Bitcoin-Presseschau

Bitcoin-Presseschau #40

Die Presseschau fasst jeden Sonntag die wichtigsten Informationen, Entwicklungen und Links aus dem Bereich Bitcoin und digitale Währungen zusammen. Diesmal für die Woche vom 6. bis 12. Oktober 2014.

Der Bitcoin-Kurs

Also das war mal eine ereignisreiche Woche. Manche nennen, das, was sich Anfang der Woche abspielte episch und jeder, der sich ein bisschen mit Bitcoin auskennt, wird geneigt sein, dem wenigstens ein kleines Bisschen zuzustimmen. Aber der Reihe nach.

Zunächst setzte der Kurs seine seit Wochen anhaltende Talfahrt fort und fiel wie letzte Woche bereits befürchtet tatsächlich auf unter 300 US-Dollar pro Bitcoin.

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Am Montag fiel der Bitcoin Kurs auf unter 300 US-Dollar. Danach wurde es episch. (Quelle: Blockchain.info)

Dann tauchte plötzlich ein „BearWhale“ betiteltes Mysterium auf. Ein ominöser Verkäufer stellte mit einem Schwung 30.000 Bitcoin auf der größten europäischen Bitcoin-Börse Bitstamp zum Verkauf und errichtete damit bei 300 US-Dollar eine sogenannte Sellwall, die den Bitcoin-Preis so lange niedrig hielt, bis die Nachfrage dieses plötzliche Überangebot wieder ausgleichen konnte. Einfache Marktmechanik. Denn erst, wenn die Nachfrage nach Bitcoin größer ist, als das Angebot, würde der Preis wieder steigen können.

The Bitcoin Bearwhale
„Der epische Kampf gegen den Bärwal“ – eines der mysteriösten Fabelwesen des Bitcoin-Ökosystems inspirierte Redditor mabezard zu diesem Werk.

Es kam also zum live Stresstest, ob der Markt eine so große Nachfrage würde erzeugen können, um die Sellwall zu überwinden oder nicht. Ein Scheitern hätte dabei wahrscheinlich ein weiteres massives Einbrechen des Bitcoin-Kurses zur Folge gehabt.

Damit begann der Käufer-Sturm auf die Sellwall und der Kampf gegen den mysteriösen „Bearwhale“, der sich wie ein Lauffeuer im Netz verbreitete und sich dadurch immer mehr selbst beschleunigte. Denn der gemeinsame Run auf die angebotenen Bitcoins stärkte vielerseits die Hoffnung, dass die seit Monaten anhaltende Kurstalfahrt nun doch endlich einmal den Boden erreicht haben könnte und das sich mit günstig eingekauften Bitcoins vielleicht ein gutes Geschäft machen ließe.

„WE JUST HARPOONED THAT MOTHERFUCKER!“ (Reddit)

Nach ein paar sehr spannenden Stunden (Möglicherweise waren die 30.000 Bitcoin ja nur der Anfang?) war die Sellwall schließlich eingerissen und der Bitcoin-Kurs stieg wieder auf zwischenzeitlich 375 US-Dollar. Mittlerweile liegt er wieder etwas niedriger, aber die Tendenz ist weiterhin positiv.

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Aber was hat es nun mit diesem mysteriösen „Bearwhale“ auf sich?

Sofort gingen natürlich die Spekulationen los, was den „Bearwhale“ mit seiner Sellwall heraufbeschworen haben könnte. Marktmanipulation ist in solchen Zusammenhängen immer eine der ersten Behauptungen, aber der Ablauf der Verkaufsaktion deute laut Experten nicht auf eine durchdachte Trading-Strategie hin. Andere Stimmen vermuten, dass große Investments – möglicherweise in Mining-Hardware – den Verkäufer gezwungen haben, seine Bitcoins zu Geld zu machen, bevor der Kurs noch weiter sinkt. Eine dritte Theorie geht vom gezielten Ankurbeln der Nachfrage aus, um der Entwicklungen der vergangenen Monate und der daraus resultierenden allgemeinen Verunsicherung entgegen zu wirken. Schaut man auf den Kurs hat das ja vorerst zumindest auch funktioniert.

Was aber als sicher gilt und bei der Menge der Bitcoins nicht überrascht, ist, dass es sich bei dem Verkäufer um einen Early Adopter handelt und möglicherweise war es diese Wallet, über die der Verkauf abgewickelt wurde.

bearwhale
Weniger episches Phantombild des ominösen Bärwals und seiner Sellwall. Eine schwache Nachfrage konfrontiert mit einem enormen Angebot.

Letztlich bleiben aber viele Fragen (noch) unbeantwortet. Trotzdem hatte die ganze „Bearwhale“-Geschichte einen weiteren bedeutenden Effekt. Denn seit dieser Woche ist Bitcoin um ein weiteres Mysterium reicher. Der „Bearwhale“ hat nicht nur für enorme Aufmerksamkeit gesorgt, er hat der Community auch ein Stück weit ihr so wichtiges Wir-Gefühl zurückgegeben, das durch die zunehmende Professionalisierung und Mainstreamisierung von Bitcoin in den letzten Monaten ein wenig abhanden gekommen war. Nicht zuletzt zeigt die intensive thematische und künstlerische Auseinandersetzung mit dem „Bearwhale“-Thema ja auch, wie wichtig den Bitcoinern dieses  „Wir gegen den Rest der Welt“-Erfolgserlebnis und das „Gemeinsam können wir alles erreichen“-Gefühl ist.

Denn letztlich ist das Geheimnisvolle, das Mysteriöse, das nicht Erklärbare eines der wichtigsten Charakteristika von Bitcoin und in vielerlei Hinsicht verantwortlich für die Faszination, die von Bitcoin ausgeht.

So gesehen war das Auftauchen des „Bearwhale“ ein prägendes, identitätstiftendes und deshalb wertvolles Ereignis für Bitcoin und die Community. Weniger wegen des Kurses, sondern im Hinblick auf die Werte und Ideale, für die Bitcoin steht.

Hier noch ein paar lesenswerte Links zum Thema:

Links und Nachrichten der Woche

Facebook arbeitet angeblich an Bezahldienst

Da PayPal-Expertise mit an Bord ist und PayPal mit Bitcoin experimentiert, schließt sich hier vielleicht die Lücke zwischen Facebook und Bitcoin. Changetip macht ja bereits vor wie sich Bitcoin mit Interaktion in sozialen Netzwerken umsetzen lässt.

Blockchain sammelt Millionen ein

Blockchain, eines der bedeutendsten und relevantesten Unternehmen des Bitcoin-Ökosystems hat eine frische Finanzierungsrunde abgeschlossen und dabei stattliche 30,5 Millionen US-Dollar eingesammelt. Das ist eine ordentliche Benchmark, die Blockchain damit neben Coinbase, Xapo und Circle zu den bestfinanziertesten Bitcoin-Unternehmen macht. Hier ein Bloomberg-Interview mit Peter Smith, dem Präsidenten des Unternehmens, bei dem Nutzer aus der ganzen Welt mittlerweile rund 2,4 Millionen(!) Wallets angelegt haben:

Krypto-Börse als Alternative zur Wall Street

Der amerikanische Versandhändler Overstock will eine Art kryptowährungsbasierten Aktienmarkt aufbauen und damit eine Bitcoin-Alternative zur Wall Street schaffen. Ermöglichen soll das das Bitcoin 2.0-Projekt Counterparty. Viele Details sind noch offen, auch, ob sich ein dezentralisierter Aktienmarkt überhaupt durchsetzen lässt.

Tatsächlich bietet aber auch der „traditionelle“ Aktienmarkt einigen Verbesserungsbedarf. Schönes Beispiel aus Deutschland: Nachdem in der große Dotcom-Blase Anfang des Jahrtausends vor allem Klein- und Privatanleger viel Geld verloren haben, fährt der Markt, Dank der Rocket Horror Picture Show, nach gerade wieder mit voller Schubkraft gegen den Baum. Gewinner: Banken, Großanleger, die Samwer Brüder. Verlierer: Klein- und Privatanleger.

Mycelium veröffentlicht Bitcoin Wallet 2.0

Verbesserte Privatsphäre, verbesserter Service, verbesserte Backup-Funktion. Aus Erfahrung weiß ich, wie wichtig gerade letzteres ist.

Bitcoin Foundation treibt Standardisierung voran

Die Bitcoin Foundation will sich um einen Bitcoin-Code nach ISO 4217 bemühen, dem internationalen Standard für Währungskürzel. BTC steht dabei in der engeren Auswahl wegen des allgemeinen Gebrauchs, es könnte allerdings auch XBT werden, da die bestehenden Richtlinien bei globalen Gütern wie bspw. Gold (XAU) oder supranationalen Währungen wie dem Euro (XEU) ein „X“ an erster Position vorsehen. Im selben Zug soll auch ein einheitliches Unicode-Symbol festgelegt werden. In der engeren Auswahl sind dabei B⃦, ฿, and Ƀ.

Tweet der Woche

Soviel zum Bärwal.

https://twitter.com/Steveonomics/status/520236752997347328

Die nächste Presseschau erscheint kommenden Sonntag, den 19. Oktober. Bis dahin eine schöne Woche!

Titelbild: “Zeitungsausträger” Flickr-User barmala (CC BY 2.0)