaunlich vielen Seiten problemlos machen können. Sein Tipp nun: Boykott dieser Seiten.

Bitcoin News Sites & Dishonesty – Medium

Für’s Protokoll: Auch ich kriege hier immer mal wieder Angebote und Nachfragen für nach journalistischen Standards zwielichtige „Kooperationen“ mit Unternehmen und/oder anderen News-Sites. Kürzlich erst:

„Hi, I’d like to ask you about retweeting our news. If you retweet us 3 times a day or more, we will place a link to your site on our partners page. We can also alternatively pay some additional BTC for this.“

Ich ignoriere solche Anfragen grundsätzlich.

Selbstregulierung des größten Mining-Pools

CEX.io bzw. GHash.io hat zugesichert (pdf) künftig nicht mehr als 39,99 Prozent der Hashleistung des Bitcoin-Mining-Netzwerks anzustreben. Hintergrund war die Gefahr von 51-Prozent-Attacken durch das Erreichen der Mehrheit im Netzwerk durch den beliebten Mining-Pool.

Bitcoin-Dienstleister wider die 51-Prozent-Bedrohung – Heise.de

Links der Woche

Tweet der Woche

Passend zum Regulierungsthema.

Die nächste Presseschau erscheint kommenden Sonntag, den 27. Juli. Bis dahin eine schöne Woche!

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)

2 Gedanken zu „Presseschau 2014/29“

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